11.12.2023
2 min
Mag.a. Maria Moser

Zeughaus-NEU: Kleine Schachtel, große Geschichte

Um über 1600 m² Ausstellungsfläche museal zu bespielen braucht es Objekte, in unserem Fall Hunderte davon.

Der Großteil stammt aus den hauseigenen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen, nur einzelne Objekte müssen von anderen Museen, Institutionen oder Sammlungen ausgeliehen werden.

Eine solche sogenannte „Leihgabe“ wurde vor kurzer Zeit vom Innsbrucker Freundeskreis Pesthaus direkt ins Zeughaus gebracht: eine eher unscheinbare Schachtel, die jedoch von einer großen Tiroler Industriegeschichte erzählt.

Penicillin wird im Jahr 1928 von Alexander Flemming entdeckt. 1941 gelingt es, das Antibiotikum für die Anwendung am Menschen tauglich zu machen, es ist zu Beginn allerdings nur per Spritze injizierbar.

Die Nachfrage nach dem kostbaren und häufig nur am Schwarzmarkt erhältlichen Penicillin ist Ende des Zweiten Weltkriegs besonders groß, die geschwächte Bevölkerung bräuchte es dringend zur Bekämpfung der grassierenden Infektionskrankheiten.

Um dieses wichtige Medikament in Österreich selber herstellen zu können, wird 1946 in den Räumlichkeiten der stillgelegten Kundler Bierbrauerei die Biochemie gegründet – die hygienischen Anforderungen für die Fermentation von Penicillin ähneln jenen der Bier-Gärung, somit kann die bestehende Anlage genutzt werden. Nach zwei schwierigen Jahren gelingt es 1948 schließlich injizierbares Penicillin (sogenanntes „Penicillin G“) herzustellen. Die große Sensation liefert allerdings 1951 die Entwicklung des säurestabilen und in Tablettenform oral verabreichbaren „Penicillin V“ durch Ernst Brandl und Hans Margreiter in Kundl. Dies ist der Beginn; in den Folgejahrzehnten entwickelt sich das mittlerweile unter den Namen Novartis/Sandoz agierende Unternehmen zu einem Schwergewicht von Weltruf in der Pharmaindustrie.

Spannend, oder?
Weitere interessante Erzeugnisse „made in Tyrol“ und Industriegeschichte(n) aller Art gibt es ab April 2024 in der neuen Dauerausstellung im Zeughaus!

Injizierbares „Penicillin G“, um 1950, Innsbruck/Kundl, Biochemie GesmbH, Leihgabe Freundeskreis Pesthaus, Innsbruck
© TLM
Injizierbares „Penicillin G“, um 1950, Innsbruck/Kundl, Biochemie GesmbH, Leihgabe Freundeskreis Pesthaus, Innsbruck

Autorin

Mag.a. Maria Moser

 
Maria Moser
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