Sonderpräsentation: Fritz Berger. faces | nudes

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Der 1916 in Innsbruck geborene Bühnenbildner, Illustrator und Maler Fritz Berger lernte wie beispielsweise auch Max Weiler an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Karl Sterrer, dessen Oeuvre deutlich vom Symbolismus und der Neuen Sachlichkeit geprägt ist. Noch weniger als bei Weiler freilich lassen sich diese Strömungen im Werk Bergers ausmachen, der sich nach dem Krieg vielmehr ganz entschieden dem abstrakten Expressionismus etwa des US-amerikanischen Künstlers Franz Kline (1910–1962) zuwendet; auch der Kubismus ist an der Stilbildung Bergers nicht unbeteiligt. Die Schwelle zur Gegenstandslosigkeit überschreitet Berger indessen nicht. 

Bergers künstlerischem Werdegang standen beträchtliche Hindernisse entgegen: Eine schwere, wie durch ein Wunder überlebte Kriegsverletzung raubte ihm 1941 gleichwohl das rechte Auge und die rechte Hand. Mittels einer eigens ersonnenen Konstruktion von Stricken, die einer Marionette gleich die Bewegungen des verstümmelten rechten Armes auf den gesunden linken übertrug, brachte Berger sich selbst das Zeichnen mit der linken Hand bei. Viele der in der Folge entstandenen, hier präsentierten Bildnisse und Akte zeigen mutmaßlich Emmi Berger, die 1914 in Wien geborene Ehefrau des Künstlers und Pionierin der modernen Bewegungslehre in Tirol. Beider Schaffen war zeitlebens untrennbar miteinander verbunden; die Früchte ihrer Arbeit sind das Ergebnis gleichursprünglicher Gemeinsamkeit. 

In Abkehr von der „gefesselten Bewegung“ des „mechanischen“ Turnens trug Emmi Berger mit ihrem Unterricht der rhythmischen Gymnastik zur Verbreitung einer vollkommen neuen Körperwahrnehmung bei. Die Ursprünge diese bahnbrechenden Form der Körperbewegung liegen nicht zuvorderst in den motorischen Funktionen des Menschen, sondern tiefer in abstrakteren Gründen, die insbesondere im bewegungsfordenden Element des Rhythmus in Erscheinung treten. Dieselben ästhetischen Prinzipien pulsen dem Betrachter aus den in expressivem Duktus zu Papier gebrachten Pinselzeichnungen Fritz Bergers entgegen.

Die Ausstellung findet statt anlässlich des Erwerbes von zehn der hier gezeigten Arbeiten auf Papier aus Mitteln des Vereins Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum für die Grafische Sammlung und wurde ermöglicht durch eine hochherzige Dauerleihgabe aus dem Nachlass des 2002 in Innsbruck gestorbenen Künstlers.