Es wird wieder farbenprächtig und gesellig, Fasnachtler – vorwiegend Männer – schlüpfen in prächtige Kostüme – in vielen Gemeinden in Tirol erwecken die traditionellen Fasnachtsfeste und -umzüge in den kommenden Wochen wieder altes Brauchtum zum Leben.
Ausgelassenes Treiben
Scheller, Kehrer, Spiegeltuxer & Co. sind auch im Tiroler Volkskunstmuseum zu bestaunen. Museumsleiter Karl C. Berger über die Figuren, Bräuche und weibliche Besonderheiten.
Einzigartige Bräuche
Zwar ohne buntes Treiben, dafür aber ausgiebig und in aller Ruhe, kann man eine Vielzahl an Masken und Kostümen auch im Tiroler Volkskunstmuseum bestaunen: „In unserer Ausstellung ,Das pralle Jahr‘ ist natürlich auch das Thema Fasnacht zu sehen. Es ist dies die Zeit vor der Fastenzeit, in der nochmals üppig und ausgelassen gefeiert wird“, erzählt Karl C. Berger, Leiter des Tiroler Volkskunstmuseums. Die Fasnacht hat in Tirol eine große Bedeutung. In vielen Gegenden und Gemeinden gibt es besondere und einzigartige Bräuche, die schon Jahrhunderte zurückreichen. „Besonders ab der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebten die Fasnachtsbräuche einen großen Aufschwung. Mittlerweile wurden viele dieser Bräuche in die Liste des UNESCO-Immateriellen Kulturerbes aufgenommen“, freut sich Berger.
Die Figuren im Tiroler Volkskunstmuseum
„Im Zuge der Erneuerung unserer Räumlichkeiten im Jahr 2009 haben wir auch den Bereich mit den Fasnachtsfiguren ausgebaut und sind dafür auf Fasnachts-Hochburgen wie Imst, Nassereith, Telfs und Thaur zugegangen. Die Resonanz und Bereitschaft, mit uns zusammen zu arbeiten, war großartig“, erinnert sich Karl C. Berger und nennt ein Beispiel: „Den farbenprächtigen Kehrer der Nassereither Fasnacht haben wir damals als Ganzes geschenkt bekommen, worüber wir uns sehr gefreut haben“.
Ein weiteres Geschenk stammt vom Imster Fasnachtsvereins: „Seit den 1930er-Jahren sind Scheller und Roller, zentrale Figuren der Imster Fasnacht, im Museum ausgestellt. Der Schein, also der Aufputz des Schellers, war aber schon sehr verblasst. Kurzerhand hat uns der Imster Fasnachtsverein 2019 einen neuen Aufputz geschenkt, Vertreter*innen haben die Figur auch noch selbst umgekleidet“, so Berger weiter.
Gelungen Zusammenarbeit
Überhaupt verbinden das Tiroler Volkskunstmuseum und die Tiroler Fasnachtsvereine sehr gute Kontakte und gegenseitige Unterstützung: „Das Imster Fasnachtshaus zum Beispiel stellt Leihgaben von unserer Sammlung aus. Und die Fasnachtsvereine Imst und Telfs sowie den Patscher Frauenverein „Schellenschlagerinnen“ haben wir auf ihrem Weg hin zur Aufnahme in die Liste des UNESCO-Immateriellen Kulturerbes begleitet und unterstützt“, fährt Karl C. Berger weiter fort.
Von Schellerlaufen bis Weiberfasnacht
Und welche Highlights stehen heuer, 2026, auf dem Fasnachtsprogramm? Am kommenden Sonntag, dem 1. Februar 2026, geht das alle drei Jahre stattfindende „Schellerlaufen“ in Nassereith über die Bühne. Eine Woche später lockt die „Buabefasnacht“ Tausende Besucher nach Imst – 6- bis 15-Jährige „Buaben“ treten in die Fußstapfen ihrer Väter und Vorväter. Ebenfalls am 8. Februar 2026 findet das traditionelle Thaurer Mullerlaufen mit Spiegeltuxer, Klötzler und Zottler statt. Eine Besonderheit im männerdominierten Fasnachtstreiben ist der seit 1958 jährlich stattfindende Umzug der „Patscher Schellenschlagerinnen“, bei dem über 40 Frauen und Mädchen in traditionellen Kostümen auftreten – heuer wieder am 12. Februar 2026. Und vor 12 Jahren hat diese weibliche Besonderheit mit der „Imster Weiberfasnacht“ Zuwachs bekommen: „Zwei junge Imsterinnen wollten beim Fasnachtstreiben mitmachen, was ihnen aber sinngemäß mit den Worten ,Ihr könnt ja eure eigene Weiberfasnacht machen‘ untersagt wurde. Sie haben dies tatsächlich umgesetzt – heuer findet die ,Imster Weiberfasnacht‘ am 12. Februar 2026 zum 12. Mal statt“, erzählt Berger.