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24.5.2022
6 min
Elisabeth Probst, M.A.

Jenseits der Baumgrenze

Die Ausstellung „Alpine Grenzgänger“ im Naturkundemuseum beim Alpenzoo stellt alpine Überlebenskünstler*innen der Tier- und Pflanzenwelt vor – und einen Pinguin.

Sonne, Wolken, stürmischer Wind. Karge Felsen, rutschiges Geröll, Temperatursturz. Ein mageres Stück Rasen, Schneefelder, bis in den Sommer hinein: Um hier zu überleben, braucht es das richtige Survival Kit. Die Tier- und Pflanzenwelt hat dabei ganz eigene Methoden entwickelt. Ob Blumen mit Fell, Schmetterlinge, die nicht fliegen können, oder Vögel, welche die Farbe wechseln: Die neue Ausstellung „Alpine Grenzgänger – Über Leben im Extremen“ in der Weiherburg beim Alpenzoo widmet sich den Überlebenskünstler*innen der Tiroler Bergwelt und stellt die vielseitigen Strategien vor, mit denen sie den Bedingungen am Berg trotzen.

Auf 2.000 Metern und mehr

Da, wo die Bäume zu wachsen aufhören, beginnt in den Alpen die Welt des Extremen. Hier, an der Baumgrenze, setzt auch die Ausstellung an, bevor man über die Grasheide in Richtung Fels- und Eisstufe und damit in höhere Lagen wandert. Aber welche Tier- und Pflanzenarten sind in diesen Gegenden eigentlich zuhause? „In alpinen Lebensräumen finden sich viele, oft versteckt lebende Arten“, erklärt Peter Huemer, Leiter der Naturwissenschaftlichen Sammlung der Tiroler Landesmuseen. Dazu zählten sowohl bekannte Tiere wie das perfekt an Sommer und Winter angepasste Schneehuhn als auch der weitgehend unbekannte Alpenspanner, ein Schmetterling. „Beide Arten überleben locker Kälte und Schnee, Moose können gleich zehn Monate in den Winter Lockdown gehen und mit dem Gletscher-Hahnenfuß, dem Matterhorn-Bärenspinner und der Schneemaus werden selbst die höchsten Gipfel erreicht“, gibt Huemer ein paar Beispiele.

Tierisch gut angepasst

Winterschlaf und Winterruhe sind zwei Überlebensstrategien, von denen wohl schon jede*r einmal gehört hat. Auch manche Alpentiere wie das Murmeltier oder der Bär stellen ihren Organismus in der kalten Jahreszeit auf Sparflamme und verschlafen den Winter ganz oder teilweise. Doch Huemer und sein Team haben den Schwerpunkt der Ausstellung bewusst auf extreme Beispiele gelegt. Haben Sie etwa schon einmal von Amphibien gehört, die Kälte und Frost nur dank eines körpereigenen Gefrierschutzes überstehen, der verhindert, dass ihre Zellen einfrieren? Von Schlangenarten, die nicht wie sonst üblich Eier legen, sondern ihre Jungen lebend zur Welt bringen? Oder von Vögeln, die noch im Winter zu brüten beginnen, um ihre Küken direkt nach dem Schlüpfen mit Aas füttern zu können, das unter der schmelzenden Schneedecke zum Vorschein kommt? Im Rahmen der Ausstellung können Sie diese und weitere Über-lebenskünstler*innen kennenlernen.

Auch verschiedenen Falter zählen zu den Überlebens*künstlerinnen der Alpen.
© Wolfgang Lackner
Auch verschiedenen Falter zählen zu den Überlebens*künstlerinnen der Alpen.

Funktionskleidung aus Fell und Federn

Um in der Wildnis überleben zu können, sind viele Tiere auf eine ausgezeichnete Tarnung angewiesen. Schneehasen und Schneehühner etwa macht das weiße Fell bzw. Gefieder in verschneiter Umgebung quasi unsichtbar. Aber sind Sie schon einmal einem der beiden im Sommer begegnet? An ihrem weißen Kleid jedenfalls lassen sich die Alpenbewohner*innen dann nicht identifizieren, denn im Sommer färben sich Fell und Federn braun. So sind die Tiere zu jeder Jahreszeit vor Feind*innen geschützt. Das Federkleid des Alpenschneehuhns reicht zudem bis an die Zehen. Die Fußfedern sollen dabei nicht etwa wärmen, vielmehr verhindern sie, dass das Alpenschneehuhn stark im Schnee einsinkt, ähnlich wie man es von Schneeschuhen kennt. Bei der speziellen Fellfärbung der Wintergämse dagegen steht die Wärmegewinnung an erster Stelle. Neben einer extra Portion Winterspeck nimmt das dunkle Fell mehr Sonnenstrahlen und damit Wärme auf. Doch tatsächlich setzen nicht nur Tiere auf behaarte Körperoberflächen.

Weiß und haarig

Die vielleicht populärste Gebirgspflanze überhaupt zählt gleichzeitig auch zu den haarigen Gewächsen der alpinen Flora: das Edelweiß. Das filzige „Fell“ dient in erster Linie als Sonnenschutz und sorgt dafür, dass Feuchtigkeit nicht so schnell verdunstet. Andere Gewächse dagegen kommen in speziellen Wuchsformen vor, um bei extremen Bedingungen zu bestehen. Wieder andere bilden besonders große auffällige Blüten aus, um von den wenigen Insekten, die in der Höhe als Bestäuber zur Verfügung stehen, nicht übersehen zu werden. Michael Thalinger, Botaniker und ebenfalls einer der Ausstellungsmacher, betont allerdings: „Die Möglichkeiten, nach denen sich Pflanzen im Gebirge anpassen, sind sehr vielfältig, manche sind nicht auf den ersten Blick sichtbar.“

Frostschutz Schnee

Manche Gewächse verfügen über Gefrierschutzstoffe in den Zellen, mit denen die Pflanze ein Einfrieren verhindern oder gezielt steuern können. Gewächse, denen diese Möglichkeit fehlt, wie beispielsweise das Alpenglöckchen, wachsen oft an Stellen, wo der Schnee lange liegen bleibt und sie vor dem Erfrieren bewahrt. So kältebeständig die Pflanzen aber auch sein mögen, bei Frost wachsen können sie nicht. „Zumindest über vier Grad Celsius sollte es im Wurzelbereich haben, damit Wachstum möglich ist“, weiß der Botaniker.

Der Alpenpinguin

Die Pflanzen und Tiere, denen man in der Ausstellung begegnet, haben in den Hochlagen der Alpen ihr Zuhause gefunden. „Im Prinzip brauchen die Arten die extremen Bedingungen. Sie haben sich im Laufe der Evolution darauf eingestellt“, fasst Peter Morass, Wirbeltierexperte und Tierpräparator unter den Ausstellungsmachern, zusammen. Eine Ausnahme gibt es allerdings: den Königspinguin. Er und seine Artgenoss*innen sind selbstverständlich nicht in den Alpen daheim. Wie er es mit einem Augenzwinkern trotzdem unter die „Alpinen Grenzgänger“ geschafft hat, erfahren Sie ebenfalls beim Besuch der Ausstellung. Wer noch dazu wissen möchte, wie sich so ein Pinguingefieder anfühlt, darf gerne zugreifen, denn der Südpolbewohner ist eines der Streichelpräparate, die in der neuen Ausstellung zu sehen – und anzufassen – sind.

Michael Thalinger
© TLM
6.4.2022
Elisabeth Probst, M.A.

Podcast 21: Alpine Grenzgänger

In Folge 21 des Museumsgeflüsters unterhalten wir uns mit Michael Thalinger, Botaniker und Kurator der Ausstellung "Alpine Grenzgänger" über die Überlebensstrategien von Pflanzen im Hochgebirge.

Autor*in

Elisabeth Probst, M.A.

 
Elisabeth Probst
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