GESCHENK 1892: EIN KANONENMODELL
Im April 1892 schenkte Bertha Freund aus Wien dem Ferdinandeum „drei sehr schöne Bronze Kanonen“ aus dem Nachlass ihres Vaters Max Steiner „zur dauernden Erinnerung an seine langjährige Tätigkeit als Antiquar in Innsbruck“. „Zur dauernden Erinnerung“ an Max Steiner. Aber warum zu dessen Erinnerung?
Wer waren Max Steiner und Bertha Freund?
Max Steiner wurde am 2. Mai 1823 in Innsbruck geboren und verbrachte sein ganzes Leben in Tirol. Er war jüdischer Abstammung. Sein Vater Martin Steiner hatte in Innsbruck zunächst eine Essigfabrikation betrieben, die erste und lange Zeit einzige Essigfabrik in Tirol. 1825 hat er das „Bürgerliche Brauhaus“ in der heutigen Ingenieur-Etzel-Straße in Innsbruck gegründet. Dieses Brauhaus war neben der Bierbrauerei Löwenhaus (seit 1628), einer Brauerei in Büchsenhausen (seit 1640), einer in der Altstadt und dem „Adambräu“ in Wilten eine der bekanntesten Bierbrauereien in Innsbruck.
1848 war Max Steiner als patriotischer Tiroler freiwillig in die Landesverteidigungskompanie Innsbruck eingerückt und hatte an der Südgrenze gedient. 1855 heiratete er in Innsbruck Rosa Sonnenschein aus Diespeck in Bayern. 1859 kam die gemeinsame Tochter Bertha zur Welt. In den 1850er-Jahren trat er in das väterliche Unternehmen ein. Erst 1860 erhielt er die alleinige Verantwortung für die Brauerei, aber schon 1861 musste er mit der Brauerei Konkurs anmelden.
Rosa Steiner hatte im Dezember 1867 die Befugnis zum Antiquitätenhandel erhalten, der dann von den beiden gemeinsam geführt wurde. Man lebte in der Innsbrucker Neustadt im Haus Nr. 192. Laut einem Beitrag in den Innsbrucker Nachrichten vom 2. Mai 1872 gab es in der „Steiner’schen Antiquitäten-Handlung […] eine große Menge von alten Waffen, Rüstungen, Pokalen u.s.w.“
1889 wurde das Geschäft an die Tochter Bertha übergeben, im gleichen Jahr verstarb Rosa Steiner. 1892 starb ihr Mann Max Steiner.