// Auszug aus dem Wissenschaftlichen Jahrbuch 2020 //
Im Jahr 1679 wurde in Meran der Knabe Leonhard Tengg aus dem Zillertal wegen Zauberei zum Tod verurteilt. Rund 250 Jahre später nahm sich der Schriftsteller Josef Leitgeb dieses Schicksals an und verfasste seinen Roman „Kinderlegende“.
Der Salzburger Zauberer Jackl-Prozess (1675–1681) war eine der blutigsten Hexenverfolgungen Europas, in der 139 Menschen den Tod fanden, darunter zahlreiche Bettelkinder. Im Zuge dessen wurde auch in den benachbarten Regionen nach Zauberbuben gefahndet, wobei der 14-jährige Leonhard Tengg aus Stumm im Zillertal in den Blick der Gerichtsobrigkeit geriet. Über sein Schicksal berichtet eine Handschrift, die sich in der Bibliothek des Ferdinandeums erhalten hat.
Alles begann mit einem heftigen Gewitter, das in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni 1679 in der Gemeinde Marling zahlreiche Schäden verursachte. Sogleich wurde von Hexenwerk gemunkelt und nach potentiellen Schuldigen Ausschau gehalten. Aus diesem Grund fiel der Verdacht auf den Betteljungen Leonhard Tengg, der sich gerade in Marling aufhielt. Der Knabe wurde im Gericht Stein unter Lebenberg (Lana) festgenommen und vor Gericht gestellt.