23.2.2023
5 min
Elisabeth Probst, MA

Willkommen in der Moderne

Die neunte Ausgabe der Ausstellungsreihe „arttirol“ zeigt die jüngsten Kunstankäufe des Landes Tirol und präsentiert einen Querschnitt moderner und zeitgenössischer Kunst aus Tirol und der Welt.

40 neue Werke hat das Land Tirol zwischen 2018 und 2020 in seine Kunstsammlung aufgenommen: Skulpturen und Gemälde, Fotografien und Videoarbeiten. Gemeinsam mit einer Expert*innenjury wurden sie ausgewählt. Seither weilen sie als Teil der Modernen Sammlung der Tiroler Landesmuseen zwischen Werken von Gustav Klimt, VALIE EXPORT oder Tobias Rehberger und dürfen das Museumsdepot in Hall ihr Zuhause nennen. Für ein gebührendes Willkommen lädt das Ferdinandeum zur „arttirol 9“. Die Ausstellung stellt die Ankäufe gesammelt der Öffentlichkeit vor und präsentiert eine erlesene Auswahl an Kunst der jüngsten und jüngeren Vergangenheit aus Tirol, Österreich und darüber hinaus. Vorab aber klären wir, wie es ein Kunstwerk in die Sammlung schafft, was dort mit ihm passiert und worauf Sie sich bei der „arttirol 9“ besonders freuen können.

Wie kommen die Kunstwerke ins Museum?

Im Falle der Werke, die bei der neuen Ausgabe der „arttirol“ zu sehen sein werden, hat diese Frage eine recht simple Antwort: Sie werden gekauft. Das Land Tirol gibt regelmäßig Geld für künstlerische Arbeiten aus, um seine Sammlung zu erweitern – aber auch, um lebende Künstler*innen aus der Region und Österreich zu fördern. Schwieriger als die Frage nach dem Wie lässt sich hingegen die Frage nach dem Was beantworten.

Was fehlt?

Die Kunstsammlung des Landes Tirol umfasst mittlerweile über 8.000 Werke. Darunter finden sich unterschiedlichste Beiträge aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Um herauszufinden, welche Arbeiten die Sammlung bereichern können, lohnt oft ein Blick auf die Lücken, erläutert Florian Waldvogel, Leiter der Modernen Sammlung der Tiroler Landesmuseen und Kurator der „arttirol 9“. Fehlen bestimmte Positionen wie beispielsweise Arbeiten von Frauen oder Werke aus bestimmten Materialien in der Sammlung, so kann man gerade hier ansetzen. Aber auch Kunst zu aktuell bedeutsamen Themen, neue Techniken oder innovative Ideen bieten einen guten Ansatzpunkt für die Erweiterung der Sammlung.

Oliver Laric, OCEANUS, 2020, Verschiedene Kunststoffe, Aluminium
© Bildrecht, Wien 2022 / die Künstler*innen / TLM; Fotografie: Johannes Plattner

Gut beraten

Bei der Auswahl der Kunstankäufe hilft eine unabhängige Fachjury. Sie steht beratend zur Seite und schlägt geeignete Arbeiten vor. Günther Dankl, ehemaliger Leiter der Modernen Sammlung der Tiroler Landesmuseen, war zwischen 2018 und 2020 Teil dieser Jury. „Die von den einzelnen Jurymitgliedern eingebrachten Vorschläge werden in den Jurysitzungen ausführlich besprochen“, erinnert er sich. „Im Anschluss wird darüber abgestimmt, ob sie für einen Ankauf vorgeschlagen werden.“ Neben dem Kunsthistoriker saßen bis 2020 auch Cosima Rainer, Leiterin von Kunstsammlung und Archiv der Universität für angewandte Kunst Wien, Achim Hochdörfer, Direktor des Museums Brandhorst München, sowie Sabine Gamper, freie Kuratorin aus Bozen, in der Jury. „Die letztendliche Entscheidung für oder gegen eine Ankauf liegt aber beim Land Tirol“, erklärt Dankl weiter und bemerkt: „Allerdings hat dieses bisher alle von der Jury eingebrachten Vorschläge angenommen.“

Die Neuen

Zwischen 2018 und 2020 wuchs die Sammlung um etwa 40 Werke. Die Neuzugänge umfassen sowohl abstrakte Gemälde und bunte Collagen, Skulpturen aus Kunststoff, Ton oder Glas als auch bewegende Fotografien. Überwiegend stammen sie von lebenden Künstler*innen aus Tirol, weisen inhaltlich einen Bezug zur Region auf, wie etwa Martin Kippenbergers neunteilige Fotoreihe „Ohne Titel (Kippenberger in Tirol)“ von 1995, oder setzen die Sammlung in internationalen Bezug. „Alle Ankäufe bilden eine wichtige und wesentliche Bereicherung der Sammlungen der Tiroler Landesmuseen“, betont Dankl. Dabei sei es egal, ob es sich um die fotografische Dokumentation einer 1977 durchgeführten Kunstaktion von Lois Weinberger, um Werke des wichtigen oberösterreichischen Konzeptkünstlers Josef Bauer oder um Arbeiten der Preisträgerin für zeitgenössische Kunst 2017, Ulrike Müller, handle, um nur drei weitere der insgesamt 26 Künstler*innen zu nennen.

arttirol 9

Begleiten Sie uns zu einer Reihe herausragender Werke der zeitgenössischen Kunst und freuen Sie sich auf ein abwechslungsreiches Ausstellungserlebnis bei der „arttirol 9“. Für einen Großteil der Werke bedeutet die
Schau darüber hinaus auch eine Ausstellungspremiere im Ferdinandeum. Bis Ende Jänner 2023 stehen sie hier im Licht der Öffentlichkeit, dann geht es zurück ins Depot. Wann sie dieses das nächste Mal verlassen, ist ungewiss. Grund genug, bei der nahenden Ausstellung vorbeizuschauen, finden Sie nicht?

Autor*in

Elisabeth Probst, MA

 
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