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24.6.2022
5 min
Elisabeth Probst, M.A.

„Das Gehirn juckt mich“

Maria Lassnig: Mit Zeichnung, Text und Körper nähert sich das Ferdinandeum dem Werk der Ausnahmekünstlerin aus einem seltenen Blickwinkel.

Die neue Sonderausstellung im Ferdinandeum legt das Augenmerk auf einen bisher wenig beachteten Teil von Maria Lassnigs künstlerischer Arbeit: ihre Zeichnungen. „Meine Zeichnungen sind interessanter als die Malereien“, schreibt die Künstlerin selbst. Bei einem Streifzug durch die Ausstellung lassen sich die vielschichtigen Entwicklungen in Lassnigs Schaffen sowie ihrer persönlichen Biografie unmittelbar nachvollziehen. Die Schau hebt zudem die Aspekte Körper und Text speziell hervor und beschert so ein Kunsterleben besonderer Art.

Ausnahmekünstlerin

Maria Lassnig zählt zu den bedeutendsten Vertreter*innen der Österreichischen Moderne. Ihre Position ist allein schon deswegen speziell, weil Lassnig eine Frau ist. In den 1980er- Jahren erlangte die 1919 geborene und 2014 verstorbene Künstlerin mit Einladungen zur Biennale in Venedig und zur documenta in Kassel internationalen Ruhm. Verdient hat sie sich ihren Platz in der Welt der Kunst mit herausragenden Gemälden. „Selbstporträt mit Stelzenfüßen“ (1969) etwa zählt zu den Meisterwerken der modernen Kunstgeschichte im Ferdinandeum. Mit der Sonderausstellung würdigen die Tiroler Landesmuseen nun Werk und Wirken der Künstlerin auf besondere Weise – und präsentieren weitere gute Gründe, Lassnig als herausragende Künstler*innenpersönlichkeit zu feiern.

Maria Lassnig
© TLM
Maria Lassnig, Selbstporträt mit Stelzfüssen, 1969, Öl auf Leinwand

Die Zeichnung

Nachdem sich frühere Präsentationen in Museen und Galerien überwiegend mit Maria Lassnigs Malerei beschäftigt haben, nähert sich das Ferdinandeum ihrer Kunst aus einer anderen Richtung und stellt ihre zeichnerischen Arbeiten ins Rampenlicht. Unter dem Titel „Maria Lassnig. Die Zeichnung“ wird eine Vielzahl an Arbeiten auf Papier aus jahrzehntelangem künstlerischen Schaffen präsentiert. Doch nicht nur die Tatsache, dass es bisher keine vergleichbare Ausstellung gab, macht den thematischen Schwerpunkt so interessant. Auf die Frage hin, was die Auseinandersetzung mit Lassnigs Zeichnungen so reizvoll mache, nennt Peter Assmann, Direktor der Tiroler Landesmuseen und Kurator der Ausstellung, zwei weitere Aspekte: „Zum einen stehen die Zeichnungen wie nichts anderes in unmittelbarem Zusammenhang mit Lassnigs künstlerischen Konzepten. Zum anderen hat Maria Lassnig die Zeichnungen mit schriftlichen Anmerkungen – teilweise in der Länge ganzer Sätze – versehen, womit bisher nicht bekannte literarische Qualitäten zum Ausdruck kommen. Und so liest man schon mal Sätze wie „Das Gehirn juckt mich“ auf den Blättern in der Ausstellung.

Body Awareness

Wie man schon aus dem obigen Zitat herauslesen kann, spielt der Körper in Lassnigs Werken eine zentrale Rolle. Das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Schaffen und betrifft gleichermaßen Zeichnung, Malerei und Film. „Die Künstlerin nutzte ihre persönlichen körperlichen Empfindungen als Ausgangspunkt für ihre Arbeit. Sie nimmt den eigenen Körper – besser noch, Teile des Körpers – in die volle Aufmerksamkeit“, erklärt der Kurator. So zeichnete Lassnig den Körper in verschiedenen Positionen, ließ ihn mit Gegenständen und Möbelstücken verschmelzen und nahm selbst während des Zeichnens verschiedene Körperhaltungen ein. Lassnigs starkes körperliches Fühlen bestimmte ihre Weltwahrnehmung, die sie wiederum in ihrer Kunst aufgriff. Damit prägte die Künstlerin nicht zuletzt Kunstbegriffe wie Körpergefühl und Body Awareness. Aufgrund ihrer radikalen Herangehensweise ist Lassnigs Kunst gegenwärtig von höchster Aktualität. So stellte sie die Existenz individueller Realitäten fest: „Die Welt als Mikrokosmos, die Welt im Kopf jedes einzelnen Menschen, jeder einzelne Mensch ist eine Welt, jeder Stein, jedes Tier.“ Um Lassnigs Weltsicht näherzukommen, sind auch die Ausstellungsbesucher*innen eingeladen, unterschiedliche Körperhaltugen einzunehmen und selbst zu zeichnen. Die Ausstellungsarchitektur greift diesen Aspekt auf, während auch verschiedenene Sitz- und Liegemöglichkeiten neue Perspektiven eröffnen.

Maria Lassnig, Augensprache (Eye Language)
© Maria Lassnig Stiftung/ Bildrecht, Wien 2022, Foto: Roland Krauss
Maria Lassnig Augensprache (Eye Language) 27.05.2000 Bleistift, Kreide / Papier Maria Lassnig Stiftung

Maria Lassnig in Innsbruck

Wer Maria Lassnigs zeichnerisches Werk im Detail betrachtet, kommt an Innsbruck und speziell an den Tiroler Landesmuseen nicht vorbei. Jahrzehntelang wurde hier der Österreichische Grafikwettbewerb ausgetragen. Maria Lassnig war in den 1960er-Jahren unter den ersten weiblichen Hauptpreisträgerinnen dieses Wettbewerbes. „Auf diesem Weg sind frühe wichtige Arbeiten auf Papier in die Sammlung der Tiroler Landesmuseen gekommen“, bemerkt Assmann und verspricht: „Die werden natürlich auch bei der Ausstellung gezeigt.“ Ergänzt durch ausgewählte filmische Arbeiten, zeichnet die Schau entlang verschiedener Themenschwerpunkte so ein Bild von Lassnigs künstlerischer Entwicklung, in das immer wieder biografische Bezüge einfließen. Die spezielle Perspektive auf das zeichnerische Werk der Künstlerin begeistert dabei auf außergewöhnlich unmittelbare Weise und rechtfertigt einmal mehr Lassnigs Status als absolute Ausnahmefigur der österreichischen und internationalen Kunstwelt.

Autor*in

Elisabeth Probst, M.A.

 
Elisabeth Probst
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