Ältere Kunstgeschichtliche Sammlungen

Kunst des 11. bis 19. Jahrhunderts

Die Älteren Kunstgeschichtlichen Sammlungen geben mit rund 8.000 Werken einen vielfältigen Überblick über 900 Jahre europäische Kunstgeschichte – vom 11. Jahrhundert bis um 1900. Jenseits von weltweit einzigartigen Objekten wie der Artuqidenschale oder Meisterwerken beispielsweise von Cranach, Rembrandt, Kauffmann und Segantini umfassen die rund 2.000 Gemälde, rund 1.000 Skulpturen und mehr als 6.000 kunsthandwerklichen und kunstgewerblichen Gegenstände alle Epochen der regionalen, überregionalen und internationalen Kunst und Kultur Europas. Ein Schwerpunkt liegt auf der mittelalterlichen Kunst. Neben herausragenden Arbeiten von unbekannter Hand wie dem Gaaler Kruzifix, der „Madonna mit dem Kruseler oder dem Altar von Schloss Tirol, finden sich spätmittelalterliche berühmte Künstler wie Hans Multscher, Hans Klocker und der Meister von Seeon sowie Michael und Friedrich Pacher.

Spitzenwerke aus Kaiser Maximilians Zeit

International hohe Beachtung genießen die Spitzenwerke aus der Zeit Kaiser Maximilians I. bzw. des 16. Jahrhunderts. Im Annenberger Altar verbinden sich erstmals Elemente der regionalen Spätgotik und der italienischen Renaissance. Aber auch viele der relevantesten Künstler der Zeit wie Lucas Cranach der Ältere und der Jüngere, Hans Baldung Grien, Hans Schäufelein, Bernhard Strigel, Hans Daucher, Christoph Amberger, Marx Reichlich, Jörg Breu, Jakob Seisenegger, Jörg Lederer, Hans Maler, Nikolaus Türing, Caspar Gras oder Alexander Colin sind vertreten.

Niederländische Malerei: Rembrandt bis Brueghel

Außergewöhnlich qualitätvoll ist die umfangreiche Sammlung an niederländischer Malerei. Beginnend mit klangvollen Namen des 16. Jahrhunderts wie Jan van Scorel, Meister von Frankfurt oder Herri met de Bles, finden sich vor allem viele berühmte Maler des Goldenen Zeitalters wie Rembrandt, Pieter Brueghel d. J., Jan van Goyen, Gerard ter Borch, Aelbert Cuyp, Aert van der Neer, Barent Fabritius, Frans de Momper, Adriaen und Isaac van Ostade, Jan Miense Molenaer, Philips Koninck, Jan Weenix, Egbert van Heemskerck und Jan Both. Der Bestand an Stillleben ist von Weltrang und wartet mit den wichtigsten Vertreterinnen und Vertreter wie Rachel Ruysch, Jan Davidsz. de Heem, Jan van Kessel, Jan Pauwel Gillemans, Jan van der Heyden oder Gaspar Verbruggen auf.

Meisterwerke der Italienischen und französischen Kunst

Unter den italienischen Gemälden stechen Werke von Guariento, Palma il Giovane, Domenico Fetti, Sebastiano Ricci, Piazzetta, Rosalba Carriera und Pietro Longhi sowie vor allem das berühmteste Porträt des für die frühe Oper so bedeutenden Komponisten Monteverdi von Bernardo Strozzi heraus. Neben einer hervorragenden Plaketten-Sammlung ist der Bereich Kleinplastik mit ausgezeichneten Arbeiten von Künstlern wie Guglielmo della Porta oder Alessandro Vittoria sehr bemerkenswert. Französische Kunst wurde zwar wenig gesammelt, jedoch ist sie mit Gemälden von Antoine Coypel und Jean-Etienne Liotard sowie Email-Arbeiten aus Limoges, u. a. von Pierre Reymond, und mittelalterliche Elfenbein-Schnitzereien durchaus prominent vertreten.

Kunst des Barock aus Österreich und Süddeutschland

Einen großen Schwerpunkt bildet die Kunst des Barock. Skulpturen von berühmten Künstlern wie Balthasar Permoser und Simon Troger stehen hier neben regional bedeutenden Bildschnitzern wie Hans Patsch, Andreas Thamasch oder Simon Föger. Hinzu treten eine Vielzahl an Gemälden von namhaften Malern wie Paul Troger, Johann Georg Platzer, Martin Theophil Polak, der Unterberger-Familie, Johann Jakob Zeiller, Johann Evangelist Holzer, Anton Zoller, Anton Faistenberger, Johann Georg Dominikus Grasmair oder dem Münchner Hofmaler Johann Andreas Wolff.

Bedeutende Maler zwischen Spätbarock, RoKoko und Klassizismus

Die Malerei des 18. Jahrhunderts besticht ferner durch eine ganze Reihe von wichtigen Vertreterinnen und Vertreter der Kunst zwischen Spätbarock, Rokoko und Klassizismus wie Angelika Kauffmann, Martin van Meytens, Franz Anton Maulbertsch, Dietricy, Johann Baptist Lampi, Josef Schöpf, Johann Kupetzky, Martin Knoller und Carl Henrici. Simon Troger und Nikolaus Moll wiederum sind hervorragende Bildhauer jener Zeit.

Entdeckung der Heimat und der Fremde im 19. Jahrhundert

Der umfassende Bestand an Malerei des 19. Jahrhunderts besticht einerseits durch Landschaften von bedeutenden Künstlern wie Josef Anton Koch, Martin von Molitor, Thomas Ender und Carl Rottmann. Andererseits liegt der Fokus auf der damals auch international höchst erfolgreichen Münchner Schule der Historien- und Genremalerei, vertreten durch Hauptwerke des „Tiroler Kleeblatts“ Franz von Defregger, Alois Gabl und Mathias Schmid. August Pezzey d. J., Josef Willroider, Joseph Wopfner sowie insbesondere der für die Wiener Secession einflussreiche Theodor von Hörmann und schließlich Giovanni Segantini weisen den Weg in das 20.Jahrhundert.

Kunsthandwerk aller Epochen

Äußerst umfangreich ist die Sammlung an kunsthandwerklichen, kunstgewerblichen und liturgischen Objekten in allen Materialien und durch alle Epochen. Sie reicht von Elfenbein-Schnitzereien aus der Embriacchi-Werkstatt über Mörser von Peter Löffler und Caspar Gras bis zu einem herausragenden Bestand an Glas-Objekten aus Hall, Innsbruck und Venedig.

Seit der Gründung des Ferdinandeums 1823 wurden die Älteren Kunstgeschichtlichen Sammlungen sukzessive erweitert. Das Fundament bildet ein großzügiges bürgerliches Engagement, aber von Beginn ist auch die Unterstützung durch den Adel und kirchliche Würdenträger spürbar, die den Bestand durch Stiftungen und Schenkungen bis in das 20. Jahrhundert hinein ausbauten. Leihgaben des Landes Tirol und anderer öffentlicher und privater Einrichtungen, Legate und vor allem eine kontinuierliche Ankaufstätigkeit des Museumsvereins heben auch heute noch die Qualität der Sammlung.

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