Dass der ein ausgeprägtes spätmittelalterliches Reisekönig- und -kaisertum auf Routen quer durch Europa lebende Maximilian in Innsbruck seine Lieblingsresidenz gehabt und letztlich trotz seiner frühen Kindheit im damals steirischen Wiener Neustadt und seiner eigenen zeitweiligen Stilisierung als „Burgunder“ zumindest ein „Tiroler im Herzen“ war, ist ein gerade in den letzten Jahren wieder popularisiertes Bild des Herrschers einer Sattel- oder Brückenzeit.
Die Grafschaft Tirol bot Maximilian nicht nur Zugriff auf Ressourcen der rasch expandierenden Bergwerkstädte im Inntal, sondern die Kontrolle über die in der gesamten Vormoderne wich-tigsten Alpenübergänge als Nord-/Südachsen des Fernverkehrs zwischen den süd- und mitteldeutschen Handels- und Finanzmärkten und dem bald auch als Kriegsschauplatz bedeutenden Oberitalien. Über die weiteren Oberösterreichischen Länder (Vorlande) stand eine Verbindung in die Bodenseeregion und an den Oberrhein bzw. in das Elsass offen. Mit der Übernahme der persönlichen Herrschaft über Tirol von seinem „väterlichen Freund“ (Paul-Joachim Heinig) [Erz-]Herzog Sigmund übernahm Maximilian einen großen Kreis an tirolischen Finanz- und Verwaltungsexperten aus dem Umfeld Sigmunds, die in der Folge zu Spitzenpositionen im Regiment, dem königlichen und kaiserlichen Rat und den Kanzleien aufstiegen. Mit Paul von Liechtenstein und Zyprian von Northeim, genannt Sernteiner, gehörten gleich zwei Tiroler zu den berüchtigten „Grauen Emi-nenzen“, die den Zugang zu Maximilian wie eine „Hecke“ abschirmten und steuerten.
Der Vortrag stellt diese und weniger prominente Netzwerke von Personen aus Tirol (und den Vorlanden) um Maximilian vor und präsentiert bislang wenig bekannte Quellen zur Frage, darunter auch eigenhändige Stellungnahmen Maximilians.


