28.10.2025
4 min
Studierende der PH Tirol (redaktionell überarbeitet)

Historische Quellen im Sachunterricht

Im Rahmen eines Projekts durften wir, Studierende der PH Tirol, Schätze aus der Bibliothek des Ferdinandeums erkunden. Unsere Eindrücke und Erfahrungen möchten wir hier teilen.

Während des Seminars „Zeit im Sachunterricht“ an der Pädagogischen Hochschule Tirol hatten wir die Gelegenheit, die Bibliothek des Ferdinandeums in Innsbruck kennen zu lernen. Während des Umbaus des Ferdinandeums ist die Bibliothek im Tiroler Volkskunstmuseum untergebracht.

Ziel des Projekts war es, historische Quellen aus der Bibliothek als Ausgangspunkt für die Konzeption von Unterrichtseinheiten für die Volksschule zu nutzen. Die enge Zusammenarbeit mit den Tiroler Landesmuseen eröffnete uns einen spannenden Zugang zu vergangenen Zeiten.

Von der Quelle zur Unterrichtsidee

Zu Beginn wurden wir von Kulturvermittlerin Anna Amann herzlich empfangen. Sie präsentierte uns das digitale Archiv der Bibliothek und gab einen exklusiven Blick hinter die Kulissen. Besonders beeindruckend war der Zettelkatalog für die Recherche vor Ort.

Anschließend bildeten wir Zweiergruppen. Jede Gruppe wählte eine historische Quelle aus. In der Auswahl befanden sich unter anderem ein alter Zeitungsartikel, eine alte Speisekarte, ein Steckbrief und ein Sterbebild. Diese Quellen dienten als Grundlage für die Planung einer kreativen und altersgerechten Unterrichtseinheit für den Sachunterricht in der Volksschule.

Spannende Entdeckung: eine alte Feuerwehrordnung aus dem 18. Jahrhundert.
© TLM
Spannende Entdeckung: eine alte Feuerwehrordnung aus dem 18. Jahrhundert.

Ein Highlight war die Arbeit vor Ort im Museum. In den historischen Stuben hatten wir die Möglichkeit, in einer besonderen Atmosphäre zu arbeiten und uns inspirieren zu lassen. Diese Räume boten ein ruhiges und gemütliches Arbeitsumfeld, fernab vom klassischen Seminarraum.

Mit der Stubentür öffnet sich auch das Tor in die Vergangenheit.
© TLM
Mit der Stubentür öffnet sich auch das Tor in die Vergangenheit.

Unterschiedliche Wege, Geschichte zu erzählen

Im Folgenden stellen wir drei von uns entwickelte Quellenprojekte vor – jedes mit einer eigenen didaktischen Idee sowie eigenen Lernzielen und methodischen Zugängen. Gemeinsam bilden sie ein Mosaik historischer Lernmöglichkeiten für Volksschule.

„Der Bazar“ – Mode und Frauenbild um 1895

Bei der Quelle handelt es sich um zwei Ausgaben der Frauenzeitschrift „Der Bazar“ aus dem Jahr 1895, die den Schwerpunkt auf Damenmode für besondere Anlässe legen. Mithilfe von eigenen Zeichnungen, Rollenspielen und dem Erstellen eines eigenen Modemagazins erhält die Klasse Zugänge zum Thema „Mode im Wandel“. Die Volksschüler*innen sollen dabei erkennen, welche Vorstellungen von Weiblichkeit und gesellschaftlicher Repräsentation in der Zeitschrift vermittelt werden. Dies ermöglicht einen Vergleich mit der Gegenwart: Wie sehen moderne Rollenbilder aus? Welche Kleidung gilt heute als „elegant“?

Eine illustrierte Damen-Zeitung aus dem Jahr 1895.
© TLM
Eine illustrierte Damen-Zeitung aus dem Jahr 1895.

Erziehung im Spiegel der Zeit: Artikel von 1951

Die Quelle ist der Artikel „Erziehen Sie Ihre Kinder richtig?“ aus der Zeitschrift Welt am Montag, erschienen am 13. August 1951. Die Volksschüler*innen untersuchen Inhalt und Botschaft des Artikels anhand folgender Fragen: Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Darauf aufbauend folgt eine Diskussion darüber, was heute als „richtige“ Erziehung gilt, welche Werte früher wichtig waren und warum sich diese verändert haben. Ziel ist es, über Kinderrechte, individuelle Entwicklung und gesellschaftliche Erwartungen von heute und damals zu reflektieren.

Erziehen Sie Ihre Kinder richtig? Ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1951
© TLM
Erziehen Sie Ihre Kinder richtig? Ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1951

Ein Fest für den Kaiser: Speisekarte von 1892

Die Quelle ist eine reich gestaltete Menükarte vom 18. August 1892 aus dem Gasthaus „Goldener Stern“ in Bruneck. Sie wurde anlässlich des Geburtstags von Kaiser Franz Joseph I. erstellt. Als Einstieg in das Thema wurde ein fiktiver Brief eines Jungen gewählt, der vom Festessen im Gasthaus berichtet. Die Volksschüler*innen untersuchen daraufhin ungewöhnliche Gerichte wie „Goldenes von Mandl“ oder „Schildkrötensuppe“. Mithilfe eines Begriffslexikons entschlüsseln sie die Bedeutung dieser Gerichte. In einer Diskussion werden folgende Fragen erörtert: Warum galt Schildkrötensuppe als Delikatesse? Warum wäre sie heute problematisch? Was bedeutet „gesund essen“ aus heutiger Sicht? Zum Abschluss gestalten die Schüler*innen eine zukunftsorientierte Speisekarte mit gesunden, regionalen und nachhaltigen Gerichten.

Eine Speisenfolge anlässlich des Geburtstags des Kaisers
© TLM
Eine Speisenfolge anlässlich des Geburtstags des Kaisers

Fazit

Der Besuch im Tiroler Volkskunstmuseum war mehr als nur eine „einfache“ Exkursion. Er verband Theorie und Praxis sowie Vergangenheit und Gegenwart auf inspirierende Weise. Der direkte Kontakt mit Originalquellen machte diesen Tag zu einem echten Höhepunkt im Seminar.

Autor*in

Studierende der PH Tirol (redaktionell überarbeitet)

 
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