Gabriela Oberkofler. Prekäre Leben

Haben Sie beobachtet, wie sich Raubtiere auf ihre Beute werfen? Es ist ein schauderhafter Moment – und doch natürlich. Nur der Betrachter empfindet die Brutalität einer solchen Situation, denn Raubtiere können für ihr Handeln nicht verurteilt werden. Immer wieder hat der Mensch das Tier als Spiegelbild seiner moralischen Vorstellungen verwendet. Das Wilde übt eine große Anziehungskraft aus, die seit jeher Zoobesucher genauso begeistert wie Abenteurer. Das Tier eignet sich aber auch als treuer Begleiter, mit dem sich der Mensch identifizieren kann. Die Sehnsucht nach dem Tier vermag eine Verbindung zum natürlichen Ursprung des Menschen herzustellen. Dabei ist die Vergewisserung der menschlichen Macht über das Tierreich jedoch unabdingbar.

Die Künstlerin Gabriela Oberkofler (geb. 1975) zeichnet Tiere sowie andere Naturmotive akribisch nach. In einem langen, fast bildhauerischen Zeichnungsprozess entstehen filigrane Strukturen. Dadurch funktioniert das Ergebnis weniger als Abbild, sondern kann sich vielmehr als eigenständige Form behaupten. Oberkofler hat solche Gebilde mit Tierpräparaten aus den Naturwissenschaftlichen Sammlungen und mit Objekten aus dem Volkskunstmuseum konfrontiert. Im Dialog entwickeln sich Fragen über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier sowie zwischen Leben und Tod. Sowohl bei der Geburt als auch am Sterbebett scheint die Natur wieder die Oberhand zu gewinnen. Der Mensch verliert die Kontrolle.

Als inhaltliche Anregung für die Ausstellung und Ausgangspunkt für die Serie „Votivfiguren“ hat sich Oberkofler mit dem Bereich „Das prekäre Leben“ der Dauerpräsentation beschäftigt. Dort wird auf die existentiellen Hoffnungen und Sorgen der Menschen mit Themen wie Schwangerschaft, Geburt, Leben und Tod eingegangen – aber auch wie der Mensch versucht, die Kontrolle darüber zu gewinnen.