Giovanni Battista Piazzetta

Têtes d’expression

Podcast

MUSEUMSGEFLÜSTER: Piazzetta & Rembrandt 

Um Giovanni Battista Piazzetta, einen der wichtigsten Kunstschaffenden des Venezianer Rokoko, und Rembrandt van Rijn, unübertroffenen Meister der Radierkunst, geht es in dieser Folge des Museumspodcasts „Museumsgeflüster“.


Zur Ausstellung

Giovanni Battista Piazzetta (1683–1754) war neben dem 24 Jahre älteren Sebastiano Ricci und dem 14 Jahre jüngeren Giambattista Tiepolo die führende Künstlerpersönlichkeit im Venedig der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. 1983 ehrten die Fondazione Cini in Venedig und die Washingtoner National Gallery of Art den Künstler zu dessen 300. Geburtstag erstmals mit monografischen Ausstellungen seiner Zeichnungen. Die beiden die Schauen begleitenden Kataloge sind bis heute die maßgeblichen Publikationen zu Piazzettas grafischem Œuvre.

In der illustren Auflistung der Leihgeber beider Ausstellungen fehlt das Ferdinandeum – unser mit rund 60 Zeichnungen weltweit einmalige Bestand ist der Öffentlichkeit bislang verborgen geblieben und wird in der Sammlungspräsentation der Grafischen Sammlung erstmals in einer Auswahl von Bildnissen gezeigt. Zu unserem Erstaunen und Vergnügen begegnen uns in diesen Zeichnungen oftmals die Modelle des Künstlers, die uns bereits aus den publizierten Zeichnungen anderer Sammlungen sowie aus seinen Gemälden wohlvertraut sind.

Piazzetta schuf eine große Anzahl von Charakterköpfen (têtes d’expression), mit einem, zwei und manchmal gar drei Köpfen auf demselben Blatt. Seine Biografen berichten davon, dass er durch den Verkauf dieser Zeichnungen seine Familie ernähren konnte und sich einen guten Ruf als virtuoser Könner erwarb. Da die auf ursprünglich blauem Papier ausgeführten Zeichnungen zum großen Teil dazu vorgesehen waren, gerahmt und gehängt zu werden, hat das Tageslicht das Papier unterdessen vergrauen lassen.

Gleichwohl dienten viele unserer Zeichnungen dem Künstler als Entwürfe sowie Mustervorlagen für seine Gemälde. Sie sind Bestandteile von Werkprozessketten, deren Elemente durch den Überlieferungszufall auseinandergerissen wurden und sich heute über die ganze Welt zerstreut in nahezu allen renommierten grafischen Sammlungen finden lassen, wenn auch meist nicht in so hoher Konzentration wie im Ferdinandeum. Wir erkennen Piazzettas in unseren Zeichnungen festgehaltene Modelle aber auch in seinen ausgeführten Gemälden: In der Mailänder Brera als Rebecca in der „Rebecca am Brunnen“, wahlweise als Abraham in der unvollendeten „Opferung Isaaks“ in der National Gallery in London oder als Heiligen Christophorus im „Christophorus mit dem Christuskind“ im New Yorker Metropolitan Museum of Art, als die beiden Alten der „Susanna im Bade“ in den Uffizien in Florenz, als Judith der „Judith und Holofernes“ in der römischen Accademia die San Luca, als Zeuge der „Gloria di S. Domenico“ in San Zanipoło in Venedig.

Obwohl die Modelle in einigen dieser Zeichnungen als der Künstler selbst, seine Frau, sein Sohn und seine Tochter identifiziert werden können, sind sie nicht als Porträts bestimmter Personen gedacht. Stattdessen werden sie mit begleitenden Attributen oder mit bestimmten Gesichtsausdrücken dargestellt und stehen als Ausdrucksstudien in der Tradition der têtes d’expression. Oft ist die Bedeutung der Attribute nicht offenkundig, aber die Zeichnungen sind rätselhafte Betrachtungen über Alter, Schönheit, Unschuld und andere zeitlose Themen.

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