Ihr arbeitet seit mehr als 20 Jahren zusammen. Wie seid ihr zur Kunst gekommen?
Gelitin: Das war in den Neunzigern. Wir waren eine große Gruppe und wir sind die Übriggebliebenen.
gelatin: Die anderen haben andere Berufe ergriffen, sind Ärzte geworden, Architekten.
Gelatin: Wir waren schwer vermittelbar. Haben keine Jobs gefunden und blieben auf uns selbst gestellt. Wir haben dann so viel zu tun gehabt.
gelitin: Und warum sollte man plötzlich etwas anderes machen, wenn man das schon immer gemacht hat?
gelatin: Wenn man nicht in ein Schema gepresst wird, das Glück hat, es sich nicht erkämpfen zu müssen, dann entwickelt man die Dinge, die einem am Herzen liegen.
Wie habt ihr und eure Kunst euch über die Jahre entwickelt?
Gelitin: Was sich verändert hat, sind die Materialien, mit denen wir arbeiten. Ton ist jetzt zum Beispiel dazugekommen. Wir haben genug Platz, um einen Brennofen aufzustellen, und wir können uns einen Brennofen leisten. Das hätten wir am Anfang nicht gekonnt. Es ändern sich die Möglichkeiten und durch die veränderte Situation ändert sich die Arbeit.
gelatin: Man versucht generell immer, sich zu überraschen und sich zu verändern. Eigentlich ist die ganze Arbeit, dass man etwas findet, das überrascht.
Wie kann man sich die Entstehung eurer Werke vorstellen?
Gelatin: Für Ausstellungen funktioniert es am besten, wenn wir alle gemeinsam sind. Und dann wird geredet, stundenlang, wochenlang. Irgendwann sagt jemand etwas, was der Nächste falsch versteht, und der Dritte sagt, das fände er gut.
gelitin: Das Falschverstehen ist ganz wichtig.
Gelatin: Man hört aufmerksam zu. Und dann stolpert man über Sachen, die man nimmt und dann entwickelt man die weiter. Wenn es gut ist, kommt was raus. Oder man schmeißt es weg und fängt wieder von vorne an. Und das geht kontinuierlich so.
Gelatin: Man entwickelt sich und das ist die Arbeit. Aber nicht entwickeln im Sinn von besser, höher, stärker, sondern von einfach aktiv zu bleiben. Wir machen gerne Dinge. Wir probieren gerne Dinge aus. Manche nennen es spielerisch, wir nennen es Kunst. Die Arbeit, unser Material, sind ja auch wir vier.
Gelitin: Die Kunst ist ein großartiger Bereich. Man kann machen, was man will, man muss nur behaupten, dass das Kunst ist. Das ist das Wichtigste. Und dann muss es einem auch jemand glauben. Das ist, glaub ich, das Schwierigste.
gelatin: Man kann seine eigene Argumentationslogik erfinden. Man kann allerdings überhaupt nicht bestimmen, wie ein Betrachter etwas sieht. Der Betrachter, wenn er durch eine Ausstellung geht, macht ja viel mehr Arbeit als wir im Endeffekt. Das ist der kreative Akt.