Sonderpräsentation: AUFERSTEHUNG – DIE KUNST DES LEEREN GRABES

Die Grafische Sammlung feiert ihre Auferstehung und präsentiert zum Auftakt 32 noch nie gezeigte Arbeiten auf Papier, in denen Tiroler Barockkünstler die Frage nach der künstlerischen Darstellbarkeit des sterbenden und toten Gottessohnes aufwerfen und nach einer Antwort der Bilder auf das leere Grab des Auferstandenen suchen. In vier Kabinetten werden motivischen Paradebeispielen aus der Passion Christi Aktstudien zur Seite gestellt, in denen männliche Modelle die Posen des leidenden und gestorbenen Christus einnehmen. Diese ästhetische Pendelbewegung zwischen überkommener Ikonografie und künstlerischer Befragung des Motivs entbirgt die barocke Neugier auf den Wahrheitszugang der Aktzeichnung.

Dudeserts barocke Kopie nach dem berühmten Kupferstich Claude Mellans stellt hierzu passend die Frage nach der Darstellbarkeit des erniedrigten Gottessohnes und gibt die Antwort in Gestalt einer einzigen, das gesamte Blatt kreisförmig ausfüllenden Linie. Einem Vexierbild gleich, gibt das Blatt das Antlitz Christi allein aus dem An- und Abschwellen des monoton um sich selbst kreisenden Linienverlaufes frei.

Zum Abschluss der Ausstellung erinnert die aus dem Grab aufstrebende Gestalt Christi mit einem Blick zurück durch die Raumflucht der Kabinette an manche der zuvor als leblose Körper gegebenen Aktstudien, nunmehr aber in die Senkrechte gebracht. Es zeigt sich hieran, dass die intensive künstlerische Auseinandersetzung mit der Wiedergabe des leblosen Gottessohnes immer schon dessen Auferstehung ästhetisch mitgedacht und vorbereitet hat.