In Tirols Wäldern, Gärten und Häusern leben faszinierende Tierarten, welche den vielen jedoch verborgen bleiben. Zu diesen meist heimlich lebenden Arten zählen die Bilche, auch „Schlafmäuse“ genannt. Die bekanntesten Vertreter dieser Familie sind der Siebenschläfer und die Haselmaus. Über ihre Verbreitung und Bestandszahlen ist bisher nur wenig bekannt. Forschende der Säugetier-Arbeitsgemeinschaft der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen haben sich zum Ziel gesetzt mehr über die vier heimischen Bilcharten herauszufinden und benötigen dafür die Mithilfe der Bevölkerung!
Wo haben sich die „Schlafmäuse“ versteckt?
Melde deine Beobachtungen von Siebenschläfern und ihren Verwandten!Geheimnisvolle Nachbarn
In Tirol kommen neben dem bekannten Siebenschläfer und der kleinen Haselmaus noch zwei weitere, weitaus weniger bekannte Arten vor, der bunt gefärbte Gartenschläfer und der seltene Baumschläfer. Letztere erreichen hier ihre Verbreitungsgrenzen. Es gibt nur wenige Regionen in Europa in welchen alle vier mitteleuropäischen Arten nachgewiesen wurden. Diese bewohnen alle Waldhabitate, sind jedoch je nach Art an unterschiedliche Waldformen angepasst. Ebenso sind alle vier omnivor, unterscheiden sich aber in ihren Nahrungspräferenzen. Über die genaue Verbreitung der vier Arten in Tirol ist nur wenig bekannt und Aufgrund der geringen Menge an Daten können derzeit keine Aussagen getroffen werden ob deren Bestände zu- oder abnehmen.
Was sind Bilche?
Bilche gehören wie Murmeltier, Biber und Eichhörnchen zur weltweit artenreichsten Säugetierordnung, den Nagetieren. Diese stellen nicht nur eine wichtige Nahrungsquelle für Greifvögel, Eulen, Marder und Füchse dar, sondern spielen auch eine wichtige Rolle für die Samenverbreitung und in der Landschaftsgestaltung. Auf dem Speiseplan einiger Nager steht nicht nur pflanzliche Kost. Auch Insekten und andere wirbellose Tiere sowie Vogeleier und kleine Wirbeltiere werden gefressen. Bilche und ihre Verwandten sind somit im Nahrungsnetz nicht nur als Beute, sondern auch als Jäger von Bedeutung.
Rekordhalter im Schlafen
Ihren Namen „Schläfer“ verdanken die meist nachtaktiven Bilche der Eigenschaft einen großen Teil des Jahres zu verschlafen. Der Siebenschläfer verbringt in unseren Breiten 7 – 8 Monate im Winterschlaf, in Ausnahmefällen kann er sogar bis zu 11 Monate verschlafen und ist somit Rekordhalter im Tierreich. Das Herabsetzen des Stoffwechsels hilft Bilchen wertvolle Energie zu sparen und so den Winter aber mitunter auch nahrungsarme Sommermonate zu überwinden. Den Winterschlaf halten die Tiere zumeist in unterirdischen, frostfreien Erdhöhlen, wie beispielsweise unter Baumwurzeln. In den Sommermonaten sind die Tiere häufig weit weniger ruhig. Mitunter sind diese sogar recht stimmfreudig und ihre Rufe gut zu hören. Geschickt klettern sie durchs Geäst aber auch durch menschliche Behausungen, wie Dachböden und Scheunen.
Faszinierende Überlebensstrategien
Im Gegensatz zur Waldmaus und Co. ist der Schwanz dicht behaart und teilweise buschig. Bei einem Angriff kann eine Strategie lebensrettend wirken. Wird der Schwanz festgehalten, reißt die Haut an einer Sollbruchstelle ab und ermöglicht die Flucht. Dieser wächst nicht mehr nach, sondern bleibt verkürzt. Ein kürzerer Schwanz stellt allerdings einen Nachteil beim Balancieren und auch im Winterschlaf dar.
Die vier „Schlafmäuse“
Der weithin bekannte graue Siebenschläfer erinnert in Gestalt ein wenig an ein kleineres Eichhörnchen mit stets gesenkt gehaltenem Schwanz. Es gibt in Mitteleuropa noch drei weitere Arten, welche nur in Ausnahmefällen alle in derselben Region vorkommen. Tirol stellt weltweit eine dieser wenigen Gebiete dar. Neben Siebenschläfer und Haselmaus kommen bei uns auch die weniger bekannten Arten Gartenschläfer und Baumschläfer vor. Der Gartenschläfer erreicht in Tirol seine östliche, der Baumschläfer seine westliche Verbreitungsgrenze. Alle vier Arten bewohnen Waldhabitate, sind jedoch an unterschiedliche Waldformen angepasst. Siebenschläfer und Gartenschläfer nutzen zusätzlich auch menschliche Bauten als Unterschlupf.
Arten von Bilche
- Baumschläfer (Dryomys nitedula)
© Sylvia KeldererDer seltenste Vertreter der Familie der Bilche in Tirol ist der Baumschläfer. Auffälligstes Unterscheidungsmerkmal ist ähnlich wie beim Gartenschläfer seine schwarze Augenbinde, die aber nicht bis hinters Ohr reicht. Der Baumschläfer ist nicht wesentlich größer als die etwa nur fingerlange Haselmaus und kann leicht mit einem jungen Siebenschläfer verwechselt werden. Auch diese Art steht wie die Haselmaus unter besonderem Schutz. In Tirol gibt es nur wenige Nachweise des Baumschläfers, welche sich derzeit auf Regionen südlich des Inns beschränken und zu einem guten Teil aus den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts stammen. Daher ist bei uns auch wenig über die Art bekannt, weder wo sie überall lebt, noch was ihre Lebensweise in der Alpenregion betrifft.
- Gartenschläfer (Eliomys quercinus)
© Wolfgang BacherWeniger bekannt dagegen sind der Gartenschläfer und der Baumschläfer, die sich mehr von Wirbellosen, wie Insekten, ernähren als ihre beiden Artgenossen. Der Gartenschläfer ist die auffälligste und am buntesten gefärbte Art, was ihr im Tiroler Oberland den Namen „bunte Maus“ eingebracht hat. Neben der Dreifarbigkeit fällt die schwarze Gesichtsmaske und die schwarz-weiße Endquaste am Schwanz auf. Anders als die anderen Bilcharten verbringt der Gartenschläfer mehr Zeit bei der Nahrungssuche am Boden, weswegen er strukturreiches Gelände mit starkem Unterwuchs und felsdurchsetzte Lebensräume mit vielen Spalten und Löchern bevorzugt. Nach dem Siebenschläfer ist dieser die zweitgrößte Bilchart und teilt mit seinem Verwandten sowohl die Stimmfreudigkeit als auch die Angewohnheit sich gerne in Hütten „einzumieten“. Er reagiert wehrhafter als seine Verwandten auf menschliche Annäherung und ist sehr agil. Gartenschläfer besiedeln unterschiedliche Lebensräume sowohl im Mittelgebirge und den Alpen als auch in tiefer gelegenen Weinbaugebieten (Steinmauern) und Streuobstwiesen. Auch im Siedlungsgebiet kommt er vor, wird aber hier vermutlich vom größeren Siebenschläfer verdrängt. In weiten Teilen Mitteleuropas ist die Population des Gartenschläfers in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen (um bis zu 50 %). An den Gründen wird aktuell geforscht. In Tirol ist die Datenlage bisher unzureichend, daher können aktuell keine Aussagen zur Verbreitung, Bestandsdichten und -entwicklung gemacht werden.
- Haselmaus (Muscardinus avellanarius)
© Petra Schattanek-WiesmairUnter Fachleuten ist die Haselmaus, die kleinste Art der „Schlafmäuse“, bekannt. Sie steht unter besonderem Schutz (FFH-Richtlinie, Anhang IV; Tiroler Naturschutzverordnung 2006, Anlage 5). Tatsächlich ähnelt diese Art am ehesten einer „typischen Maus“, unterscheidet sich allerdings durch den buschig behaarten Schwanz, die größeren Augen und die auffällig orange-braune Färbung von dieser. Sie hinterlässt an Haselnüssen charakteristische Fraßspuren, welche auch von Laien erkannt und in „Citizen Science“-Projekten genutzt werden können. Im Gegensatz zu „typischen Mäusen“, wie der Waldmaus, ist die Haselmaus viel seltener. Sie hat weniger Nachkommen, erreicht dafür aber ein höheres Alter. Die kleinste heimische Bilchart kann sich nur begrenzt ausbreiten und ist auf eine gut ausgeprägte Strauchschicht (z. B. Brombeerhecken, Gehölzstreifen und Waldsäume) angewiesen. Darin legt sie ihre kugelförmigen, etwa faustgroßen Sommernester an. Wege und Straßen sowie Freiflächen können schon unüberwindbare Barrieren für sie darstellen.
- Siebenschläfer (Glis glis)
© Petra Schattanek-WiesmairDer Siebenschläfer ist der größte heimische Bilch und auch der bekannteste. Sein Fell ist an der Oberseite grau und am Bauch weiß bis hellgrau. Bei der Wahl seiner Tagesquartiere ist er anpassungsfähig und bezieht neben natürlichen Behausungen wie Baumhöhlen auch Dachböden oder Vogelnistkästen. Manchmal nutzen mehrere Individuen das gleiche Quartier. Siebenschläfer sind stimmfreudig und deren Lautäußerungen vielfältig und gut zu hören. Bei schlechten Wetterbedingungen in den Sommermonaten können Siebenschläfer in einen Energiesparmodus (sog. Torpor) fallen. Dabei werden die Körpertemperatur herabgesenkt und Stoffwechsel Prozesse verlangsamt, um Energie zu sparen.
Aufruf zur Mithilfe!
Wie es um die Verbreitung und die Bestandszahlen der vier Bilcharten in Tirol steht, ist bisher kaum erforscht, da die Nachweisdichten zu gering sind und großflächige Studien fehlen. Dabei ist dieses Wissen essenziell für deren Erhalt! Hier benötigen wir Ihre Mithilfe!
Manche Bilche „mieten“ sich in Hütten und anderen Gebäuden ein oder überraschen einen in Wald und Wiese. Auch in Vogelnistkästen oder auf Wildkameraaufnahmen kann man Bilche immer wieder entdecken. Die kleinen Tiere werden gelegentlich auch von Katzen erbeutet oder verunglücken in offenen Gefäßen, z.B. Regentonnen. Wenn Du einen Siebenschläfer oder einen seiner Verwandten in der freien Natur oder bei dir zuhause entdeckst, tot oder lebendig, melde deine Beobachtung bitte mit Fundort, Funddatum und wenn möglich Foto an:
Petra Schattanek-Wiesmair (p.schattanek@tiroler-landesmuseen.at)
Carsten Löb (0664 1239949)
Deine Beobachtung trägt dazu bei, Forschende der Säugetier-Arbeitsgemeinschaft der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen zu unterstützen, mehr über diese interessanten Tiere zu erfahren.
Jede Meldung zählt!
Du kannst deine Beobachtung auch gleich hier im Formular eintragen. Du erhällst auf jeden Fall eine persönliche Rückmeldung!
Ihre Ansprechpartnerin
Mag.a. Petra Schattanek-Wiesmair, MSc
Zoologie / Wirbeltiere / Präparation









