17.7.2020
5 min
Mag. Clara Maier

Goethes italienische Reise führt ins Ferdinandeum

Direktor Peter Assmann spricht im Interview darüber, wie Sie in der Sonderausstellung Goethes Italienische Reise im Ferdinandeum auf Goethes Spuren verreisen.

Von der venezianischen Riviera bis in die üppigen Gärten von Palermo. Von antiken römischen Skulpturen bis in die Campagna. Weinranken, Maulbeerbäume, reife Quitten.

Es war ein Paradies, das sich Johann Wolfgang von Goethe auf seiner italienischen Reise im 18. Jahrhundert ersehnt hat – und nach dem sich zurzeit viele von uns sehnen. Ein künstlerischer Ausflug im Ferdinandeum, der auch in Corona-Zeiten für Individualreisende möglich ist, folgt seinen Spuren. Dabei wird beleuchtet, ob damals wirklich alles so idyllisch und erstrebenswert war oder ob aus Goethes Feder die künstlerische Gestaltungsfreiheit sprach.

Der Urlaub im Museum führt in das Italien des 18. Jahrhunderts. War Goethes italienische Reise damals wirklich so paradiesisch oder ging dem Dichter die Fantasie durch? 

Direktor Peter Assmann: Beides. In den gebildeten Kreisen Deutschlands war das Italien des 18. Jahrhunderts das Sehnsuchtsland schlechthin. Dort sollten alle Wunschträume erfüllt, die Schönheit des guten Lebens genossen werden. Als Reisender und kritischer Beobachter beschrieb Goethe aber auch immer die vielen Dinge, die nicht funktionierten. Italien war damals ein politisch zersplittertes Land. Das ist ihm auf seiner italienischen Reise durchaus aufgefallen, auch wenn die Betonung der Schönheit und des „dolce vita“ überwog – genauso wie in den folgenden Jahrhunderten bis heute. In der Sonderausstellung zeigen historische Objekte des Alltagslebens einer mühevollen Reise diese Brüche und werden in Bezug zu zeitgenössischer Kunst gesetzt.

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© Klassik Stiftung Weimar, Museen
Reinhold Ewald nach Johann Heinrich Wilhelm Tischbein: Goethe, Johann Wolfgang von (1749–1832) in der Campagna, 1959, Klassik Stiftung Weimar, Museen

Früher brauchte die Postkutsche mindestens zehn Tage von Innsbruck nach Neapel. Wie holprig kann man sich Goethes italienische Reise vorstellen? 

Assmann: Die zehn Tage von Innsbruck nach Napoli waren in der Goethezeit kaum zu schaffen und zudem mit großen Kosten verbunden. Wir müssen uns den Menschen des 18. Jahrhunderts natürlich sehr viel robuster vorstellen als Menschen unserer Generation – und da ist durchaus auch die Haltbarkeit des Sitzfleisches ein Thema.

Nicht so bekannt wie Goethes Gedichte sind seine Zeichnungen. Wie hat ihn die Italienreise inspiriert?

Assmann: Goethe hat den Italienaufenthalt insbesondere dazu verwendet, selbst noch mehr zum Künstler zu werden. Dazu gehörte neben seiner schriftstellerischen Arbeit auch die Zeichnung. Er hat ganz klassische Zeichenstunden genommen, allerdings bei großen Künstlerinnen und Künstlern dieser Zeit wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Angelika Kauffmann und Jacob Philipp Hackert. Mit ihnen hat er sich in die Landschaft begeben, von den Alpen über die neapolitanische Küste bis nach Sizilien, um gemeinsam zu zeichnen. Er hat geschrieben, dass er sich sogar an eine Skulptur gewagt hat, vor allem war es aber die Landschaft, die ihn als Bildkünstler beschäftigt hat.

 

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© Salzburg Museum
Johann Wolfgang von Goethe: Italienische Landschaft, o. J., Salzburg Museum

Große Namen prägten die damalige Kunstszene. Wie kann man sich Goethes Rom vorstellen?

Assmann: Die Kunstszene, in der sich Goethe bewegt hat, wird als die der „Deutschrömer“ bezeichnet. Seit der Renaissance zog es deutsche und österreichische Künstlerinnen und Künstler nach Rom. Besonders fasziniert war Goethe von der Grande Dame dieser Kunstszene, Angelika Kauffmann, mit der er schließlich auch künstlerisch zusammenarbeitete. Für die Ausstellung versammeln wir Teile dieser Kunstszene wieder im Ferdinandeum: Herausragende Werke von Kaufmann treffen dabei zum Beispiel auf Wutkys „Ausbruch des Vesuv“, Hackerts „Römische Landschaft“ auf eine Version von Tischbeins „Goethe in der Campagna“. Ergänzt werden sie mit einigen Tiroler Überraschungen.

Sie haben selbst bereits viel Zeit in Italien verbracht. Können Sie die Sehnsucht, dort die Kreativität wiederzufinden, nachempfinden?

Assmann: Ich habe das Glück gehabt, Italien immer wieder in „Portionen“ zu erleben, und konnte das Sehnsuchtsland eines jeden künstlerischen Menschen in einer guten Mischung aus Nähe und Distanz erfahren. Die Faszination kann ich gut nachvollziehen, weil ich sie selbst immer wieder verspürt habe – und immer noch verspüre. Inzwischen habe ich aber genügend kritische Distanz und natürlich auch die entsprechenden Erfahrungen in diesem Land gesammelt.

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© TLM
Josef Anton Koch: Landschaft mit Apollo unter den Hirten, 1837

Worauf freuen Sie sich in der Ausstellung besonders?

Assmann: Ich persönlich habe ja einen engen Bezug zu Goethe, der mich in meiner Schulzeit, während des Germanistik-Studiums und natürlich in meiner Arbeit als Schriftsteller und bildender Künstler sehr beschäftigt – oder vielleicht besser: herausfordert. Außerdem habe ich am gleichen Tag Geburtstag wie er. Ich freue mich ganz besonders auf die vielen Goethe-Zeichnungen, die wir in der Ausstellung zeigen werden.

Autor*in

Mag. Clara Maier

war selbst bereits auf einigen italienischen Reisen und genoss es an Goethes damaligen Kunst- und Schauplätzen, ließ sich von der Sonderausstellung aber erneut inspirieren.
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