23.4.2026
4 min
Dr.in Ute Strimmer, MA

Labor der Forschung: Die Lange Nacht im SFZ Hall

Alle zwei Jahre lädt die Lange Nacht der Forschung österreichweit zu jeder Menge spannender Einblicke. Am Freitag, 24. April 2026, ist es wieder so weit! Auch unser Forschungs- und Sammlungszentrum in Hall in Tirol öffnet von 17 bis 23 Uhr seine Pforten. 

Am Freitag, 24. April 2026, verwandelt sich das Sammlungs- und Forschungszentrum (SFZ) in Hall von 17 bis 23 Uhr in ein lebendiges Labor. Der markante Bau aus der Feder des Architekturbüros Franz&Sue gilt architektonisch wie konservatorisch als „State of the Art“: Während das Haus normalerweise der Ort ist, an dem das Natur- und Kulturerbe Tirols hinter verschlossenen Türen beforscht und bewahrt wird, macht die Lange Nacht der Forschung diese Arbeit als Abenteuer für alle Generationen sichtbar. Es ist eine Einladung zu exklusiven Einblicken in die Welt der Wissenschaft.

Naturwissenschaft: Von Urzeit-Funden bis zum Lichtfang

Die Naturwissenschaftlichen Sammlungen bespielen ein breites Feld, das vor allem im Außenbereich zum Mitmachen einlädt. Wie wird aus einer winzigen Spur – sei es fossiler Blütenstaub oder die DNA in Vogelmist – eine Antwort auf die Fragen der Zukunft? Bei der Station „Von der Losung zur Lösung“ erfahren Besucher*innen, welche Informationen in diesen biologischen Hinterlassenschaften stecken. An der Station zum „Urzeit-Check“ geben Expert*innen Einblick in die Fossilien Tirols – hier können eigene Funde mitgebracht und vor Ort besprochen oder verglichen werden.
Wie digital zeitgemäße Forschung heute ist, zeigt die Station „Botanik 4.0“: Hier geht es um KI-gestützte Artenbestimmung und die Dokumentation seltener Pflanzenfunde. Ab 20.30 Uhr startet das „Nachtleuchten am UV-Licht-Turm“, wo Insekten angelockt und dokumentiert werden. Diese Praxis liefert wertvolle Daten über das Vorkommen und die Verbreitung von Arten im Rahmen der Biodiversitätsforschung.

Insektenbeobachtung mit UV-Licht
© Petra Schattanek-Wiesmair
Ab 20.30 Uhr können Insekten im UV-Licht-Turm beobachtet werden.

Spurensuche im Archäologie-Depot

Im Inneren des SFZ führen die Wege tief in die Kulturgeschichte Tirols. Beim Programmpunkt „Archäologie hautnah: Schicht für Schicht – freigelegt!“ (18 und 20 Uhr) wird veranschaulicht, wie Funde aus Metall, Keramik, Glas oder Holz behutsam freigelegt werden. Am Beispiel von Grabfunden aus der Bronzezeit oder römischen Gewandnadeln wird nachvollziehbar, wie diese Arbeit die Objekte für die Forschung erst lesbar macht.

Unter dem Titel „Survival Kit für das Jenseits“ (19 und 21 Uhr) werden Grabbeigaben von der Urgeschichte bis zum Frühmittelalter gezeigt. Entdecken Sie die Vorstellungen von Tod und Jenseits und was Menschen ihren Verstorbenen für die letzte Reise mitgaben.

Historischer Kamm aus Bein
© TLM/Andrea Frischauf
Archäologische Funde erzählen viel über die Vergangenheit – in Pfaffenhofen wurde dieser Dreilagenkamm mit Futteral aus Bein in einem Grab aus dem Frühmittelalter, 7. Jahrhundert n. Chr., gefunden.

Blick in die Restaurierungswissenschaften

Ein weiterer Schwerpunkt der Langen Nacht der Forschung liegt auf den Restaurierungswissenschaften, wo wissenschaftliche Expertise auf moderne Materialanalyse trifft. In der Präsentation „Zwischen Nadelstich und Wasserzeichen“ (stündlich von 17 bis 22 Uhr) demonstrieren Papierrestaurator*innen, wie sie mittels Wasserzeichen und feinster Einstichstellen (Nadellöcher) die Geschichte einer barocken Handzeichnung des bedeutenden Tiroler Malers Martin Knoller entschlüsseln konnten. Wer Restaurierung vom Bildträger bis zum Pigment live erleben will, ist außerdem beim „Material-Check“ im Außenbereich richtig: Hier geben Restaurator*innen Einblick in historische Techniken und moderne Methoden der Erhaltung.

Zwei Papierrestauratoren bei der Arbeit
© TLM/M. Fritz
Die Papierrestaurator*innen Sarah Simon und Alexander Fohs geben bei der Langen Nacht der Forschung im Programmpunkt „Zwischen Nadelstich und Wasserzeichen“ Einblicke in ihre Arbeit.

Wissenschaft verbindet

Das SFZ zeigt in dieser Nacht, dass Forschung nicht an den Labortüren endet. Die „Entdeckertouren“ führen direkt hinaus in die Umgebung, um die oft übersehene Pflanzenvielfalt im Siedlungsraum aufzuspüren. Den Bogen zur Kultur schlägt der Programmpunkt „Tracht im Fokus“ (18, 19 und 20 Uhr)): Er macht deutlich, dass historische Kleidung weit mehr ist als nur Stoff – sie ist ein Informationsträger. Wer nach so vielen Eindrücken eine Pause braucht, findet bei Ann’s Foodbike vor dem Haus mit Hotdogs und Getränken die passende Stärkung.

Restauratorin bei der Arbeit
© TLM/M. Fritz
Textilrestauratorin Ursula Lingscheid mit einem restaurierten Gürtel; bei der Langen Nacht der Forschung präsentieren sie und Jutta Profanter, Stv-Leiterin des Tiroler Volkskunstmuseums, den Programmpunkt „Tracht im Fokus“.

Service-Info: Die Lange Nacht der Forschung im SFZ ist ein Mix aus Expert*innenwissen und spannenden Entdeckungen für Groß und Klein. Der Eintritt ist frei, Zählkarten für die Hausführungen sind aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl von 15 Personen ab 16.30 Uhr direkt vor Ort erhältlich.

Lust auf mehr Forschung? Alle Details zum Programm finden Sie unter: https://www.tiroler-landesmuseen.at/veranstaltung/lange-nacht-der-forschung-im-sammlungs-und-forschungszentrum/

 

Autorin

Dr.in Ute Strimmer, MA

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