Warum ist das Thema Artenvielfalt eigentlich so wichtig?
Peter Huemer, Leiter der Naturwissenschaftlichen Sammlung: Artenvielfalt betrifft uns eigentlich permanent, vom Essen bis in den Schlaf. Ihr Wert wird aber unterschiedlich festgelegt. Die Kartoffel ist als Nutzpflanze aus rein monetärer Sicht zum Beispiel wertvoller als andere Pflanzen. Es gibt aber auch den Selbstwert von Organismen, von Tieren, Pflanzen oder Pilzen. Ein Landschaftsraum hat wiederum einen psychologischen Wert. Wer in Tirol in die Natur hinausgeht, kennt den positiven Wert für unsere Psyche, der in Geld schwer messbar wäre.
Wenn ich mich im romantischen Mischwald wohler fühle als im Wirtschaftswald, gehört das also auch zu Biodiversität?
Huemer: Natürlich. Einen Wirtschaftswald kann ich rein ökonomisch sehen, dann bringt er viel Geld. Wenn ich ihn aus anderen Aspekten betrachte, stelle ich fest, dass er für unsere Psyche und für die Artenvielfalt nicht gut ist. Es gibt dort wenig andere Lebewesen, das Gleichgewicht von Fressfeinden und -freunden gerät aus der Ordnung. Man sieht das etwa bei den Borkenkäfer-Plagen: In einer Monokultur ist die Gefahr wesentlich größer, dass sich diese Käfer plötzlich ganz ungehindert vermehren. In einem natürlichen Gefüge würde das so nicht stattfinden. Im Endeffekt ist es nichts anderes als beim Coronavirus: Wenn einzelne Menschen wenig Kontakt miteinander hätten, würde das Virus schwer überspringen. So würde das auch in einem Wald gut funktionieren. Je enger wir zusammenrücken, je unnatürlicher es wird, desto kritischer.