2.3.2021
2 min
Ursula Purner

Faszination Abstraktion

Ein Experiment auf dem Weg zum abstrakten Bild. Inspiriert von einem Workshop der Künstlerin Charlotte Simon beschreiben wir dir hier mögliche Schritte, mit denen du zu einem eigenen abstrakten Gemälde kommen kannst.

Vom Gegenstand zur Form

Lege dir Zeichenpapiere in verschiedenen Formaten zurecht, denn deine Bilder werden immer größer! Außerdem brauchst du Buntstifte, Ölkreiden, Wasserfarben oder Acrylfarben. Für das finale Gemälde kannst du natürlich auch eine große Leinwand vorbereiten.

Such dir ganz spontan einen Gegenstand aus, den du zeichnest: eine Vase, dein Lieblingsbuch, die Küchenmaschine, den Hometrainer. Zeichne diesen Gegenstand mit Buntstiften oder Ölkreiden möglichst genau auf ein kleinformatiges Blatt ab.

Offenes Atelier, Tiroler Landesmuseen, Ferdinandeum, Ausgangform: zwei Wollknäuel
© TLM
Ausgangform: zwei Wollknäuel

Aus deiner Zeichnung wählst du einen Ausschnitt aus. (Das geht besonders gut, wenn du dir ein Passepartout auseinanderschneidest und damit zwei „L“ erhältst, die du gegeneinander verschieben kannst). Dein Bildausschnitt ist dein nächstes Motiv, das du nun auf ein größeres Blatt überträgst.

Jedes Format verlangt nach einer speziellen „Behandlung“: Vielleicht brauchst du ein anderes Malmaterial? Ölkreiden gemischt mit Acrylfarbe? Sei dynamisch in deiner Wahl und konzentriere dich auf den Ausschnitt.

Diesen Prozess kannst du mit anderen Ausschnitten so oft fortsetzen, wie es dir Freude bereitet.

Offenes Atelier, Tiroler Landesmuseen, Ferdinandeum, Ein Bildausschnitt wird gewählt
© TLM
Ein Bildausschnitt wird gewählt

 

Farbrausch

Wähle aus deinen Ausschnitten immer wieder Details, die du vergrößerst. Nimm größeres Papier! Komm in Bewegung. Befreie dich immer mehr vom Abbild des ursprünglichen Gegenstandes. Lass ihn explodieren!

 

Dynamik

Wähle immer größere Formate! Gib dich der Farbexplosion hin!
Auf einmal gewinnen die Zwischenräume an Bedeutung!
Immer weniger ist auf dem Bild zu sehen. Vielleicht hast du das Wesentliche gefunden?!

 

 

Offenes Atelier, Tiroler Landesmuseen, Ferdinandeum, das Finale
© TLM
Das Finale

Ateliergrüße

Zu Beginn unseres Experimentes waren wir uns noch alle einig, was wir gezeichnet haben. Je abstrakter die Bilder werden, desto mehr Möglichkeiten der Interpretation gibt es. Jeder Mensch sieht plötzlich etwas anderes. Und schließlich sind wir befreit von jeglicher Deutung! Erstaunt waren wir darüber, dass im großen letzten Bild zwar vom Wollknäuel nicht mehr viel zu erkennen ist, die Dynamik des Aufwickelns aber ist um so deutlicher zu sehen! Ein vorher wenig beachteter Aspekt des Knäuels hat sich zum wesentlichen Punkt entwickelt!

Autorinnen

Ursula Purner

in Zusammenarbeit mit Irmgard Mellinghaus
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