Anton Christian

Eine Sonderausstellung über das Gesamtwerk des Tiroler Künstlers Anton Christian in drei Häusern.

Open House: 3.9.2020, 19-22 Uhr, Volkskunstmuseum, Eintritt frei

Volkskunstmuseum // 4.9.2020 – 7.2.2021
Rabalderhaus Schwaz // 11.9. – 26.10.2020
Villa Schindler Telfs // 12.9. – 30.10.2020

Zu seinem 80. Geburtstag präsentiert Anton Christian sein vielfältiges Gesamtwerk. Er wagt sich darin an die Schattenseiten des menschlichen Lebens: Krankheit, Einsamkeit, Tod, Krieg, Leid. Seine teils irritierenden und zugleich anziehenden Gemälde und Skulpturen treten im Volkskunstmuseum in Innsbruck mit der Dauerausstellung in Dialog. Im Rabalderhaus in Schwaz werden Fotografien präsentiert, in der Villa Schindler in Telfs steht das grafische Werk im Zentrum.

Anton Christian bringt in seiner Kunst die Realität an ihre Grenzen. In seinen Figuren sind zwar reale Formen von Mensch und Tier erkennbar, sie nehmen durch das heftige Leid, die Qual, das Elend und die Not, die sie ausdrücken, aber surreale Züge an und tauchen in die essenziellen Sphären des menschlichen Daseins ein. Er bezieht Stellung und scheut sich nicht davor, unpopuläre Fragen zu stellen. „Es ist oft kein angenehmer Anblick, aber das soll Kunst auch nicht unbedingt sein“, so Direktor Mag. Dr. Peter Assmann. „Die Werke berühren tief und regen zur Reflexion an.“ Anton Christian ergänzt: „Ich möchte, dass sich die Leute lange an meine Kunst erinnern müssen, wie an einen besonders schönen oder bösen Traum.“ Angelehnt sind seine Werke oft an aktuelle Geschehnisse. Vor einigen Jahren griff er etwa die Flüchtlingsthematik auf, zuvor die Folgen des Jugoslawienkrieges, den Vietnamkrieg und das Dritte Reich. Jedes Werk erzählt eine eigene Geschichte.

Gemälde, Skulpturen und ihre Verbindung zur Volkskunst

Im Volkskunstmuseum treten Anton Christians Werke mit der Dauerausstellung in Dialog. Zwischen den traditionellen Tiroler Trachten wird zum Beispiel eine Grabplatte mit einem Schafskopf gezeigt. Schöne, hohe Metallhörner schmücken ihn, während der eigene Kopfschmuck unter einer samtenen Maske verborgen ist. Diese Skulptur spielt auf die Eitelkeit an und verbindet damit Volkskunst mit zeitgenössischer Kunst. Ein anderes Werk spielt auf Weihnachten, auf Leben und Tod an. „Viele Arbeiten des Künstlers stehen den Motiven der sogenannten ‚Volkskunst‘ äußerst nahe: der Vergänglichkeit, der Sterblichkeit, der Aufopferung“, so Dr. Karl C. Berger, Leiter des Tiroler Volkskunstmuseums. „Sie wirken, so wie viele unserer Objekte, verstörend und gleichzeitig anziehend, befremdend wie verlockend, schön und schaurig.“ Vor 22 Jahren trat Anton Christian bereits in einer Ausstellung mit der damaligen Dauerausstellung im Volkskunstmuseum in einen Dialog. Mit Werken von 25 Künstlerinnen und Künstlern entstand eine Spannung zwischen Historie und Moderne, Kunst und Gesellschaft, dem Flüchtigen und dem Dauerhaften – und brach damit die starren Strukturen des damaligen Museums auf.

Ausgehend von einem „Selbstbildnis mit Familie“ (1915) von Anton Kirchmayr, Anton Christians Vater, und dem während der Akademiezeit geschaffenen Bildnis seiner Mutter aus dem Jahr 1961, reicht der Bogen der diesmal ausgestellten Werke von den frühen konzeptuellen Arbeiten bis zu seinem aktuellen Schaffen. Dabei ist es dem Künstler wichtig, neben den Gemälden auch seine Skulpturen und Installationen in dokumentarischen Fotografien, real den Objekten des Volkskunstmuseums zur Seite gestellt oder in sie eingebettet zu präsentieren. Den Abschluss bildet ein Gemälde seines Sohnes Jakob Kirchmayr aus dem Jahr 2019. Es steht am Ende der Sonderausstellung über das umfangreiche Werk eines Künstlers, der mit seinem Schaffen eine einmalige Position innerhalb der Kunstlandschaft Tirols einnimmt.

Das grafische Werk und die Skizzenbücher

In der Villa Schindler in Telfs ist Anton Christians grafisches Werk zu sehen. Auf den ersten Blick wirken die Zeichnungen oft spontan. Wer näher hinsieht, erkennt aber schnell, dass die Arbeiten in mehreren Phasen korrigiert, überlagert und mit Kommentaren versehen wurden. Vielschichtige, sorgfältig geplante Details, die alle auf eine genaue Beobachtung der Welt zurückzuführen sind, kommen zum Vorschein. Der Künstler vereint Mikro- und Makrokosmos, Mythologie und Metapher, Natur und Illusion, Wasser und Luft, Leben und Tod.

Besonders hervorzuheben sind Anton Christians umfangreiche Skizzenbücher. Sie erlauben den Besucherinnen und Besuchern, den Künstler von einer ganz persönlichen Seite kennenzulernen, ihn auf seinen Reisen und bei seinen Bildfindungsprozessen zu begleiten. Der schöpferische Höhepunkt ereignet sich für Anton Christian am Anfang des künstlerischen Prozesses – und somit im Skizzenbuch. Von Entwürfen über Zitate, Reflexionen, Literarischem und Alltäglichem bis hin zu Kochrezepten ist in ihnen einiges dokumentiert.

Die Integration der Fotografie in Malerei und Bildhauerei

Parallel zu seinem malerischen, zeichnerischen und skulpturalen Schaffen hat sich Anton Christian seit Beginn der 1970er-Jahre auch fotografisch betätigt. Diese und später entstandene Fotografien sind im Rabalderhaus in Schwaz zu sehen. In London veranschaulichte er ab 1969 den Wandel und die Veränderung, indem er zum Beispiel Fleisch verfaulen ließ, die Destruktionszeiten notierte oder Tierkadaver in verschiedene Flüssigkeiten gab. Diese Experimente hielt er in Zeichnungen und Fotografien fest. Es folgten zahlreiche künstlerische Werke, die Fotografie und Malerei kombinieren.

Auf seinen späteren Reisen nach Griechenland, in den Vorderen Orient, nach Spanien, Portugal und Frankreich fotografierte er vor allem Landschaften, Skulpturen und Reliquien, aber auch Bäume und Äste, Hausfassaden und alte Gemäuer, Strukturen von Felsen und Rinden sowie Gewässer. Seine Bilder sind aber mehr als nur Urlaubserinnerungen, oft bearbeitete er sie, übermalte sie teilweise oder integrierte sie als Collage in die Gemälde. Die Fotografie wird damit Bestandteil des Gemäldes, wie in der bereits 1971 erfolgten Übermalung eines Schweinekopfes oder in der Serie der „Handschuh-Landschaften I-VI“ aus 2014. Die Fotografie ist damit bildprägend – ein bislang kaum beachteter Aspekt im reichhaltigen Schaffen des Künstlers.

Über Anton Christian

Der 1940 geborene Innsbrucker Künstler, an der Akademie der bildenden Künste in Wien und der Académie des Beaux-Arts in Paris ausgebildet, wandte sich zunächst der konzeptuellen Kunst zu. Ab Mitte der 1970er-Jahre widmete er sich fast ausschließlich der Zeichnung und der Malerei. Daneben entstanden immer wieder auch Objekte, Installationen und Skulpturen sowie Fotografien, die ihm zur Bildfindung dienen oder direkt in die Bilder einfließen. Eine bedeutende Rolle kommt auch der Literatur bzw. der Schrift zu. Ins Bild aufgenommene Texte verschwinden oft unter der Malerei und werden als Denkspuren sichtbar.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Vorwort von Direktor Peter Assmann und Beiträgen von Karl C. Berger, Bazon Brock, Günther Dankl und Ruth Haas.

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