10.8.2026
4 min
Priv.-Doz.in Dr.in Evelyn Kustatscher

Paleo4Alps 2026: Wissenschaft verbindet Europa

Wie lassen sich Millionen Jahre Erdgeschichte entschlüsseln? Welche Lehren ziehen wir aus vergangenen Klimaveränderungen und Massenaussterben? Und wie entwickelt sich die Paläontologie mit neuen digitalen Methoden weiter? Antworten auf diese und viele weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Paleo4Alps 2026, die vom 19. bis 23. Juli 2026 in Bozen stattfand.

Die Tiroler Landesmuseen organisierten die internationale Tagung gemeinsam mit der Freien Universität Bozen, dem Naturmuseum Südtirol und dem MUSE. Erstmals trafen sich dabei vier paläontologische Fachgesellschaften zu einer gemeinsamen Jahrestagung: die Società Paleontologica Italiana, die Paläontologische Gesellschaft, die Österreichische Paläontologische Gesellschaft und die Swiss Palaeontological Society.

Internationale Forschung im Herzen der Alpen

Mit mehr als 320 Teilnehmenden aus 25 Ländern entwickelte sich Paleo4Alps zu einer der größten paläontologischen Fachtagungen Europas der vergangenen Jahre. Forschende aus aller Welt präsentierten aktuelle Erkenntnisse zur Entwicklung des Lebens auf der Erde – von den ersten Pflanzen über Dinosaurier bis hin zu Säugetieren und den Auswirkungen großer Klimaveränderungen. In über 200 Vorträgen wurden neue Fossilfunde, moderne Analysemethoden und interdisziplinäre Forschungsansätze vorgestellt. Besonders deutlich wurde dabei, wie eng Paläontologie heute mit Biologie, Geologie, Klimaforschung und Informatik zusammenarbeitet. Künstliche Intelligenz, dreidimensionale Bildgebung und computergestützte Analysen gehören inzwischen ebenso zum Werkzeugkasten der Wissenschaft wie klassische Feldarbeit.

7 Personen begrüßen ihr Publikum
© Matteo Vegetti
Prof. Alex Weissensteiner (Rektor Freie Universität Bozen), Prof. Camilla Wellstein (Freie Universität Bozen), PD Dr. Evelyn Kustatscher (Leiterin der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen), Prof. Annalisa Ferretti (Präsidentin der Società Paleontologica Italiana), Prof. Alexander Nützel (Präsident der Paläontologischen Gesellschaft), Prof. Torsten Scheyer (Präsident der Swiss Palaeontological Society) und Prof. Gerald Auer (Österreichische Paläontologische Gesellschaft, v. li.).

Nachwuchs fördern, Zusammenarbeit stärken

Ein besonderes Anliegen war die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Ein eigener Tag war dem Austausch der Jungwissenschafter*innen gewidmet und bot jungen Forschenden eine Plattform für den internationalen Austausch. Gleichzeitig wurde großer Wert auf eine offene, inklusive und kollegiale Atmosphäre gelegt, die den Dialog zwischen erfahrenen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern sowie Early Career Researchers förderte. Gerade dieser direkte Austausch über Länder- und Fachgrenzen hinweg ist eine wichtige Grundlage für zukünftige Forschungsprojekte.

Wissenschaft zum Erleben

Auch die Öffentlichkeit erhielt Einblicke in die faszinierende Welt der Erdgeschichte. Mit der Paleoart-Ausstellung „Ancient Horizons – Reimagining the Lost Worlds of Europe“ wurde gezeigt, wie eng Wissenschaft und Kunst zusammenarbeiten können, um ausgestorbene Lebenswelten anschaulich zu rekonstruieren. Ergänzt wurde das Programm durch öffentliche Vorträge und Veranstaltungen, die das Interesse an der Paläontologie weit über die Fachwelt hinaus weckten.

große Gruppe Menschen
© Matteo Vegetti
Über 320 Wissenschafter*innen und Interessierte aus 25 Ländern nahmen an der diesjährigen Tagung Paleo4Alps teil.

Exkursionen zu den Schätzen der Alpen

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Exkursionen in einige der bedeutendsten Fossillagerstätten und Geotope des Alpenraums, darunter die Dolomiten, die Karnischen Alpen, Bolca und Lavini di Marco. Sie verdeutlichten eindrucksvoll die internationale Bedeutung des alpinen Raums als Forschungsregion für die Rekonstruktion vergangener Lebenswelten.

Tiroler Landesmuseen als internationaler Forschungspartner

Mit der Ausrichtung von Paleo4Alps unterstrichen die Tiroler Landesmuseen ihre Rolle als international vernetztes Forschungszentrum. Die Naturwissenschaftlichen Sammlungen bewahren nicht nur wertvolle Zeugnisse der Erd- und Naturgeschichte, sondern leisten mit ihrer Forschung auch einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Entwicklung von Biodiversität und der Auswirkungen globaler Umweltveränderungen. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden zeigen, dass Paleo4Alps weit mehr war als eine wissenschaftliche Konferenz: Die Tagung wurde zu einem Ort des Austauschs, der Inspiration und der internationalen Zusammenarbeit – ganz im Sinne ihres Mottos, die Vergangenheit zu erforschen, um die Zukunft besser zu verstehen.

Autorin

Priv.-Doz.in Dr.in Evelyn Kustatscher

 
Evelyn Kustatscher
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