Artenvielfalt Tirols. Ex & Neo

Sonderausstellung in der Weiherburg / Alpenzoo // 21.3.2021 – 28.2.2022

Schmetterlinge aus dem Balkan, die Kartoffelpflanze aus Nordamerika, die Gottesanbeterin aus dem Mittelmeergebiet – die heutige Tiroler Tier- und Pflanzenwelt blickt auf eine lange Migrationsgeschichte zurück. Das am Sonntag eröffnete Naturkundemuseum in der Weiherburg widmet sich neu eingewanderten bzw. eingeschleppten Tieren und Pflanzen, aber auch ganz oder beinahe ausgestorbenen Arten wie dem Höhlenbären oder der Innsbrucker Küchenschelle. Einige Präparate dürfen auch gestreichelt werden.

Allein ein Drittel der aktuell in Tirol nachgewiesenen Blütenpflanzen stammt eigentlich aus einem anderen Gebiet, oft aus Nordamerika oder Asien. Auch verschiedene Tierarten haben eine lange Reise hinter sich gebracht, bis sie sich in ihrer neuen Heimat Tirol angesiedelt haben – die Robinienminiermotte aus Nordamerika zum Beispiel. Welche Arten die Tier- und Pflanzenwelt Tirols erobern, wie andere darunter leiden und wie das die Biodiversität beeinflusst, wird in der Ausstellung beleuchtet.

Neobiota: Pflanzliche Neuankömmlinge in Tirol

Unter den Pflanzen, die seit 1492, der Entdeckung Amerikas, nach Tirol eingeführt wurden, finden sich etwa der wirtschaftlich bedeutende Mais oder die Kartoffel. Nach Europa kamen viele Arten zuallererst jedoch wegen ihrer Schönheit als Zierpflanzen. Andere wurden ebenfalls bereits früh ins Land gebracht – entweder als Nutzpflanzen oder in Gärten und Parks – und haben sich dauerhaft angesiedelt. Während manche willkommen sind, haben sich einige Arten zuletzt massiv ausgebreitet, gelten als invasiv und gefährden die einheimische Biodiversität. In interaktiven Bildsequenzen werden in der Sonderausstellung dazu etwa das Drüsige Springkraut oder der Riesenbärenklau gezeigt. Auch die bei Allergikern gefürchtete Ambrosia können aufmerksame Besucherinnen und Besucher finden, natürlich ohne sich selbst zu gefährden.

Neozoe: Tierische Neo-Tiroler*innen

Den Bogen von den pflanzlichen zu den tierischen Neuankömmlingen spannen mehrere Arten von blattminierenden Kleinschmetterlingen. Dazu zählt etwa die berühmt-berüchtigte Roßkastanienminiermotte alias „Biergartenmotte“, die ursprünglich vom Balkan kommt. Auch die Robinienminiermotte, die ebenso wie ihre Nahrungspflanze aus Nordamerika stammt, ist vertreten.

Ein besonderes Highlight ist die beeindruckende Gottesanbeterin, die eigens für die Ausstellung als überdimensionales 3D-Modell angefertigt wurde. Sie zählt zu jenen Tierarten, die von der Klimaerwärmung profitieren: Aus dem Mittelmeergebiet stammend, breitet sie sich zunehmend in Mitteleuropa aus. Das Modell ist einen halben Meter lang und 35 Zentimeter hoch. Zusätzlich ist die Gottesanbeterin im Original in einem Diorama zu sehen – und fallweise auch lebend, gemeinsam mit wenigen anderen lebenden Pflanzen und Tieren.

Während die Gottesanbeterin noch nicht allzu lange in Mitteleuropa residiert, haben sich manche Wirbeltierarten schon so lange etabliert, dass man sie oft fälschlicherweise als heimisch bezeichnet. Der typisch weiß gefiederte Höckerschwan, der in einem prächtigen Flugpräparat zu sehen ist, zählt etwa dazu. Der Halsbandsittich ist hingegen eine schon wieder ausgestorbene Papageienart, die viele Jahre lang im Innsbrucker Hofgarten beobachtet werden konnte.

Bitte streicheln – der Steinbock zum Anfassen

Manche der meisterhaften Präparate aus der Wirbeltiersammlung stehen in direktem Bezug zu den Tieren im Alpenzoo. Anhand einer detailgetreuen Federkarte können die Besucherinnen und Besucher zum Beispiel den Waldrapp unter die Lupe nehmen. Besondere Stars der Kinder – vielleicht aber auch Erwachsener – sind mit Sicherheit gleich mehrere Streichelpräparate. Trifft man den nachtaktiven Marderhund etwa in seiner natürlichen Umgebung, dem Wald, sollte man ihn besser nicht streicheln. In der Ausstellung ist das, beim Präparat, erlaubt. Der Marderhund ist erst in den letzten Jahren aus dem Osten nach Tirol eingewandert. Der Alpensteinbock hingegen war über Jahrtausende hier heimisch, bevor er durch den Menschen fast vollständig ausgerottet wurde. Nur eine kleine Population von etwa 100 Tieren überlebte Dank des strengen königlichen Schutzes im Gran Paradiso in Norditalien. Alle heute in den Alpen und auch in Tirol wiederangesiedelten Tiere gehen auf diesen Ursprung zurück. Die Ausstellung bietet nun erstmals die Gelegenheit, das majestätische Wappentier des Alpenzoos samt seinem Kitz zu berühren und aus nächster Nähe zu bestaunen.

Tiere und Pflanzen, die das Land verließen

Bei den „Ex-Tiroler*innen“ wird ein großer zeitlicher Rahmen gespannt: von Fossilfunden aus dem Jura über einen 180 Millionen Jahre alten Ammoniten bis hin zu jüngeren Versteinerungen wie einer Fächerpalme. Die nacheiszeitlich in Tirol blühende Pontische Alpenrose kommt auch heute noch zwischen Osteuropa und Westasien vor. Aus dieser jüngeren, bereits vom Menschen beeinflussten Periode stammen auch Funde von Höhlenbärenknochen. Zusätzlich finden sich auch Beispiele von erst in jüngster Vergangenheit in Tirol ausgestorbenen Arten – wie etwa der weitgehend verschwundenen Innsbrucker Küchenschelle aus dem berühmten Herbarium von Hippolyt Guarinoni, verschiedenen Mistkäferarten oder dem Weidenkarmin und dem Blauschillernden Feuerfalter aus der Ordnung der Schmetterlinge.  

Laufend neue naturwissenschaftliche Ausstellungen

Mit dieser ersten Sonderausstellung der Tiroler Landesmuseen in Kooperation mit dem Alpenzoo werden die historischen Räumlichkeiten der Weiherburg museal geöffnet. Die Besucherinnen und Besucher erleben von nun an Ausstellungen zu jährlich wechselnden Schwerpunkten – immer mit den beeindruckend vielfältigen Objekten aus der Naturwissenschaftlichen Sammlung der Tiroler Landesmuseen. Weit über zwei Millionen naturkundliche Objekte warten dort darauf, in der Ausstellung an die Öffentlichkeit zu gelangen.

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