SINJE DILLENKOFER
Architekturen des Archivs

Die deutsche Künstlerin Sinje Dillenkofer (*1959) zeigt im Ferdinandeum Bilder aus der Werkgruppe CASES. Es handelt sich dabei um Fotografien von Innenansichten historischer Behältnisse, in denen Tafelsilber, Prunkgefäße oder wissenschaftliche Instrumente aufbewahrt wurden. Die Objekte stammen aus den Sammlungen der Tiroler Landesmuseen und von Schloss Ambras, aus dem Tiroler Landesarchiv, dem Stadtarchiv sowie aus Privatsammlungen. Dillenkofer nutzt das historische Behältnis als Metapher, seinen architektonischen Raum als Bild-Raum. Die Fotos können als Index gelesen werden, der Auskunft gibt über die gesellschaftliche Funktion und Bedeutung der Schatullen, Etuis und Gehäuse.

ZUM BILD GEWORDENE SPEICHER
Zum anderen haben Dillenkofers CASES das Speichern und Archivieren selbst zum Thema. Die Künstlerin knüpft damit an die Tradition einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Archiv und dem Archivieren an. In Dillenkofers CASES kommt es zu einer Sichtbarmachung jenes Ordnungssystems, das die Grundlage jeglicher musealen Arbeit bildet. Sie sind bildhaft gewordene Arbeitsspeicher und Fotografien bzw. Repräsentanten von Speicher- und Ordnungssystemen in einem. Sie sind Inhaltsträger und Bewahrer zugleich – und somit „Museen“ in sich.

DAS BEHÄLTNIS ALS FALL
„Cases“ steht im Englischen für „Koffer, Behältnisse, Gehäuse, Etuis“ und für juristische, kriminologische oder generelle „Fälle“. Beide Übersetzungsvarianten sind bei Dillenkofer zutreffend. Gegenstände wie Schmuckstücke, liturgische Prunkgefäße, technische Instrumente, Urkunden oder Waffen sind in den Behältnissen nur als Hohlraum bzw. durch die Spuren ihres Abdrucks präsent. Die Fotografien der CASES scheinen so das Abwesende in ihnen zu verkörpern. Sie werden zu sogenannten „Fällen“ und ihre Geschichten erst in der Imagination des Betrachters lebendig. Dillenkofers Bilder offerieren sich so als ,Spiegel‘ der Gedanken des Betrachters und ‚Zeugnis’ der Zeit, aus der sie stammen.