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DAS MUSEUM VERMITTELN…AUSSERHALB DES MUSEUMS
„Der Karneval der Tiere“: Eine Kooperation der Tiroler Landesmuseen, TSOI – Tiroler Symphonieorchester Innsbruck und der Innsbrucker Schule am InnWenn ich sage, dass ich als Kulturvermittlerin arbeite, muss ich oft erklären, worin meine Arbeit besteht. Dass in einem Museum Führungen angeboten werden, ist allgemein bekannt, aber die Kulturvermittlung macht noch viel mehr… wie zum Beispiel außerhalb des Museums auf das Publikum zuzugehen. Das war der Fall bei dem interdisziplinären Projekt „Der Karneval der Tiere“, das in Zusammenarbeit mit dem TSOI – Tiroler Symphonieorchester Innsbruck und der Innsbrucker Schule am Inn realisiert wurde.

MUSIK UND BILDER GEHEN HAND IN HAND
Aber alles der Reihe nach. Die Tiroler Landesmuseen sind in ständigem Kontakt mit anderen Institutionen und Vereinen in der Region, um Kooperationen zu realisieren. Im Herbst 2024 wurden wir von Martina Natter, Leiterin des Musikvermittlungsprogramms des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck, für eine Zusammenarbeit zwischen Musik und bildender Kunst kontaktiert. Im Programm des TSOI war für Juni 2025 die Aufführung des Konzertes „Der Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns vorgesehen. Das Divertissement des französischen Komponisten, der an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert lebte, sollte mit der Geschichte „Die Hochzeit des Löwen“, die die Autorin Marie Pohl 2009 für diese musikalische Komposition geschrieben hat, aufgeführt werden. Martina Natter hatte die Idee, eine Klasse der Schule am Inn mit der Illustration der Geschichte zu beauftragen. Die entstandenen Bilder sollten während des Konzerts auf eine große Leinwand hinter dem Orchester im großen Saal des Hauses der Musik projiziert werden. Die Kulturvermittlung der Tiroler Landesmuseen hat den Workshop entwickelt – von der Idee bis zur Umsetzung.

ES GEHT UM EINE HOCHZEIT…
Im Text „Die Hochzeit des Löwen“ von Marie Pohl geht es um die Hochzeit zwischen einem Löwen und der Löwin Anastasia. Die Hochzeitsfeier entpuppt sich aber als ziemlich turbulent, denn sie beginnt mit nichts Geringerem als der Entführung von der Braut durch drei Hyänen. Mit Hochzeitsgästen aller Tierarten, ziemlich chaotisch und lärmend, entwickelt sich die Geschichte in abenteuerlicher Manier und endet, wie könnte es anders sein, mit einem großen Finale: der Hochzeit des Löwenpaares.
DIE IDEE
Die Idee war, für die Illustrationen der Geschichte in Workshops Collagen entstehen zu lassen, ausgehend von unserem großen musealen Schatz, den vielfältigen Objekten aus den Sammlungen der Tiroler Landesmuseen. Dort gibt es eine Fülle von Löwen, Eseln, Hähnen, Fröschen, Kuckucken und Pinguinen, weniger allerdings von Hyänen. Mit etwas Fantasie wurden aber auch Szenen mit diesen Tieren kreiert.
Die Herausforderung bestand darin, Bilder zu schaffen, die trotz unterschiedlicher Eigenschaften von 20 Kindern im Alter zwischen 6 und 10 Jahren eine stilistische Einheitlichkeit aufweisen. Deshalb wurde das Workshop-Konzept wie folgt festgelegt: Es wurde mit der Technik der Collage gearbeitet, Fotografien einer breiten Auswahl von Objekten aus den Sammlungen der Tiroler Landesmuseen wurden verwendet und Musterpapiere aus dem Wiener Sezessionsstil in die Komposition integriert. Es war auch möglich die Collagen mit handgezeichneten Elementen zu bereichern, allerdings standen nur zwei Buntstifte – Rot und Gelb – sowie ein schwarzer Filzstift zur Verfügung.

SCHÖNER RAHMEN MIT VIEL SPIELRAUM
Diese klaren Rahmenbedingungen mögen zwar im ersten Moment restriktiv erscheinen, lassen aber tatsächlich viel Freiraum für kreativen Ausdruck. Die kreative Arbeit wurde wie ein Spiel angegangen, bei dem man sich an Regeln hält. Adriana Gehmacher, Lehrerin der „Schlangenklasse“ der Schule am Inn erklärt: „Es war das Zusammenspiel aus Musik und Text im Dialog mit Laura und ihren Gegenständen der (Kunst-)Geschichte Tirols – für die Kinder ein Türöffner in neue ästhetische Erfahrungsräume!“ Und weiter: „Großartig war die Zusammenarbeit mit den Tiroler Landesmuseen und TSOI – geprägt von Offenheit, getragen von Wertschätzung und gerahmt von schlichter, verlässlicher Klarheit.“
COLLAGE SCHRITT FÜR SCHRITT
Die Workshops fanden in der Schule am Inn mit 20 Kindern der „Schlangenklasse“ statt. Zur Vorbereitung des Workshops hörten die Lehrerinnen Adriana und Sarah die Musik von Camille Saint-Saëns und lasen die zu illustrierende Geschichte mit den Schüler*innen. Dann wurden kleine Gruppen gebildet, die an den einzelnen Illustrationen arbeiten sollten.
Es war wichtig, sich der Collagentechnik in kleinen Schritten zu nähern. Zunächst machten wir uns mit dem Papier vertraut durch… Reißübungen. Dann überlegten wir, wie wir den Charakter jeder Szene aufbauen könnten. Dafür haben wir die Bilder der Museumsobjekte ausgeschnitten oder ausgerissen und „neu“ zusammengesetzt. Durch das Spielen mit den Papierfragmenten erfuhren die Kinder, wie sich der Ausdruck der Figur verändert, wenn wir auch nur kleine Details der Körperhaltung anders positionieren. Erst nachdem wir die Hauptfiguren in den Szenen fertiggestellt hatten, wandten wir uns dem Hintergrund zu und fügten Details und Nebenfiguren hinzu. Der Kleber zum Fixieren der Papierfragmente wurde erst am Ende verteilt, um Zeit zu haben, sorgfältig zu überlegen, welche Kombination von Formen am besten sind.

EINE AUSSTELLUNG MIT DEN ORIGINALEN
Das Ergebnis waren zehn Collagen, die mich sehr erstaunt haben, ebenso Martina Natter. Sie hatte dann die Idee, am Eingang des Konzertsaals im Haus der Musik aus den Collagen auch eine kleine Ausstellung mit den Originalen zu machen. „Die Zusammenarbeit mit den Schüler*innen war für uns ein Geschenk!“, freute sich Martina Natter. „Die Auseinandersetzung mit der Musik, mit der Geschichte sowie mit der künstlerischen Ausdrucksform hat nicht nur unglaublich viel Freude bereitet, sondern auch ein Ergebnis geschaffen, das alle unsere Erwartungen übertroffen hat.“

FERDINANDEUM UNTERWEGS
So „verließen“ Objekte aus den Sammlungen der Tiroler Landesmuseen das Depot und die Ausstellungsräume und zeigten sich in einem neuen Kontext. Diese erfolgreiche Kooperation zwischen zwei Kulturinstitutionen zeigt, wie das Vernetzen neue kreativen Räume eröffnet und wie Objekte und ihre Geschichten immer wieder neu gelesen werden können, um Menschen zu begeistern. Das Projekt ist Teil des Programms „Ferdinandeum unterwegs“, das in den kommenden Jahren das Ferdinandeum und seine Sammlungen in neue und unerwartete Kontexte bringen wird.
Apropos: Alle 5 Termine im Haus der Musik waren ausverkauft, insgesamt haben 1690 Personen das Konzert gehört und gesehen!





