Passionsmusik am Wiener Kaiserhof
Werke von Giovanni Felice Sances, Pietro Andrea Ziani, Giacomo Carissimi u. a.
Bewegende Andachtsmusik für einen nächtlichen, von mystischer Feierlichkeit geprägten Karwochen-Gottesdienst am Wiener Kaiserhof in der Mitte des 17. Jahrhunderts bildet den Dreh- und Angelpunkt dieses Projektes. Zwei außergewöhnlich musikliebende Frauen aus dem Mantuaner Geschlecht der Gonzaga bestimmten in dieser Zeit das Musikleben bei Hof wesentlich mit: Eleonora, die Frau Kaiser Ferdinands II., und Eleonora Magdalena, die 1651 Kaiser Ferdinand III. heiratete. Die beiden Gonzaga-Kaiserinnen waren mit dafür verantwortlich, dass die aktuellste italienische Musik in Wien gepflegt wurde – Eleonora Magdalena, die über beste Kontakte zur römischen Musikszene verfügte, führte um 1660 auch die Tradition der Sepolcri, der Oratorienaufführungen vor dem Heiligen Grab, in Wien ein. Die ergreifenden Klagelieder des Propheten Jeremia erklangen traditionell bei den Tenebrae, den Nachtgottesdiensten der „Settimana Santa“, der „heiligen Woche“. Eine in Bologna überlieferte Handschrift enthält solche Lamentationen in Vertonungen von Komponisten aus dem römischen Umfeld, etwa vom berühmten Giacomo Carissimi. Seine Kompositionen wurden auch am Wiener Kaiserhof sehr geschätzt. Ein Römer, der in Wien Karriere machte, war Giovanni Felice Sances. Sein originelles, unkonventionelles Stabat mater bildet eines der zentralen Werke unseres Passionskonzertes.
Bonus: 18.15 Uhr Einführungsgespräch