Volkslieder beschreiben persönliche Geschichten und Lebensumfelder, drücken Gefühle aus, sie unterhalten und rühren zu Tränen. Kurz gesagt: Sie bewegen – und das sowohl emotional als auch physisch, denn seit Jahrzehnten locken sie Menschen nach Tirol. Diesen Gedanken greift auch die neue Ausstellung im Volkskunstmuseum auf. Warum Volksmusik dabei viel mehr ist als alte überlieferte Lieder und Instrumentalstücke, verrät Sonja Ortner, Ausstellungsmacherin und Leiterin des Tiroler Volksliedarchivs.
Seit Jahrzehnten lockt der Berg- und Skitourismus Menschen aus aller Welt nach Tirol. Die neue Ausstellung „Wir Tiroler sind lustig“ widmet sich einer weiteren Attraktion, der Tiroler Volksmusik. Worum geht es?
Sonja Ortner: In der Ausstellung geht es um die Wechselwirkung zwischen Volksmusik und Tourismus. Diese Verbindung reicht in der Geschichte relativ weit zurück, wobei die Volksmusik den Tourismus mitgeprägt hat.
Wie kam es dazu?
Seit Jahrhunderten waren Tiroler Händler unterwegs. Sie haben festgestellt, dass man mit Singen Kunden anlocken kann. In der Romantik begann man zudem die unverfälschte Natur der schönen Alpenlandschaft zu schätzen. Später war die Gegend durch die „Freiheitskämpfe“ erneut in aller Munde. In den 1820er-Jahren war Tirol so bereits zur Marke geworden. Die Region war bekannt. Und diesem Trend sind auch die Sänger mit ihren Konzertreisen gefolgt.
Wer waren diese reisenden Musiker*innen? Wo waren sie unterwegs?
Das waren meist Bauersleute, die zum Teil auch Handel trieben. Die sogenannten Nationalsänger kamen aus ganz Tirol, primär aus dem Zillertal. Sie haben vor allem die Winterzeit zum Reisen genutzt und mit dem Singen Geld verdient. Und sie haben gut verdient. Viele sind durch das Singen reich geworden. Von Amerika bis Russland haben sie den Markt bedient. Tirol war ein Gütesiegel. Es gab sogar Imitatoren, die sich als Tiroler ausgegeben haben.







