Höchste Krippenkunst
Bis Mariä Lichtmess am 2. Februar 2026 ist in der Hofkirche eine große barocke Krippe aus dem 18. Jahrhundert zu sehen. Nicht nur ihre detailgetreue Ausstattung sorgt für Staunen, auch ihre Geschichte ist bemerkenswert.
Seit 10 Jahren hat Peter Haag, Volkskunstrestaurator im Sammlungs- und Forschungszentrum in Hall, Ende November einen Fixtermin in der Hofkirche: Am Lettner, der begehbaren, brückenartigen Trennung von Altar- und Kirchenraum, baut er eine große Krippe aus dem Spätbarock auf. Wir durften ihm über die Schulter schauen und haben eine faszinierende Geschichte erfahren. Denn: „Diese Krippe galt lange als verschollen, nur durch Zufall wurde sie vor über 10 Jahren von Mesnerin Luise Huter und Pfarrer Jakob Patsch auf dem Dachboden des Widums in Hall gefunden“, erzählt uns Peter.
Detailreich
Die Krippe mit ihren rund 100 Figuren und zahlreichen Details lässt sich in die Zeit des Spätbarock, also in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts datieren: „Sie ist sehr wertvoll: Kopfbedeckungen sind mit echtem Perlenschmuck verziert, Kleidungsstücke aus Samt und Seide sind mit feinsten Stickereien aus Goldfäden versehen. Exakt nachgebaute Instrumente sind zu sehen, Pferde mit schönsten Überwürfen, edelst gekleidete Engel“, schwärmt der Restaurator. Interessant ist auch der gesellschaftliche Querschnitt, der zu sehen ist – vom einfachen Handwerker und Hirten über Jäger, Musikanten, Mönche, Trachten- und Uniformträger bis hin zu schwarzen Königen und Edelmännern mit Gefolge weisen die Figuren eine ungemeine Vielfalt auf.

Unklare Herkunft
Einige der geschnitzten Pferde und Kamele sind dem Tiroler Johann Kleisner vulgo Plätz (1814–1885) zuzuschreiben, weitere Künstler und Schöpfer lassen sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Während die Tiere sowie die Gliedmaßen der Figuren geschnitzt sind, verfügen letztere über aus Wachs bossierte Köpfe und Glasaugen: „Jedes Gesicht weist eine eigene Mimik auf, jede Gestik, Hand- und Körperhaltung hat ihren eigenen Ausdruck“, betont Peter fasziniert. An Krippenfiguren arbeiteten meist unterschiedliche Experten ihres Fachs, wie Gürtler, Bossierer und Schneider: „Häufig haben auch Nonnen oder adelige Stiftsdamen Kleider genäht, eine Verbindung der Krippe mit dem damaligen Damenstift in Hall kann daher durchaus möglich sein“, vermutet Peter.
Noch viel zu restaurieren
Die Krippe ist eine Dauerleihgabe an die Tiroler Landesmuseen, sie wird jedes Jahr in der Hofkirche aufgebaut und ist bis Mariä Lichtmess am 2. Februar zu sehen. „Wir freuen uns sehr darüber, diese wunderbare Krippe unseren Besucher*innen zeigen zu können“, freut sich Peter Haag und ergänzt: „Sie ist auch so umfassend und groß, es sind noch immer viele Teile gar nicht restauriert und daher nicht zu sehen.“ So bleibt es auch spannend, welche Details und Figuren jedes Jahr neu dazukommen.





