Erinnerungsorte sind heute gewissermaßen das Spezialgebiet des Fotografen Arno Gisinger. Einst angefangen hat alles mit dem Gedenkort Oradour-sur-Glane in Frankreich. Aber auch den fast vergessenen Namensvetter des Ortes, das Lager Oradour in Schwaz, hat er fotografiert – bereits vor 25 Jahren und nun erneut.
Herr Gisinger, im Rahmen des Projekts „Memories of Memories“ werden Ihre Fotos von Oradour in Frankreich und Schwaz gezeigt. Wie sind Sie auf die Orte aufmerksam geworden?
Arno Gisinger: Die erste Arbeit in der Chronologie ist die Arbeit über Oradour-sur-Glane in Frankreich, also über diesen Erinnerungsort, den ich schon in meinen Studienzeiten in Arles entdeckt habe und der mich, wie viele andere Menschen, erschreckt, fasziniert, zum Nachdenken gebracht hat. Es ist ein Ort, der auf der paradoxen Idee basiert, dass man Zeit anhalten könnte, indem man Dinge konserviert. Ich habe mich sehr intensiv mit diesem Ort auseinandergesetzt, fotografisch, aber auch inhaltlich. 1994/1995 bin ich dann nach Tirol zurückgekommen. Bei einem Gespräch mit Anton Hütter bei einer Vernissage in Schwaz habe ich erzählt, dass ich eine Arbeit über Oradour gemacht hätte. Darauf sagte Anton Hütter: Oradour, das ist ja ein Ortsteil von Schwaz. So ist schließlich die zweite Arbeit entstanden, 1995 im Kontext der Klangspuren.