Neupräsentationen der Kunstsammlungen im Ferdinandeum

Innsbruck, am 23. Jänner 2020 – Neue Präsentation herausragender Werke der niederländischen Kunst mit einem eigenen, wechselnden Grafikbereich, eine Gegenüberstellung der Wiener und Münchner Secession sowie variierende zeitgenössische Kunst: das Ferdinandeum verändert sich. Und zwar regelmäßig. Alle vier Monate wird sich die Sammlungspräsentation ab jetzt wandeln.

„Wir möchten mehr Dynamik in die Dauerausstellung des Ferdinandeums bringen, um das Besuchserlebnis attraktiv zu gestalten und auf aktuelle Themen reagieren zu können“, so Direktor Mag. Dr. Peter Assmann. Bisher eher statische Schauräume werden damit stärker belebt. Zum ersten Termin werden, unter anderem, herausragende Werke der niederländischen Kunst gezeigt, die von der Historien- und Landschaftsmalerei über Stillleben bis zur Genre- und Porträtmalerei reichen. Die nun in ein elegantes, dunkles Grün getauchten Wände lassen die Kunst aus dem 16. und 17. Jahrhundert besonders zur Geltung kommen.

Frauen in der niederländischen Kunst

Mit Rachel Ruyschs um 1700 entstandenen Stillleben ist eine der wenigen, damals sehr berühmten, weiblichen Kunstschaffenden vertreten. Aus einer angesehenen Professorenfamilie stammend, erhielt sie schon früh Malunterricht, wurde 1701 als erste Frau Mitglied der Malergilde in Den Haag und war von 1708 bis 1716 Hofmalerin des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. Zu Lebzeiten sollen einige ihrer Blumenstillleben mehr gekostet haben als manche Werke von Rembrandt oder Vermeer. Gemeinsam mit männlichen Vertretern dieser Zeit – wie Jan Bouman, Jan Pauwel Gillemans und Jan van Kessel d.Ä. – repräsentiert sie exemplarisch die damalige Stilllebenmalerei. Wertvollen Blumen, die Reichtum vermitteln, werden Symbolen der Vergänglichkeit gegenübergestellt. So zieren welke Blätter, Blüten und gefräßiges Getier wie Schnecken die Bilder.

Neuer Grafikbereich holt Kunst aus dem Depot

In einem eigenen Grafikbereich werden erstmals überhaupt Werke der Sammlung an niederländischer Grafik ausgestellt. Namhafte Künstler werden hier alle vier Monate wechselnd gezeigt: von Abraham Bloemaerts und Lucas van Udens zum Teil von Verfall gekennzeichneten Bauernhäusern bis zu Rembrandts „Die Badenden“ reicht ein großes Spektrum. Mit der Darstellung der vier nackten Männer, die in einem Fluss baden, schuf Rembrandt eine Genredarstellung, die in all ihrer Alltäglichkeit und zeitlosen Geltung in Hinblick auf ihre Bildwürdigkeit gleichwohl rätselhaft erscheint. Keine dramatisch bewegte Szene, sondern die innere Bewegung der Badenden wurde hier in knappen Umrissen gezeichnet.

Münchner und Wiener Secession

Eine unerwartete Kontrastierung der Münchner und Wiener Secession verbindet den zeitgenössischen Bereich mit der Älteren Kunstgeschichte. In den direkten Vergleich treten hier Porträts von Gustav Klimt, Koloman Moser, Broncia Koller, Oskar Kokoschka und Richard Gerstl mit Werken von Theodor von Hörmann, Josef Willroider und August Prezzey d.J.. Die Entwicklung von der naturalistischen Wiedergabe und symbolischen Ornamentik hin zu einer expressiven Malstruktur wird aufgezeigt. Begrüßt werden die Besucherinnen und Besucher von Klimts Porträt des Komponisten Josef Pembauer aus dem Jahr 1890, eines der wenigen Männerporträts, die Klimt gemalt hat. Zwei Werke des großen Individualisten Giovanni Segantini runden den Raum ab.

Tiroler Moderne

Überraschende, neue Einblicke werden in die Tiroler Moderne gewährt. Die wichtigsten modernen und zeitgenössischen, aus Tirol stammenden Künstler treten hier in Dialog. So erlebt man Albin Egger-Lienz‘ überwältigendes Gemälde „Das Kreuz“, bevor man die Artbox betritt, in der die legendäre „Röhrenplastik“ des kürzlich verstorbenen Oswald Oberhuber vor der Ameisentapete „Documenta IX“ von Peter Kogler platziert wurde.

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