Weihnachtskarte 2020

 

Das Weihnachtslied zum Anhören und Nachsingen

Anna Gratl, Gitarre und Gesang, 2020

Liebliche Gesichter, lockiges Haar – das Motiv der diesjährigen Weihnachtskarte stammt von Joseph Bachlechner d. Ä. (1871 – 1923). Seine Weihnachtskrippen zum Ausschneiden beeinflussten zahlreiche Krippenbauer in Tirol. Da der in Bruneck geborene Altarbauer die Geburtsszene in ein heimatliches, alpines Umfeld verlegte, gilt Bachlechner als „Vater der Tiroler Krippe“. Die Zeichnung befindet sich im Bestand des Tiroler Volkskunstmuseums.

Die Geschichte des Liedes

In einem Weihnachtsliederbuch, das 1881 in Innsbruck gedruckt wurde[1] und in dem als älteste Handschrift dieses Liedes auf ein „Weyhnachtslidt“ bei J. Burgkmayr 1748 verwiesen wird,  ist eine Fassung aus Oberösterreich veröffentlicht.

Sie stimmt nur in der ersten Strophe mit unserer überein, die drei Folgestrophen sind eschatologisch (Tod und Auferstehung) ausgerichtet, ohne die hier anzutreffende naiv-kindliche Schilderung, die unmittelbar an eine Krippe erinnert. Die Melodie ist ident, aber leicht variiert. Außerdem findet sich der Hinweis, das Lied sei „handschriftlich und auf (neueren) fliegenden Blättern überall verbreitet.“ Es ist diese Fassung, die in der Folge sowohl handschriftlich als auch in Druckwerken auftaucht.

Um 1850 erscheint das Lied bereits in Steyr als Flugblatt[2], in der Folge immer wieder in verschiedenen Gegenden Österreichs, auch aus Budapest ist es überliefert.[3] Handschriftlich findet sich der vierstrophige Text in einem Liederbuch aus dem steirischen Salzkammergut, das ca. 1890 bis 1904 angelegt wurde.[4]

Er ist auch im Nachlass des Volksliedforschers Karl Blümml (1881–1925)[5] enthalten, der ihn mit Melodie als „Weihnachtslied aus Niederösterreich“ veröffentlicht.[6]

Die vorliegende Version ist daher nicht nur die einzige greifbare in Tirol, sondern dürfte auch – was den Text, aber auch den zweiten Melodieteil betrifft – einmalig sein.

Chorsätze

Im Tiroler Volksliedarchiv können mit Terminvereinbarung Chorsätze des Liedes für gemischten Chor und Männerchor abgeholt werden, die von Richard Neurauter arrangiert wurden

Quellen

[1] Wilhelm Pailler: Weihnachtslieder und Krippenspiele aus Oberösterreich und Tirol, I. Band: Weihnachtslieder aus Oberösterreich, Innsbruck 1881, S. 57 und 401 (Nr. 49). Später nimmt es auch Karl Schellnegger in seine „Weihnachtslieder“ (Graz 1904) auf.

[2] Ein weiteres, undatiertes Flugblatt [vermutl. um 1880] ist aus Linz-Urfahr erhalten. Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes / Österreichische Nationalbibliothek, ÖC Kotek 486.

[3] Konrad Scheierling: Geistliche Lieder der Deutschen aus Südosteuropa, 1. Band, Kludenbach 1987, Nr. 98.

[4] Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes  / Österreichische Nationalbibliothek, A 92, Nr. 21.

[5] Der Liedtext gelangte 1929 ins Steirische Volksliedarchiv (HS 371/5).

[6] Emil Karl Blümml: Zum deutschen Volksliede. Sonderdruck aus den Hessischen Blättern für Volkskunde VI, Heft 1, S. 30. Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes  / Österreichische Nationalbibliothek, Ko 17.

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