Vom Museum ins Depot
Abgebaut und eingepackt, transportiert und eingelagert.
Bevor das Ferdinandeum ab Herbst 2024 umgebaut werden kann, muss das Museum zunächst ausgeräumt werden. Alle Objekte werden behutsam abgebaut und verpackt, sicher ins Depot transportiert und eingelagert. Vieles an diesem Prozess ist Routine, doch manche Kunstwerke halten besondere Herausforderungen bereit.

Kleine Gemälde, Objekte und Instrumente
Generell sind kleinere Gemälde meist einfacher abzunehmen und zu transportieren und sie stehen auch am Beginn des Projektes. Danach folgt dann das Verpacken der Kleinplastiken und Objekte aus den Vitrinen. Wertvolle Objekte sind zu Beispiel auch Kruzifixe und die Artuqidenschale, die vorsichtig aus ihren Halterungen entnommen und verpackt werden. Klaviere und andere Instrumente aus der Aula werden zuerst von der Restaurierungsabteilung gereinigt und von den Kolleg*innen der Werkstatt transportiert.
Aufwendige Großobjekte
Chorgestühl aus der Kapelle des Schlosses Annenberg
Es gibt auch noch kompliziertere Werke, die einiges an Vorarbeit benötigen:
Eines davon ist zum Beispiel das Chorgestühl aus der Kapelle des Schlosses Annenberg im Gotikbereich von 1516/17 mit einer Höhe von 3,40 Meter und einer Breite von 2,30 Meter.
Zwei Restauratoren waren eine Woche damit beschäftigt, das Gestühl zu demontieren, historische und spätere Montagen zu untersuchen, zu dokumentieren und vorsichtig zu lösen. Es müssen Schrauben gelockert, nach Ort gekennzeichnet und in Säckchen verpackt werden. Manchmal müssen spätere Verklebungen gelöst werden, um das Objekt in kleinere Einzelelemente zerteilen zu können, die dann transportabel sind. Das Chorgestühl wurde vor so langer Zeit aufgebaut, dass keiner im Team den Aufbau begleitet hatte.

Fresko des Hl. Christopherus
Heikler für den Transport sind auch andere Großobjekte, wie etwa ein Fresko-Fragment:
Die Darstellung des Hl. Christopherus von der Fassade des alten Gerichtshauses in Axams von 1521. Auch hier ist das Werk schon vor einigen Jahrzehnten ins Ferdinandeum gekommen und das Gewicht und die Montagen sind uns unbekannt. Es dürfte aber einige hundert Kilo wiegen und ist mit einer Höhe von 3,27 Metern und einer Breite von 2,13 Metern auch noch ziemlich groß. Hier ist vor allem das Handling, also die Bewegung heikel, da der Putz sehr brüchig ist.
„Das Kreuz“ (um 1900) von Albin Egger-Lienz
Als drittes aufwändiges Großobjekt haben wir dann noch das Gemälde „Das Kreuz“ von Albin Egger-Lienz, ein großes Gemälde in Öl auf Leinwand aus den Jahren um 1900. Es hat einen schweren, vergoldeten Rahmen ist 3,48 Meter hoch und 4,21 Meter breit. Das heißt, es ist in etwa so groß, wie unsere Hängewände im Depot, aber breiter und höher als die Türöffnungen im Ferdinandeum.
Deswegen müssen wir es für den Transport abspannen. Um das Gemälde von seinem Hängeplatz abzunehmen, muss zunächst eine Zwischenwand im Raum, entfernt und herausgebrochen werden. Danach wird der schwere Zierrahmen mit 15 Zentimeter breiten Schenkeln entfernt. Es braucht einen speziell angefertigten Tisch, damit das gesamte große Gemälde darauf abgelegt werden kann. Danach kann es vom Spannrahmen abgenommen werden, indem hunderte Tackerklammern entfernt werden und auf eine große Rolle aufgerollt werden. Im aufgerollten Zustand wird es transportiert und eingelagert.
Meilenstein
Im Bereich Archäologie im Untergeschoss des Ferdinandeums haben wir vornehmlich kleinteilige Gegenstände. Allerdings ist ein historischer Meilenstein dabei, der ein längeres und aufwändigeres Projekt für den Umzug darstellt: Er muss zunächst fachgerecht aus dem Putz gehoben werden. Erst mit dem Abbruch des Gebäudes kann er mit einem Sondertransport ins SFZ transportiert werden.
Versicherung und Spedition
Generell sind der Abbau, die fachgerechte Verpackung und der Transport der Objekte aus den Ausstellungen im Ferdinandeum in unsere Depots im Sammlungs- und Forschungszentrum (SFZ) in Hall in Tirol für uns ein Alltagsgeschäft und stehen mit jedem Wechsel der Ausstellungen an. Dazu gehört, dass Ausschreibungen mit Kunstspeditionen gemacht wurden und die Werke nach ihren Versicherungswerten sortiert und gruppiert werden, damit die einzelnen Fuhren ausgewogen in den Gesamtwerten sind.
Auch im Zuge der Umbauvorbereitungen steht die exakte Planung der Transportfuhren anhand von Größen und Versicherungswerten und die farbige Kennzeichnung der Werke vor Ort an. Besonders hochwertige Gemälde, wie etwa unsere Cranach-Madonna oder „Bauerntanz um den Maibaum“ von Pieter Brueghel d. J. dürfen aus Versicherungsgründen nur mit einer spezialisierten Kunstfachspedition transportiert werden





