Tracht hat eine lange Geschichte. Wie stark sind Tradition und Politik in diesem Werdegang verankert?
Reinhard Bodner: Anfangs war mit Tracht allgemein „Kleidung“ gemeint, die zu unterschiedlichen Anlässen getragen wird. Indem sie aber zum Symbol für Unterschiedlichkeit wird, wird sie zusehends auch politisch interessant. Gesellschaftliche Stände oder regionale Unterschiede zu betonen, um soziale Nöte zu verdecken, das war durchaus schon im Interesse der Herrschenden in der Monarchie. Tracht drückte Solidarität mit dem Kaiserhaus aus und zeichnete ein harmonisches Gesellschaftsbild. Grenzt man sich durch diese Gemeinschaftskonstruktion von anderen ab oder schließt diese sogar aus, wird es problematisch. In der NS-Zeit hatte das sicherlich seine radikalste und beklemmendste Konsequenz, die wir auch in der Ausstellung thematisieren. Tracht sollte ein Privileg der arischen Bevölkerung sein. Das löst heute bei vielen noch ein Unbehagen aus.