20.10.2025
3 min
Benjamin Schattanek-Wiesmair, BSc MA

Das Projekt Psyche

Im Juli 2025 fand in Mals (Südtirol, Italien), einem Zentrum alpiner Biodiversität, der erste große Feldworkshop des europäischen Genomprojekts Psyche statt.

Das Projekt Psyche: Genomische Erfassung europäischer Schmetterlinge wird ausgebaut

Im Juli 2025 fand in Mals (Südtirol, Italien), einem Zentrum alpiner Biodiversität, der erste große Feldworkshop des europäischen Genomprojekts Psyche statt. Rund 50 Expert*innen aus 19 Ländern versammelten sich vom 14. bis 18. Juli, um Individuen von möglichst vielen Schmetterlingsarten zu sammeln – mit dem Ziel, deren Genome vollständig zu sequenzieren. Unterstützt wurde das Team von Psyche bei der Organisation durch die Tiroler Landesmuseen sowie der Society for European Lepidopterology.

Hintergrund: Das Projekt Psyche

Psyche ist Teil der internationalen Bestrebungen zur vollständigen Erschließung der biologischen Diversität durch Genomsequenzierung. Aufbauend auf dem Darwin Tree of Life-Projekt (Großbritannien und Irland) und inspiriert vom Earth Biogenome Project, verfolgt Psyche das Ziel, die Genome aller ca. 12.000 in Europa vorkommenden Schmetterlingsarten zu entschlüsseln.

Wissenschaftliche Zielsetzung

Die Sequenzierung vollständiger Schmetterlingsgenome ermöglicht es, zentrale Fragen der Evolutionsbiologie, Ökologie und angewandten Entomologie zu beantworten, wie etwa die Anpassungsdynamiken an neue Wirtspflanzen oder klimatische Bedingungen, die Entwicklung von Insektizidresistenzen, die Identifikation kryptischer Arten oder Strategien für Populationsüberwachung und Wiederansiedlungen im Naturschutz.

Langfristig sollen die generierten Daten zur Entwicklung von Methoden beitragen, die auf weitere Tiergruppen übertragbar sind. Gleichzeitig entstehen neue Ressourcen für Biodiversitätsmonitorings, Klimawandelanpassungen und nachhaltige Schädlingskontrolle.

Mals als Modellregion

Die Auswahl von Mals als Standort des ersten Feldworkshops basiert auf seiner außergewöhnlich hohen Schmetterlingsvielfalt. Aufgrund dieser wurde hier ein Studiengebiet der SEL (Society for European Lepidopterology) eingerichtet. Über 1.000 Arten wurden hier dank langjähriger Erhebungen unter der Leitung von Dr. Gerhard Tarmann (Tiroler Landesmuseen, Innsbruck) und der Mithilfe vieler verschiedener Forscher*innen nachgewiesen. Die geographische Lage zwischen alpinen und mediterranen Zonen sowie die pestizidfreie Ausrichtung der lokalen Landwirtschaft schaffen ideale Bedingungen für artenreiche Insektenpopulationen.

Darüber hinaus zeichnet sich die Gemeinde durch eine hohe Sensibilität für ökologische Fragestellungen und eine hohe Akzeptanz wissenschaftlicher Forschung aus.

Programm

Neben den täglichen Nacht- und Tagexkursionen wurden im Rahmen von Vorträgen die Geologie und auch die kulturellen Eigenheiten Südtirols, die Schmetterlingsvielfalt Mals, wie auch die Vielfalt der Schmetterlinge Europas und auch das Projekt Psyche vorgestellt. Für die Öffentlichkeit wurde ein Publikumsleuchten angeboten, welches trotz kalten und nassen Bedingungen gut angenommen wurde.

Ergebnisse des Feldworkshops

Während des fünftägigen Workshops wurden systematisch Schmetterlinge mittels Lichtfang und Tagaufsammlungen erfasst. Dabei konnten zwischen 200 und 300 Arten, welche im Genomprojekt benötigt werden, darunter auch mehrere seltene Hochgebirgsarten gesammelt werden. Diese Proben wurden vor Ort bearbeitet und auf 80  °C gekühlt um die DNA für das Sequenzieren so gut wie möglich zu erhalten.

Ausblick

Das Projekt strebt im nächsten Schritt die vollständige Sequenzierung von 1.000 europäischen Schmetterlingsarten an. Weitere Workshops in unterschiedlichen biogeografischen Regionen Europas sind in Planung.

Langfristig soll Psyche nicht nur zum besseren Verständnis der Evolution, Anpassung und Bedrohungsszenarien von Schmetterlingen beitragen, sondern auch als Blaupause für genomische Großprojekte anderer Organismengruppen dienen.

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© Petra Schattanek-Wiesmair
Evelyn Kustatscher gab einen Einblick in die geologischen und kulturellen Eigenheiten Südtirols.

Autor*in

Benjamin Schattanek-Wiesmair, BSc MA

Zoologie / Schmetterlinge
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