Seit mittlerweile zehn Jahren wird einmal im Jahr die City Nature Challenge (CNC) ausgerufen. Bei dieser weltweiten Biodiversitäts-Aktion haben Bürgerinnen und Bürger die einzigartige Chance, Teil eines großen wissenschaftlichen Projektes zu werden: die Teilnehmer*innen streifen durch die Natur und sammeln mithilfe der Handy-App iNaturalist aussagekräftiges Datenmaterial zur Artenvielfalt. Je mehr sich beteiligen, desto mehr Material kann bei dieser großangelegten Feldforschung gesammelt werden.
City Nature Challenge 2026: Tausende Naturbeobachtungen gesammelt
Die City Nature Challenge (CNC) 2026, die von 24. bis 27. April 2026 in Innsbruck und Innsbruck-Land stattfand, brachte erneut beeindruckende Ergebnisse für die Dokumentation der Biodiversität in Tirol.
Innsbruck erzielt Bronze dank reger Teilnahme
Die diesjährige Aktion in Innsbruck und Innsbruck-Land wurde von Ines Aster von den Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen gemeinsam mit zahlreichen engagierten Teilnehmenden aus ganz Tirol organisiert. Insgesamt wurden über 5.000 Beobachtungen zu 1.155 Arten erfasst. Rund 100 Personen beteiligten sich aktiv an der Dokumentation der regionalen Tier- und Pflanzenwelt. Innsbruck erreichte damit österreichweit den dritten Platz hinter Graz und Wien.
Die meisten Beobachtungen innerhalb Tirols – rund 1.600 – stammen von Wolfgang Bacher, der damit einen bedeutenden Beitrag zur Datensammlung der CNC 2026 leistete.
Bemerkenswerte Artenfunde Ortolan – in Österreich als Brutvogel ausgestorben
Im Rahmen der CNC konnte heuer ein Ortolan (Emberiza hortulana, Vogelart aus der Familie der Ammern) auf dem Durchzug beobachtet werden. Für Tirol stellt dies einen besonderen Nachweis dar: Im Tiroler Oberland befand sich bis 2022 das letzte bekannte Brutgebiet der Art in Österreich. Seither konnten dort keine weiteren Brutnachweise mehr dokumentiert werden, weshalb der Ortolan mittlerweile in Österreich als Brutvogel als ausgestorben gilt.
Skabiosenschwärmer – gefährdeter tagaktiver Nachtfalter der Magerwiesen
Auch der Skabiosenschwärmer (Hemaris tityus) wurde dokumentiert. Die tagaktive Schwärmerart erinnert im Flug an das bekanntere Taubenschwänzchen und gilt in Tirol als gefährdet. Sie ist auf extensiv bewirtschaftete, blütenreiche Magerwiesen in tieferen Lagen angewiesen. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und den Verlust artenreicher Wiesen gehen geeignete Lebensräume zunehmend zurück.

Seltene Schlingnatter dokumentiert
Mit der Schlingnatter (Coronella austriaca) wurde in Steinach am Brenner auch eine in Österreich gefährdete Schlangenart nachgewiesen. Die wärmeliebende Art besiedelt strukturreiche Lebensräume wie Trockenrasen, Waldränder oder steinige Böschungen und ernährt sich vor allem von Eidechsen und Blindschleichen. Durch den Verlust geeigneter Lebensräume gilt die Schlingnatter in Österreich als gefährdet.

Vielwurzelige Teichlinse – seltene inneralpine Nachweise in Tirol
Mit den Funden der Vielwurzeligen Teichlinse (Spirodela polyrhiza) in einem Wassergraben in Völs sowie in einem Teich in Innsbruck sind bemerkenswerte botanische Nachweise für Tirol gelungen. Die wärmeliebende Wasserlinsenart ist inneralpin nur selten dokumentiert. In den vergangenen Jahren wurden vermehrt Nachweise aus Salzburg bekannt. Ob die aktuelle Ausbreitungstendenz mit klimatischen Veränderungen zusammenhängt, bleibt derzeit offen.

Bedeutung der CNC für Tirol
Die City Nature Challenge 2026 hat erneut gezeigt, wie viele Menschen sich für Naturbeobachtung begeistern und ihre Beobachtungen teilen möchten. Durch die große Zahl an Teilnehmenden entstand innerhalb weniger Tage eine beachtliche Menge an Daten aus ganz Tirol.
Besonders wertvoll sind dabei die breite räumliche Abdeckung sowie die Vielfalt der dokumentierten Organismengruppen. Dadurch entsteht ein vielseitiges Bild der Tiroler Biodiversität – auch aus Regionen und Lebensräumen, die sonst nur selten erfasst werden.
Neben einzelnen bemerkenswerten Nachweisen liefern die gesammelten Daten auch Hinweise für zukünftige Beobachtungen, Monitoringprojekte und Naturschutzmaßnahmen. Die zahlreichen Beobachtungen verdeutlichen zudem die hohe biologische Vielfalt Tirols – selbst in stark genutzten oder urban geprägten Landschaftsräumen.




