Für Gott, Kaiser und Vaterland?

Die neue Ausstellung im Kaiserjägermuseum widmet sich der Kriegspropaganda im Ersten Weltkrieg in Tirol

Kriegsanleihen und Blumenteufel, zensierte Postkarten und Zeitungen, Kriegsbücher, Kriegsspiele, Kriegsspielzeug: Ab Mitte Oktober wendet sich die Sonderausstellung „Für Gott, Kaiser und Vaterland?“ im Kaiserjägermuseum der Propaganda zur Zeit des Ersten Weltkriegs in Tirol zu. Anhand historischer Sammlungsobjekte erkundet sie, mit welchen Mitteln die Bevölkerung gezielt manipuliert und für den Krieg begeistert werden sollte. Der Fokus richtet sich dabei weniger auf die Kriegsfront als auf das Alltagsleben der Menschen in Tirol.

Während des Ersten Weltkriegs erfolgten verschiedenste Propagandamaßnahmen, die eine positive Einstellung zum Krieg bewirken und die Akzeptanz politischer und militärischer Entscheidungen in der Bevölkerung stärken sollten. So auch in Tirol. Spezielle staatliche Stellen wurden eingesetzt, um positive Bilder und Botschaften über das Kriegsgeschehen zu verbreiten. Widersprüche und kontraproduktive Informationen galt es dagegen zu verhindern. Ziel war es, die Bürgerinnen und Bürger für den Krieg zu begeistern.

Neben der Mundpropaganda und politisch orientierten Plakaten entwickelten sich vor allem die damals „neuen“ Medien zu den wichtigsten Propagandawerkzeugen der damaligen Zeit. Neben der Propagandapostkarte dokumentierten sie das „wahre“ Bild des Krieges und trugen verharmlosende und beschönigende Bilder vom Soldatenleben und dem Frontalltag nach Tirol. Die Daheimgebliebenen wiederum sollten über den Kauf von Kriegsanleihen und Spendengelder ihren Beitrag zum Krieg leisten. Kostspielige Kriegshandlungen wurden somit durch Kredite bei der eigenen Bevölkerung finanziert.

Die gezielte Manipulation machte schließlich auch vor Schulen und Kinderzimmern nicht Halt. Selbst die Jüngsten sollten ihren Anteil am Gelingen des Krieges erbringen. Mit Kriegsbilderbüchern und Kriegsspielzeug prägte der Krieg die Lebenswelt der Kinder. Im Schulunterricht lehrte man nicht nur Disziplin und Gehorsam, sondern pflegte  auch Patriotismus und eine befürwortende Haltung zum Krieg zu vermitteln.

Ab 15. Oktober spürt die neu gestaltete Ausstellung im Kaiserjägermuseum am Bergisel den unterschiedlichen Ausprägungen der Kriegspropaganda in Tirol nach. Verschiedene Sammlungsobjekte vom Blumenteufel über Kriegsanleihen bis zum „Kriegstagebuch“ einer Schülerin veranschaulichen die Methoden der damaligen Zeit und machen schließlich greifbar, wie die Manipulation auf die Lebensbereiche abseits der Front übergreifen konnte.

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