Er hatte zuvor in seiner Manier / wie damals sehr im Schwange gegangen / auf der Schraffierung gute Ordinanz / Achtung gegeben / und daß die Strich lang auf ein ander mit schöner Zierlichkeit des Grabstichels correspondirn möchten: auf Anweisung obgedachten Rubens aber / als der ihm vor allem andern der Mahlerey-Art zu folgen ermahnet / bunde er sich nicht mehr an des Grabstichels Mühsamkeit / in der Zierde / sondern beobachtet einig und allein die Sache selbst / was er zu bilden sich vorgenommen / nämlich neben der correcten Proportion in allem die Flache des Lichts oder Tags / neben der halben und ganzen Flache des Schattens und Gegen-Glanzes / worinnen er also verwunderlic erfahren gewesen / daß alles sich meisterhaft gerundet aus einander erhoben / und kräftig nach Verlangen über sich gezogen / daß es nicht bäßer mit Penseln in weiß und schwarz hätte zuwegen gebracht werden mögen. Wordurch er dann das Lob erlanget / daß er der Mahler mit den Grabstichel benamet / … worden.
Joachim von Sandrart über Lucas Vorsterman, Rubens’ bevorzugter Kupferstecher nach dessen Werken,
in der „Teutschen Academie der edlen Bau- Bild- und Mahlerey Künste“, Nürnberg 1675, I.2, S. 358, cl. 1
