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5.4.2022
6 min
Mag.a. Rosanna Dematté

#artistsforukraine

Als Ausdruck der Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung öffnen die Tiroler Landesmuseen das Studio 1 und die Artbox im Ferdinandeum bis 15. Mai 2022 als Räume des Austauschs.

Künstler*innen, die mit ihren Arbeiten auf den Angriff auf die Ukraine reagieren wollen, werden eingeladen, ihre künstlerischen Statements im Studio 1 zu realisieren und zu präsentieren. Die Mitarbeiter*innen der Tiroler Landesmuseen reagieren dazu mit aktuellen und historischen Werken aus den Sammlungen.

Verfolgen Sie hier die Entwicklung.

 

 

Olesia Grygoruk  

Studio 1

 

Olesia Grygoruk (*1984) hat im und für das Studio 1 mehrere Werke realisiert. In ihren Gemälden thematisiert sie, was Krieg für jede*n von uns bedeuten kann: Den Verlust des eigenen Hauses, die Ungewissheit, die bei erzwungener Umsiedlung oder Flucht entsteht, die Zerstörung von Familien und ihrer Heimat und auch von Städten samt ihrer Geschichte, Architektur und ihrem Kulturerbe.

Olesia Grygoruk ist 2019 von der Ukraine nach Innsbruck umgezogen, wo sie als Künstlerin arbeitet. In Odessa und Kiew hat sie parallel zu ihrer zehnjährigen Tätigkeit als Bauingenieurin und Projektmanagerin ihre künstlerische Ausbildung unter anderem bei dem Künstler Anatoliy Tverdy erhalten.

 

Danylo Kovach

Studio 1

 

Danylo Kovach (*1992, Zaporozie, Ukraine) hat am 24. Februar 2022, wenige Tage vor dem russischen Angriff, mit seiner Frau, der Künstlerin Dzvinya Podlyashetska die Ukraine verlassen. In Österreich konnten sie in Wien, Roßleithen und zuletzt in Rietz in Tirol leben und arbeiten. Kovach wehrt sich mit seiner künstlerischen Arbeit gegen die russische Okkupation und sagt: „Art is more powerful than fighting, especially if you are not prepared for it. With faith and hope, I continue to do what works best.“

In der Serie „Not Welcome“ verbindet er unterschiedliche Medien wie Malerei, Druck sowie den performativen Umgang mit Architektur und Stadtraum. Ihm sind an jedem Ort, in dem er in Österreich empfangen wurde, die dunklen Fußmatten aus Gummi aufgefallen, die Besucher*innen zum Betreten eines Gebäudes besteigen. Die symbolische Kraft dieser alltäglichen Gegenstände wird von Kovach mit einer starken aktionistischen Geste umgekippt und verfremdet. 

Danylo Kovach hat die Lviv National Academy of Arts sowie die performance school Janusz Bałdyga and Przemysław Kwiek (Lviv) besucht. Seine performativen Arbeiten sind von der Praxis des Künstlers Jürgen Fritz besonders geprägt worden.

Der Künstler wird mit dem Verkauf seiner Werke, die während seines Aufenthalts in Österreich entstehen, die Menschen in der Ukraine unterstützen.

Die Präsentation der Arbeiten von Danylo Kovach wurde möglich dank:

Brigitte Egger, „GRUND1535“-Residency in Rietz in Tirol im Rahmen der Aktion “Artists at Risk (AR)-Ukraine Solidarity Team

 

Elmar Peintner

Studio 1

 

Elmar Peintner über seine Arbeiten für das Studio 1:

„Das Grauen des Krieges, das unermessliche Leid der Menschen in der Ukraine sollen diese Arbeiten, welche ganz bewusst auf die Farben Weiß, Schwarz und Grau reduziert wurde, zum Ausdruck bringen. Die vielen Einzelbilder, welche in vertikale Streifen angelegt wurden, erinnern an Einzelbilder eines Films. Sie zeigen zerstörte Häuser, verwüstete Landschaft und im Gegenlicht ahnt man vereinzelt Menschen oder die Schatten von Frauen, Männern, Kindern im tiefen Schwarz erkennen zu können. Man hört die Detonationen der Bomben und erlebt das Entsetzen.“

Elmar Peintner (*1954) gehört zu den international anerkannten zeitgenössischen Künstler*innen Tirols. Einladungen zu Ausstellungen in ganz Österreich, Europa und Übersee sowie Preiszuerkennungen internationaler Grafikbiennalen in Belgien, Polen, Deutschland, Italien, Tschechien, USA, Bulgarien, Ukraine, Schweden, Brasilien und China bestätigen den ständig steigenden Bekanntheitsgrad des Künstlers. 2022 wird er wieder Österreich auf der Biennale in Beijing vertreten.

 

Gedichte aus der Bibliothek

Studio 1

 

Ausgewählt von: Roland Sila, Leiter der Bibliothek des Ferdinandeums

 

Ende des Ungeschriebenen

 

So wird niemand wissen

von unseren Atemstößen

als wir über die Brücke liefen,

und was hinter uns liegt,

erfahren sie nicht:

Die schwachen Namenszüge,

die geköpften Sonnen.

Die Vorhallen der Spitäler

sind still.

 

Aus: Aichinger, Ilse : Verschenkter Rat. Gedichte, Frankfurt am Main 1978.

 

Ilse Aichinger (1921-2016) ist eine der wichtigsten Vertreterinnen der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Während ihre Großmutter und die jüngeren Geschwister ihrer Mutter im Vernichtungslager Maly Trostinez ermordet wurden, überlebte sie im Untergrund in Wien. Ihr gesamtes Leben schrieb sie gegen die Geschichtsvergessenheit an. Ihr Werk wurde unzählige Male ausgezeichnet.

 

Dann wieder

 

Was keiner

geglaubt  haben wird

 

was keiner

gewußt haben konnte

 

was keiner

geahnt haben durfte

 

das wird dann wieder

das gewesen sein

 

was keiner gewollt haben wollte

 

 

Aus: Fried, Erich: Lebensschatten. Gedichte, Berlin 2001.

 

Erich Fried (1921-1988) war ein österreichischer Lyriker, der durch seine politische Lyrik sowie durch seine Liebesgedichte große Bekanntheit erlangte. 1938 ging er ins Londoner Exil, nachdem sein Vater an den Folgen von Misshandlungen im Gestapo-Verhör verstorben war. Er unterstützte zeit seines Lebens die Friedensbewegung. Seit 1990 wird ein Literaturpreis mit seinem Namen verliehen.

 

 

Gedichte aus der Bibliothek des Ferdinandeums neben Elmar Peintners Gemälde „Ukraine Stripes 2022 I“.
© TLM
Gedichte aus der Bibliothek des Ferdinandeums neben Elmar Peintners Gemälde „Ukraine Stripes 2022 I“.

Anna Jermolaewa – The Penultimate

Artbox

 

Ausgewählt von: Florian Waldvogel, Leiter der Modernen Sammlung. Text: Eva Nairz

 

Die Blumen in der Arbeit „The Penultimate“ von Anna Jermolaewa stehen für friedlichen Widerstand. Jeder der Blumensträuße symbolisiert eine der „Farbrevolutionen“ der letzten Jahrzehnte in Ländern wie Portugal, Georgien, Ukraine, Libanon, Kirgisien, Weißrussland. Unbewaffnete Proteste für politische Veränderung – ausgehend von der Bevölkerung.

Mit den roten Nelken wird an die Nelkenrevolution in Portugal von 1974 erinnert. In die Gewehrläufe der Soldaten wurden damals als Zeichen für den friedlichen Sturz der Diktatur Nelken gesteckt. Der Orangenbaum zieht eine Verbindung zur Orange Revolution in der Ukraine von 2004.

Anna Jermolaewas Installation wurde 2017 zum 100-jährigen Jubiläum der Oktoberrevolution im Museum of Non-Conformist Art in St. Petersburg präsentiert. Der Titel „The Penultimate“ („Die Vorletzte“) lässt darauf schließen, dass diese Revolutionen noch nicht zur Geschichte gehören. Ein Raum voller Blumen schafft es, an den Frieden zu erinnern.

Anna Jermolaewa wurde 1970 in Russland geboren und lebt seit 1989 in Österreich. Sie beschäftigt sich mit der symbolischen Kraft, die Bildern und Medien zu Protesten und Widerständen beigemessen wird, und ist der Meinung, dass gesellschaftliche Veränderungen auch durch Kunst herbeigeführt werden können.

Autor*in

Mag.a. Rosanna Dematté

 
Rosanna Dematte
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