Monster Chetwynd (*1973, London) gehört zu den eigensinnigsten Stimmen der Gegenwartskunst. Ihre Praxis ist eine radikale Absage an sterile Hochglanzästhetik und konventionelle Autorschaft; stattdessen kultiviert sie ein organisches, kollektives und bewusst dilettantisches Universum. In ihrer Welt verschmelzen Performance, Skulptur, Installation und Kostüm zu einem Gesamtkunstwerk, das gleichermaßen auf Antike, Popkultur und B-Movies zurückgreift wie auf subversive Praktiken der 1960er-Jahre.

Ihre Performances erinnern an Rituale – halb Improvisation, halb Choreografie, stets überbordend. Sie sind durchdrungen von Humor, anarchischer Energie und einer beinahe kindlich anmutenden Lust am Spiel.

Formal erinnert ihre Arbeit an den „Poor Theatre“ von Jerzy Grotowski oder an die partizipativen Spektakel eines Jean-Jacques Lebel. Gleichzeitig finden sich in ihren Werken aber auch Referenzen an antike Dramen, an mittelalterliche Mysterien und an TV-Serien der 1980er-Jahre. Diese Mixtur aus Hoch- und Subkultur, aus Shakespeare und „Star Trek“, ist kein ironisches Spiel, sondern eine genuine Strategie kultureller Umcodierung. Chetwynd recycelt Mythen und Narrative, um sie in einen neuen, oft feministisch oder ökologisch aufgeladenen Kontext zu stellen. Ein Beispiel für diese Methode ist ihre Performance „The Lion Tamer“ (2013), in der sie mit überdimensionierten Kostümen, selbstgebauten Kulissen und lauten Chören eine Szene aufführt, die sowohl Zirkus als auch antikes Drama zitiert. Die Zuschauer*innen werden zu Mitspieler*innen, der Raum zum transformierenden Ort kollektiver Erfahrung. Auch ihre Skulpturen – etwa die ikonischen, flauschigen Fledermauswesen – oszillieren zwischen Abwehr und Anziehung, zwischen Horror und Humor. Sie entziehen sich einer klaren Lesart, gerade weil sie sich nicht in klare Kategorien fassen lassen. Ihre Werke sind anti-elitär, ohne simpel zu sein. Sie sind exzentrisch, aber nie selbstverliebt. In einer Zeit, in der sich viele Künstler*innen dem digitalen Spektakel verschreiben, insistiert Chetwynd auf dem Körperlichen, dem Improvisierten, dem Rohem. Ihre Kunst ist nicht für den schnellen Konsum gedacht, sondern lädt zur Teilhabe, zur Störung, zur Verwandlung ein. Dass sie in einem sozialen Wohnprojekt lebt und ihre Installationen oft mit Alltagsmaterialien baut, ist dabei kein romantischer Zufall, sondern Ausdruck einer Haltung: Kunst ist für alle – und darf auch schmutzig, laut, albern und Monster sein.

Kunstraum Innsbruck

Maria-Theresien-Straße 34
6020 Innsbruck

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