Das Grabmal Kaiser Maximilians
28 überlebensgroße Bronzestandbilder, welche die Verwandtschaft Kaiser Maximilians sowie seine Vorbilder zeigen, flankieren das Hochgrab. Die Empore zieren die Statuetten der Schutzheiligen des Hauses Habsburg. Die zum ursprünglichen Konzept gehörigen Büsten der römischen Imperatoren (zwanzig sind erhalten) befinden sich heute in der Ambraser Sammlung.
Die Bronzestatuen und Heiligenstatuetten von hervorragender künstlerischer Qualität bilden mit dem Kenotaph das größte europäische Kaiserdenkmal aller Zeiten. Die Hofkirche wird im Volksmund auch "Schwarz Mander-Kirche" genannt.
Kaiser Maximilian dachte zunächst an einen Trauerzug nach antikem Vorbild, den sein Standbild anführen sollte. Dies war eine revolutionierende Idee in der Sepulkralplastik. Es ging ihm darum, das Ansehen des Kaisertums, den Ruhm und die Ehre des Hauses Habsburg gebührend darzustellen. Die Büsten der Imperatoren sollten die Kontinuität und Legitimität der Kaiserwürde seit der Antike bezeugen. Die Heiligen aus dem Hause Habsburg und seiner Verwandtschaft sollten das Anrecht der Habsburger auch von der kirchlichen Seite her begründen.
Der Beginn der Arbeiten fällt in das Jahr 1502, als der Münchner Gilg Sesselschreiber zum Hofmaler Kaiser Maximilians ernannt und mit den Entwürfen der großen Ahnenfiguren beauftragt wurde. 1509 wurde in der Werkstätte Peter Löfflers nach Sesselschreibers Entwurf und Modell die erste Statue, Ferdinand oder Johann von Portugal (hier finden sich in der Literatur unterschiedliche Fachmeinungen), gegossen.
Die Sesselschreiberischen Figuren sind keinem Stil verbunden, sie stellen die Vorfahren als unverwechselbare Persönlichkeiten dar: Herzog Ernst den Eisernen, Großvater Maximilians, Philipp den Schönen, Maximilians Sohn, Rudolf von Habsburg, 1273 zum römischen König gewählt, im Krönungsmantel mit dem typischen Habsburgergesicht, Maria von Burgund, die geliebte erste Gemahlin Kaiser Maximilians oder Zimburgis von Masowien im Faltenstil der Spätgotik, Maximilians Großmutter.
Stefan Godl oblag der Guss der Heiligenstatuetten, den er zur vollen Zufriedenheit des Kaisers ausführte, während die Arbeiten in der Sesselschreiberischen Werkstätte nur sehr langsam vorangingen. Maximilian wandte sich deshalb an den wohl besten und international bedeutendsten Gießer, Peter Vischer d.Ä. in Nürnberg, der nach Entwürfen Albrecht Dürers 1513 die Statuten des Gotenkönigs Theoderich und des sagenumwobenen Königs Artus von England goss. Für Maximilian, der an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, vom Ritterheer zum Söldnerheer stand, verkörpert Artus das Rittertum schlechthin. Alle weiteren Standbilder wurden in der Innsbrucker Gusshütte gegossen, die 1518 Stefan Godl nach der Absetzung Sesselschreibers erhalten hatte.
Als Maximilian 1519 auf einer Reise nach Wien in Wels starb, waren von den 28 Figuren, die heute sein Grabmal umstehen, erst 11 fertig. Die Arbeiten gingen nach Maximilians Tod unter der Leitung Stefan Godls gut voran. Es entstanden hervorragende Gusswerke: Herzog Philipp, der Gütige von Burgund, der Großvater Maria von Burgunds, ist mit dem von ihm eingeführten Orden vom Goldenen Vlies dargestellt. Den Orden trägt auch Marias Vater, Karl der Kühne. Durch die Heirat Marias von Burgund mit Kaiser Maximilian I. ging der Orden vom Goldenen Vlies auch an die Habsburger. Die letzte Figur, die des Frankenkönigs Clodwig, wurde erst 1550 in der Werkstätte des Innsbrucker Glockengießers Gregor Löffler gegossen.
Den Mittelpunkt des Denkmals bildet das Hochgrab nach einem Entwurf des Prager Malers Florian Abel. Feinste Marmorreliefs der Brüder Bernhard und Arnold Abel (3 Stück) und des aus Mechelen berufenen Alexander Colin (1561-66) (21 Stück), die Szenen aus dem Leben des Kaisers zeigen, schmücken das Hochgrab. Von Alexander Colin, mit dem die flämische Hochrenaissance in Innsbruck Einzug hielt, stammen auch die Modelle für die vier Kardinaltugenden, welche die bekrönende Figur des Kaisers, die erst 1584 gegossen wurde, umgeben. Das Grab blieb leer, Maximilian ruht unter dem Altar der Burgkapelle in der Wiener Neustädter Burg. Besonders bemerkenswert ist das umgebende Schmiedeeisengitter des Prager Hofschlossers Jörg Schmiedhammer (um 1570) nach einer Zeichnung des Innsbrucker Malers Paul Trabel.









