6.8.2025
6 min
Dr.in Gerlinde Tamerl-Lugger

Publikationen, das Sprachrohr nach außen

Seit April 2025 leitet Barbara Unterthurner die Abteilung für Publikationen der Tiroler Landesmuseen. Sie erzählt über neue Herausforderungen, den Blick über die Museumsmauern und neu gedachte Museumskataloge.

Du hast im März 2025 Deinen Schreibtisch in der Kulturredaktion der Tiroler Tageszeitung verlassen und leitest nun die Abteilung der Publikationen in den Tiroler Landesmuseen. Wie geht es Dir mit dieser beruflichen Veränderung?
Gut. Mir hat der nächste Schritt als Redakteurin gefehlt, deshalb die Entscheidung weg vom täglichen Schreiben, hin zu den Texten. Das Wichtigste (Inhalt, Kultur, Museen) ist im Grunde geblieben. Was ich im Kulturjournalismus gelernt habe, ist aber ein breites Verständnis von Kultur und den kulturellen Genres. Ich hatte überall Einblick – unterschiedliche Perspektiven reinzubringen, ist für die Stelle im Publikationsmanagement natürlich von Vorteil.

Du kommst vom tagesaktuellen Schreiben, Texte-Abliefern, also aus einer Arbeit, die mit viel Druck zu tun hat, wogegen im Museum ein anderer Rhythmus herrscht – es geht um konzeptionelle Arbeit, Strategien, um monatelanges Hinarbeiten auf ein großes Projekt. Ist das für Dich auch reizvoll?
Ich würde sagen, der Druck ist nicht weniger geworden, er ist nur anders verteilt. Weniger Sprint, mehr Marathon. Mir macht es jedenfalls großen Spaß inhaltliche Akzente zu setzen, an Strategien für die Zukunft zu arbeiten und die großen Projekte, nicht nur Bücher, sondern Publikationen im Allgemeinen, also letztlich auch eine ganze Abteilung mitzuentwickeln.

Was sind derzeit Deine Aufgaben – was beschäftigt Dich besonders?
Meine Aufgaben sind vielfältig und reichen von der Profilierung der Publikationen in den Tiroler Landesmuseen bis hin zu den einzelnen Projekten, weiter zu den einzelnen Inhalten, zur Textzeile, dem Wort. Spannend ist auch, dass sich mit dem Umbau des Ferdinandeums gleichzeitig so viel im Umbruch befindet und wirklich große Fragen gestellt werden. Nämlich die, die gerade in allen großen Häusern verhandelt werden: Was kann und will ein Museum 2025 alles sein? Wie gehen wir mit unserer (auch in Tirol vornehmlich männlichen) Sammlung um? Gehen wir mit öffentlichen Mitteln verantwortungsbewusst um? Wie werden Arbeit und Produktion nachhaltiger? Und vor allem: Wie bleiben (oder werden) wir als Museum für ein junges und diverses Publikum relevant? Es ist schön, bei diesen Fragen mit möglichen Antworten – vor allem für meinen Bereich – mitzuwirken.

Museum mit Bauzaun
© TLM
Das Ferdinandeum wird aktuell umgebaut und saniert. Im Rahmen eines derart großen Umbruchs eröffnet sich auch die Chance, das Museum neu zu denken. Dies betrifft alle Bereiche, auch die Publikation.

Welche Rolle spielen Deiner Meinung nach Publikationen im musealen Kontext?
Sie spielen wie Ausstellungen und einzelne Projekte innerhalb der Häuser eine ganz essentielle Rolle in der Museumsarbeit. Gute Publikationen sind ein wichtiges Sprachrohr nach außen, an ihnen wird unsere Arbeit gemessen. Deshalb wollen wir ja weiterhin gute, im Idealfall noch bessere – ja, eben zugänglichere Publikationen machen. Zusätzlich zu dem, was wir eh schon können. Heißt, wir bleiben bei all der Veränderung dann doch auch irgendwo gleich, weil die Inhalte ja bleiben. Wir denken halt nach, wie und über welche Kanäle man diese vermitteln kann.

Gibt es Ideen für digitale Strategien?
Die muss es geben! Den digitalen Raum nicht mitzudenken, wäre absolut fatal. Ich sehe in meiner Abteilung da übrigens großes Potenzial und viele Anwendungsmöglichkeiten, besonders wenn wir uns multimedial aufstellen, Neues zulassen und auch mal was ausprobieren wollen. Ich sage ganz klar: Wissenschaftliche Inhalte müssen nicht nur auf Papier gedruckt werden. Was nicht heißt, dass das „gute, alte Buch“ ausgedient hat.

Wenn man an einen Museumskatalog denkt, hat man dicke Wälzer im Kopf. Bleibt das so oder gibt es auch Ideen zu neuen Formaten?
Wir werden neue Formate und eben auch Kanäle für unsere Inhalte brauchen. Was, ich sage auch hier, nicht heißt, der Wälzer muss weg. Wer viel zu sagen hat, muss weiter viel sagen können. Aber wir denken nach, wie man es sagen kann und für wen wir es künftig sagen wollen.

Wird es auch abseits von Ausstellungpublikationen Bücher zu gesellschaftlich relevanten Themen geben?
Unbedingt! Auch weil es Sinn macht. Die Aufgabe des Museums ist und war ja nie „nur“ das Ausstellen. Jedenfalls nicht bei einem Museum, wie wir es sind. Also ja, es wird inhaltlich vermehrt um unsere Sammlungen gehen und um zeitgemäße Perspektiven auf unsere Objekte sowie das Sammeln selbst. Es wird um die Institution Museum gehen, die sich entwickelt, ebenso um das Arbeiten im Museum und die Geschichten, die sich daraus ergeben.

Auf welche Zielgruppen möchtest Du besonders fokussieren?
Eigentlich auf alle, die kulturinteressiert sind – besonderes auf jene, die wir bisher nicht erreicht oder vernachlässigt haben. Das ist auch die breite Masse, die schon bei den Jüngsten beginnt.

Welche Kooperationen fändest Du spannend?
Vernetzen ist das Um und Auf, ich bin da auch auf meine Kolleg*innen angewiesen. Kooperationen über die Museumsmauern hinaus sind hocherwünscht, auch über Ländergrenzen hinaus. Weil es auch hier zwischen den Häusern und Institutionen ja wieder um ähnliche Themen geht, um Nachhaltigkeit, Publika etc. – da sind ein starkes Netzwerk und ein guter Austausch natürlich interessant und wichtig.

Wie barrierefrei muss die Sprache in Museumskatalogen werden? 
Auch Inklusion gehört zu den großen Themen, die uns alle beschäftigen. Leichte Sprache ist ein Riesenthema, zunächst einmal im Ausstellungsraum, wenn man den Anspruch hat, für eine diverse Gesellschaft relevant und zugänglich zu sein. Aber auch bei den Publikationen müssen wir neu denken, Expertise von außen einholen. Auch um zu klären: Inwiefern könnte die Vielfalt von Kanälen nützlich sein? Was bringen da Verknüpfungen zwischen Analogem und Digitalem?

Die Museumslandschaft ist historisch bedingt männlich geprägt. Wird es in Zukunft auch feministische Ansätze in Publikationen geben? 
Die muss es geben, wenn wir gewachsene Strukturen verändern/aufbrechen wollen. Also ja, wir brauchen zeitgemäße Blickwinkel und Fragestellungen, vor allem was die Publikationen betrifft. Weil sich da mit den richtigen Perspektiven weibliche/diverse Geschichten auftun, die bisher noch nicht erzählt wurden – auch mitunter bewusst nicht erzählt wurden.

Welche Rolle spielt der Umbau des Ferdinandeums?
Er spielt bei mir persönlich eine große Rolle, weil ich durchaus auch eine Art Aufbruchsstimmung wahrnehme, die man für neue Herangehensweisen gut nutzen kann. Wir haben jetzt die Möglichkeit zu überlegen, wie wir künftig arbeiten wollen. Und ganz nebenbei ist so ein Umbau ein historischer Moment, den wir festhalten müssen. Auch auf Papier.

Frau beim Interview
© Paul Neuner
„Wissenschaftliche Inhalte müssen nicht nur auf Papier gedruckt werden“ – Barbara Unterthurner denkt bei Publikationen auch intensiv den digitalen Raum mit.

Autorin

Dr.in Gerlinde Tamerl-Lugger

 
Gerlinde Tamerl-Lugger
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