Dauerausstellungen im Zeughaus

Die Reise durch die Kulturgeschichte des Landes Tirol beginnt mit Erklärungen zur Entstehung des heutigen landschaftlichen Erscheinungsbildes Tirols. Ausgestellt sind unter anderem Gesteine wie der Hagauer Marmor, der als Baustein in der Architektur Tirols eine wichtige Rolle spielt, bzw. solche, die Zeugnis sind für die Prozesse, die nach dem Rückzug der letzten Gletscher die Täler betroffen haben. Die archäologischen Funde von der Mittelsteinzeit bis ins Frühmittelalter belegen, dass trotz der durch die alpine Landschaft erschwerten Lebensbedingungen und vielfältigen Gefahren die natürlichen Ressourcen – insbesondere die bereits in der Bronze- und Eisenzeit abgebauten Erzlagerstätten – Grundlage für Wirtschaft und Prosperität waren.

Die Schausammlung verdeutlicht, dass Tirol zur Übergangszeit vom Mittelalter zur Neuzeit ein Bergbaugebiet ersten Ranges war. Kupfer, Silber, Zink, Blei, Eisen und Salz wurden abgebaut. Das tirolische Münzwesen erreichte in der Regierungszeit von Erzherzog Sigmund dem Münzreichen und Maximilian I. seinen Höhepunkt. Zu sehen sind Besonderheiten wie das Schwazer Bergbuch von 1556, der Knappschaftsbecher aus Rattenberg um 1600, Prägewerkzeuge sowie zahlreiche Schaugepräge Maximilians I. wie Porträtmünzen, Hochzeitsguldiner oder der Doppelreitertaler anlässlich der Annahme des Kaisertitels.

Münzstätte Hall Erzherzog Sigmund der Münzreiche, Guldiner, 1486, Wenzel Kröndel (Stempelschneider), Silber
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Münzstätte Hall Erzherzog Sigmund der Münzreiche

WIRREN IN EINER NEUEN ZEIT

Den sozialen und religiösen Missständen des 16. Jahrhunderts und dem Einsetzen der Gegenreformation, die zum heute noch manchmal benützten Schlagwort „Heiliges Land“ Tirol führte, widmet sich ein weiterer Raum. Erzählt wird von vermeintlichen „Hexen“ und „Zauberern“, von Rebellen und Außenseitern wie z. B. Michael Gaismair, der sich im 16. Jahrhundert gegen die Unterdrückung der Bauern durch den Landadel und den Klerus auflehnte, oder den „Hutterern“, eine religiöse Gruppe, die sich nach Ende der Bauernaufstände formierte und jegliche Form von Obrigkeit ablehnte.

Eine weitere Station in der Schausammlung sind die Befreiungskriege Tirols. Das besondere Engagement der Tiroler in den Freiheitskämpfen hing stark mit ihren Sonderrechten (keine Leibeigenschaft, Landlibell von 1511) und der hohen Wertschätzung des eigenen Vaterlandes zusammen. Zu den herausragenden Persönlichkeiten dieser Zeit zählen Andreas Hofer, Major Josef Speckbacher und der Kapuzinerpate Joachim Haspinger.

Älteste erhaltene Tiroler Fahne, um 1500 Öl auf Leinwand, mehrfach überarbeitet
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um 1500 Öl auf Leinwand, mehrfach überarbeitet

ERFINDER UND ENTDECKER

Wissenschaftliche Leistungen und die „Eroberung“ des Gebirgslandes, zum Beispiel durch Landschaftsmaler und den Tourismus, beleuchtet ein weiterer Raum. Ein herausragendes Objekt ist die erste Europa-Straßenwandkarte von Martin Waldseemüller aus dem Jahr 1520. Mit Peter Anich (1723-1766) aus Oberperfuss wird der Höhepunkt einheimischer kartographischer Leistungen erreicht. Ausgestellt sind u. a. seine großen Globen. Im 19. Jahrhundert ist die Erfindung eines Mappierungsgeräts für Distanzen-, Kurven- und Höhenmessungen von Jakob Eisendle beispielhaft.

Die günstige Entwicklung des Landes, dessen Wirtschaft durch den aufblühenden Tourismus eine kräftige Stütze erhielt, erfährt mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine scharfe Zäsur. Im letzten Abschnitt der Schausammlungen wird die politische Entwicklung des Landes von der Teilung bis zur „Europaregion Tirol“ skizziert. 

Himmelsglobus, 1755/56 Peter Anich Kugel aus Holz mit Gipsschicht, aufgeklebte handschriftlich geschriebene Papierblätter, vierfüßiges Holzgestell mit gedrechselten Säulen
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Himmelsglobus, 1755/56 Peter Anich Kugel aus Holz mit Gipsschicht, aufgeklebte handschriftlich geschriebene Papierblätter, vierfüßiges Holzgestell mit gedrechselten Säulen Leihgabe der Universität Innsbruck

Sammlungsleiter*innen