26.10.2020
6 min
Mag. Clara Maier

Blühende Erkenntnisse seit fast 200 Jahren

Die mehr als 300.000 Objekte der botanisch-mykologischen Sammlung sind weltweit gefragt.

Anfang des 17. Jahrhunderts begann der Tiroler Arzt Hippolyt Guarinoni mit einer Pflanzensammlung in Buchform, nicht zuletzt getrieben vom Interesse an ihrer medizinischen Verwendbarkeit. Dass sein Herbarium heute wieder in den Fokus wissenschaftlichen Interesses rückt und Teil einer vielfältigen Sammlung wurde, ist nicht zuletzt den Expertinnen und Experten der botanischen Sammlung zu verdanken. Durch die Jahrhunderte zurückreichende Arbeit unzähliger Botanikerinnen und Botaniker ist die Sammlung seit 1823 Dokumentationsdrehscheibe für die Flora Tirols und seiner Umgebung. Darüber hinaus werden wichtige Vergleichssammlungen gepflegt. Viele der inzwischen mehr als 300.000 Objekte – vor allem Blüten- und Farnpflanzen, Pilze, Flechten und Moose – sind wissenschaftlich weltweit gefragt.

Wenn Michael Thalinger, der für die Sammlung verantwortlich ist, am Wildseeloder in den Kitzbüheler Alpen den Wanderpfad entlangspaziert, kommt er nur wenige Meter. Er bleibt stehen, kniet nieder und greift neben einem Stein nach den Blättern einer kleinen Pflanze mit blassgelben Blüten. „Schau, ein Tiroler Kapuzen-Löwenzahn“, freut er sich und erklärt, dass die seltene Alpenpflanze in dieser Gegend erst ein einziges Mal nachgewiesen wurde.

Vielen Entdeckungen, die er und seine vier Kolleginnen und Kollegen voller Leidenschaft – oft in der Freizeit – machen, finden Eingang in die Sammlung. Der Dokumentationsauftrag wird, heute wie früher, vom Zusammenwirken einer Vielzahl an Berufs- und Hobbybotanikerinnen und -botanikern getragen. Die Zusammenarbeit ist hier ebenso wichtig wie die Aufnahme von Vor- und Nachlässen in die Sammlung, die inzwischen mehr als 300.000 Objekte umfasst. Im Sammlungs- und Forschungszentrum in Hall werden sie laufend digital erfasst und ihre Funddaten damit verfügbar gemacht. Zugleich wird im Auftrag des Landes Tirol die Gesamtdatenbank der Farn- und Blütenpflanzen Tirols betreut. 1,4 Millionen Funde sind hier mittlerweile dokumentiert, laufend kommen neue hinzu. Die botanisch-mykologische Sammlung ist gemeinsam mit der Universität die Anlaufstelle für Fragen zur Flora Tirols.

Herbarium Hippolyt Guarinoni, 1610 -1630; Entstanden in der Gegend um Innsbruck währden seiner Zeit als Stiftsarzt in Hall in Tirol, ist das Herbarium von Hippolyt Guarinoni das älteste auf heute österreichischem Boden angelegte noch erhaltene Herbarium
© TLM/Stefan Heim
Herbarium Hippolyt Guarinoni, 1610 -1630; Entstanden in der Gegend um Innsbruck während seiner Zeit als Stiftsarzt in Hall in Tirol, ist das Herbarium von Hippolyt Guarinoni das älteste auf heute österreichischem Boden angelegte noch erhaltene Herbarium.

Die 5 Köpfe des Teams

  • Der Farn- und Blütenpflanzenspezialist
  • Der Ordnungshüter
  • Der Moosexperte
  • Die Pflanzendetektivin
  • Die Pilzkonservatorin
  • Wanted: Hobbybotaniker*innen

Das Sammlungsteam hält nicht nur bei der Arbeit zusammen und sucht Kooperationen über die Fachgrenzen hinaus, häufig wird auch gemeinsam gekocht und gegessen. Kulinarisch bleibt man dem Fach dabei gerne treu, reichhaltige Salate stehen besonders häufig auf dem Speiseplan.

Autorin

Mag. Clara Maier

 
Maier