24.6.2026
4 min
Dr.in Gerlinde Tamerl-Lugger

Lisa Noggler übernimmt Leitung des Museum im Zeughaus

Lisa Noggler wird mit 1. September 2026 die Leitung des Museum im Zeughaus in Innsbruck übernehmen. Die erfahrene Kuratorin und Kulturwissenschafterin setzte sich in einem mehrstufigen Auswahlverfahren gegen 17 Mitbewerber*innen durch. Im Interview spricht sie über ihre Vision für das Museum im Zeughaus.

Was hat Sie daran gereizt, sich für die Leitung des Zeughauses zu bewerben?

Das Zeughaus ist einzigartig und ein Glücksfall: ein historisches Gebäude mitten in der Stadt, umgeben von einem lebendigen Viertel und mit großem Potenzial für die Zukunft. Ich sehe eine große Chance darin, die Kultur- und Nachbarschaftsarbeit miteinander zu verbinden und die Rolle des Museums als offenen, lebendigen Ort für unterschiedliche Zielgruppen zu stärken.

Mit welcher Vision treten Sie die neue Aufgabe an?

Die Geschichte des Gebäudes als ehemaliges Waffenarsenal Kaiser Maximilians soll sichtbar bleiben. Ich möchte das Museum im Zeughaus aber programmatisch weiterentwickeln. „Unter der Leitung von Claudia Sporer-Heis hat das Zeughaus sein entscheidendes ,Framing‘ als Museum erhalten. Es ist ein Ort, der für Geschichte, Geschichtsvermittlung in Tirol steht. Auf dieser Grundlage möchte ich das Museum im Zeughaus behutsam transformieren und die historische Bedeutung des Gebäudes mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen verbinden. Geplant ist eine programmatische Ausrichtung, die Geschichte, Archäologie, Naturwissenschaften, Kulturwissenschaften und Zeitgeschichte miteinander verknüpft. Besonders im Fokus stehen dabei generationenübergreifende Formate sowie Angebote für Kinder und Jugendliche.  

Welche Rolle soll das Zeughaus künftig für das Museumspublikum spielen?

Ich möchte das Zeughaus als „unseren gemeinsamen Ort“ etablieren – für die Menschen im Stadtviertel, in Innsbruck und darüber hinaus. Museen sind heute nicht nur Orte des Bewahrens, sondern auch Orte des gesellschaftlichen Dialogs. Das Zeughaus soll ein Offenheit vermittelnder Ort sein, den man gerne besucht, in dem man sich willkommen fühlt und immer wieder aufhält.

Wie wollen Sie neue Besuchergruppen erreichen?

Besonders wichtig sind mir Kinder, Jugendliche und Familien. Das Zeughaus hat großes Potenzial für generationenübergreifende Museumsarbeit. Wir wollen neue Formate entwickeln, die Beteiligung ermöglichen und Menschen als aktive Kulturteilnehmer*innen ansprechen. Dialog, Inklusion und Teilhabe werden dabei zentrale Leitgedanken sein.

Welche gesellschaftlichen Themen sollte ein historisches Museum heute aufgreifen?

Museen müssen aktuelle Fragen aufgreifen und gleichzeitig auf einer fundierten wissenschaftlichen Basis stehen. Das Zeughaus bietet dafür ideale Voraussetzungen. Themen wie Klimawandel, Erinnerungskultur, gesellschaftliche Veränderungen oder die Geschichte Tirols im 20. Jahrhundert lassen sich hervorragend mit den vielfältigen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen verbinden. Mich interessiert besonders die Verknüpfung von regionalen Geschichten mit globalen Fragestellungen.

Was bringen Sie aus Ihrer bisherigen Laufbahn mit?

Ich durfte in sehr unterschiedlichen Museen und Institutionen in Österreich, Deutschland und der Schweiz arbeiten – von großen Landes- und Bundesmuseen bis zu regionalen Häusern. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig Zusammenarbeit, Vernetzung und das genaue Hinhören sind. Museumsarbeit ist Teamarbeit und lebt vom Austausch mit Wissenschaft, Bildung, Kultur – vor allem aber im Austausch mit den Menschen, die dieses Museum besuchen (oder zukünftig besuchen!).

Nachbarschaftsfest im Museum im Zeughaus
© TLM
Nachbarschaftsfest im Museum im Zeughaus: Lisa Noggler möchte neue Formate für generationenübergreifende Museumsarbeit entwickeln.

Was macht für Sie eine gelungene Ausstellung aus?

Eine gute Ausstellung verbindet wissenschaftliche Qualität mit einer starken Erzählung. Sie regt zum Nachdenken an, eröffnet neue Perspektiven, spricht unterschiedliche Menschen an und bringt deren Wissen, deren Erfahrung ein. Im besten Fall wirkt sie über den Museumsbesuch hinaus nach.

Was möchten Sie in Ihrer ersten Zeit umsetzen?

Zuerst werde ich zuhören: meinem Team, den Besucher*innen, der Nachbarschaft und unseren Partner*innen und unseren hervorragenden Kolleg*innen in der Vermittlung. Darauf aufbauend möchte ich die Öffnung des Museums vorantreiben, neue Angebote für Kinder und Jugendliche entwickeln und gemeinsam mit meinem Team die künftige Ausrichtung des Zeughauses sichtbar machen.

Frau im Park
© TLM/Paul Neuner
„Eine gute Ausstellung verbindet wissenschaftliche Qualität mit einer starken Erzählung", so Lisa Nogglers Überzeugung.

Autorin

Dr.in Gerlinde Tamerl-Lugger

Leitung Kommunikation & Marketing
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