Hier zuhause
Migrationsgeschichten aus Tirol

Migration ist kein neues Phänomen. Jede Epoche und jede Region sind in unterschiedlicher Weise von Zu- und Abwanderung geprägt. Manchmal verstellen Vorurteile den Blick auf diese Realität. Wenn Nation als abgeschlossenes Ganzes, als Ursprung einer von der Geburt an unveränderlichen Identität betrachtet wird, entsteht eine scheinbar scharfe Trennung zwischen zugehörig und nicht zugehörig. Doch inwieweit ist das Nationale überhaupt bedeutend? Ist der Unterschied zwischen „Global Player“ und MigrantInnen nicht vielmehr aus einer sozialen Perspektive heraus zu verstehen?

In der Ausstellung wird der Blick deshalb auf soziale Aspekte gelenkt. Im Mittelpunkt steht die Arbeitsmigration der 1960er und 1970er Jahre. Die florierende Wirtschaft in Österreich forderte damals Arbeitskräfte, die seit dem Anwerbeabkommen 1964 aus der Türkei bzw. 1966 aus Ex-Jugoslawien angeworben wurden. Unter welchen Bedingungen lebten die MigrantInnen? Gab es für sie Möglichkeiten, die Landessprache zu erlernen? Welche Räume standen den Neuzugezogenen offen, welche blieben ihnen verwehrt? Wie wurden die „GastarbeiterInnen“ von damals und ihre Familien „mehrheimisch“? Was sagen die folgenden Generationen dazu?

Persönliche Objekte und Erinnerungen von ZeitzeugInnen werden in der Ausstellung miteinander in Beziehung gestellt. Die Schau ist als Diskussionsraum gestaltet – als Konferenz, in der verschiedene Erfahrungen gehört werden können. MigrantInnen mehrerer Generationen sowie die KuratorInnen denken über historische Beziehungen, über Stereotype und Vorurteile oder über soziale Zusammenhänge nach. Diese Perspektiven werden zu einer gemeinsamen Erzählung verknüpft, wodurch die Migration einen sichtbaren Platz im Museum und in der Geschichtsschreibung Tirols erhält. Der zeitliche Abstand ermöglicht es, historische Aspekte hervorzuheben, die in gegenwärtigen Debatten genauso aktuell sind. Doch die Frage nach der Deutungshoheit bleibt nach wie vor brisant: Wer spricht? Welche Geschichten werden erzählt und was möchte wer hören?

Die Ausstellung „Hier zuhause. Migrationsgeschichten aus Tirol“ ist eine Kooperation mit dem Zentrum für MigrantInnen in Tirol (ZeMiT), den Instituten für Zeitgeschichte und Erziehungswissenschaften der Universität Innsbruck, dem Land Tirol (Abteilung Gesellschaft und Arbeit – Integration) und der Stadt Innsbruck.

Im Kooperationsprojekt Sparkling Science „Gesichter der Migration“ erforschen Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit WissenschaftlerInnen der Universität Innsbruck ihre eigene familiale Migrationsgeschichte und die Historie der Standorte ihrer Schulen (Fulpmes und Pradl). Auf den Spuren der Migrationsgeschichten lernen die Jugendlichen neben dem Forschungsprozess an sich, auch die Vielfältigkeit diverser Migrationsbewegungen vor Ort und die familiären Erfahrungen mit Migration und Diversität kennen.