
eins, deux, three, quattro, 1990, WVZ. 984
Standort:
Zeughaus
Zeughausgasse 1
Ich glaube, was bei den Arbeiten meines Vaters aufregend sein könnte, ist die Tatsache, dass sie eigentlich sehr unproblematisch einfach erscheinen. Auf jeder Seite des Würfels steht eine Zahl. Zahlentexte waren eine große Liebe meines Vaters. Er war immer der Meinung, dass die Zahlen durchaus philosophische Grundfragen thematisieren. Wenn man nur zum Beispiel an die Schwelle zwischen Null und Eins denkt, das ist ja ein wirklicher Abgrund. Aber hier wird etwas anderes impliziert. Wenn man heute ein Kind bittet, einmal bis zehn zu zählen, dann wird es unter Umständen, ab einem gewissen Alter zumindest, eins, zwei, drei, vier … sagen. Das heißt, man denkt bei Zahlen sehr oft in Folgen. Also eins, zwei, drei … zehn erscheint uns als eine sehr vertraute, nicht zu hinterfragende Abfolge von Zahlen. Mein Vater hat auch die Zahlen von eins bis neun sehr gemocht, weil sie in einem gewissen Sinn die Grundlage sämtlicher Zahlen sind. Es gibt einen Text, bei dem in gleichmäßigen Abständen die Zahlen von eins bis neun zu sehen sind, aber es fehlt die Vier. Thematisiert ist hier, dass wir diese Linearität und dieses Folgenartige, Abfolgenartige von Zahlen nicht mehr hinterfragen. Es ist vielen Leuten gar nicht aufgefallen, dass die Vier fehlt, weil es so vertraut ist, dass man es gar nicht mehr hinterfragt. Was bei der Arbeit im Zeughaus aber thematisiert wird, ist zum einen, dass die Zahl fast wie eine Bestimmung der Seite des Kubus ist, auf der sie steht. Also, wenn wir um den Würfel herumgehen, hat jede Seite eine Bezeichnung. Dies ist in einem gewissen Sinn identitätsstiftend. Das heißt, die Seite mit der Eins ist eine andere als die Seite mit der Zwei. Was aber jetzt hinzukommt, ist die Mehrsprachigkeit. Sie unterbricht die vertraute Linearität, indem sie uns plötzlich mit Buchstabenfolgen konfrontiert, die wir nicht gewohnt sind. Wenn man die Sprachen beherrscht, ist es natürlich kein Thema, aber es ist diese scheinbar unproblematische Linearität der Abfolge eins bis vier, die unterbrochen wird, und dass man wahrnimmt, dass man es mit unterschiedlichen Sprachen zu tun hat. Auch das jeweilige Schriftbild ist ganz anders. Das führt dann zu Fragen wie: Wie kommt es überhaupt zu unterschiedlichen Sprachen? Wie entstehen Sprachen? Ist ein Begriff in einer anderen Sprache derselbe? All diese Fragen spielen bei einer vermeintlich einfachen Konstellation eine große Rolle. Zahlen haben durchaus unterschiedliche Physiognomien. Die ungeraden Zahlen gelten als eher offen. Vier jedenfalls hat etwas Geschlossenes an sich, was mit den vier Flächen in unterschiedlichen Sprachen korrespondiert.












