Grabungstätigkeit

Der Sammelbereich besteht seit Gründung des Ferdinandeum. Mit der Ernennung des Innsbrucker Geografen Univ.-Prof. Dr. Franz Ritter von Wieser zum „Fachdirektor in der naturhistorischen Sektion und speziell für prähistorische Fundstücke und Forschungen" widmete sich das Museum ab 1877 durch Ausgrabungen intensiv der archäologischen Erforschung Alttirols. Insbesondere in seiner Zeit als Vorstand des Ferdinandeum zwischen 1887 und 1919 gelangten große Fundkomplexe mit überregionaler Bedeutung aus Südtirol und dem Trentino auch durch gezielte Ankäufe aus dem Antiquitätenhandel sowie durch Schenkungen in den Sammlungsbestand. Dazu zählen die Weihegaben vom Brandopferplatz Mechel - Valemporga und aus der Siedlung und den Heiligtümern von Sanzeno im Nonsberg, Grabkomplexe aus dem römerzeitlichen Brandgräberfeld von Salurn und das sog. langobardische Fürstengrab von Civezzano. Seit dem Ende des 1. Weltkrieges ist das Erwerbungsgebiet auf das Bundesland Tirol beschränkt.

RESTAURIERUNGSWERKSTÄTTE SEIT DEN 1920ER JAHREN
Nach dem Ableben von Franz v. Wieser 1923 betreute der spätere Ordinarius für Urgeschichte an der Universität Marburg a. d. Lahn, Dr. Gero von Merhart, zwischen 1924 bis 1927 als ehrenamtlicher Fachdirektor den Sammlungsbestand. Neben einer Neuaufstellung der Schausammlung schloss er die vom Staatsdenkmalamt Wien begonnene Inventarisierung des Depotbestandes ab und richtete eine Restaurierungswerkstätte ein. Gero von Merhart führte zwischen 1934 und 1937 die Untersuchung im eisenzeitlichen Brandgräberfeld Wörgl – Egerndorfer Feld fort, die 1842/43 vom Wörgler Antiquitätenverein mit finanzieller Zuwendung von Seiten des Ferdinandeum begonnen worden war.

Mit Gründung des Instituts für Vor- und Frühgeschichte an der Universität Innsbruck 1942 und der Besetzung des Ordinariats mit Univ.-Prof. Dr. Leonhard Franz übernahm dieser – vom Verwaltungsausschuss des Ferdinandeum zum Fachdirektor bestellt – die Agenden der archäologischen Sammlungen. 1954 leitete er eine Folgeuntersuchung in der überregional bedeutenden hallstatt- und latènezeitlichen Nekropole Wörgl - Egerndorfer Feld. Deren systematische Erforschung war ab 1981 ein besonderes Anliegen von ao. Univ.-Prof. Liselotte Zemmer-Plank, Kustodin der Sammlungen von 1964 bis 1996. Ihre zahlreichen Rettungsgrabungen erweiterten die Sammlungsbestände erheblich – insbesondere auch jenen zur Spätbronzezeit durch die Untersuchungen in den Gräberfeldern u. a. in Innsbruck – Hötting und im Schlosspark Ambras, in Sistrans, Ellbögen und Mühlbachl.

GRABUNGSKAMPAGNE IN VOMP SEIT 2005
Ab 1997 bildeten Forschungsschwerpunkte die Fortsetzung der Ausgrabungen im Brandgräberfeld Wörgl - Egerndorfer Feld sowie für die Römerzeit Rettungsgrabungen in den Kastellbereichen von Veldidena (Innsbruck - Wilten) und Teriolis (Zirl - Martinsbühel). Von 2005 bis 2016 wurde in nahezu ganzjährigen Grabungskampagnen die größte spätbronzezeitliche Nekropole Tirols in Vomp - Fiecht, Au erforscht. Bis Ende 2013 konnten 417 Brandgräber dokumentiert und geborgen werden. Einmalig sind die mit großem Aufwand errichteten Steinkistengräber, in der Vielzahl und Bauart sind sie in Tirol bislang ohne Vergleich. Die den Verstorbenen für das Weiterleben im Jenseits mitgegeben Grabbeigaben erschließen den Wohlstand und die Sozialstruktur der damaligen Bevölkerung und vermitteln den Bezug zum Kupfererzbergbau während der späten Bronzezeit im Raum Schwaz.

Sonderausstellungen auch in den Tiroler Bezirken forcieren die wissenschaftliche Bearbeitung von unpublizierten Sammlungsbeständen unter Einbindung in Tiroler Bezirks- und Heimatmuseen verwahrter archäologischer Funde.