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12.5.2022
5 min
Esther Strauß

1. Sammlungsaufruf für NS-Objekte in Tirol

Gibt es in Ihrer Familie oder Ihrem Freundeskreis noch Objekte aus der Zeit des Nationalsozialismus? Möchten Sie sie gerne weitergeben?

Zeugen ihrer Zeit

In vielen Tiroler Familien gibt es noch Objekte, die aus der NS-Zeit stammen. Oft liegen sie vergessen am Dachboden oder werden bei der Auflösung von Verlassenschaften entdeckt. Wie wir mit diesen Objekten umgehen ist von großer Bedeutung. Auch sie sind Zeugen ihrer Zeit. Werfen wir sie weg, verlieren wir einen Teil unserer Geschichte und damit auch die Möglichkeit, sie aufzuarbeiten, die Verantwortung für sie zu übernehmen und von ihr zu lernen.

Sammelstelle am Museumsvorplatz

Um diesen Objekten einen Ort zu geben, habe ich in Kooperation mit den Tiroler Landesmuseen den ersten Sammlungsaufruf für NS-Objekte in Tirol initiiert. Von Mai bis Oktober können die Objekte rund um die Uhr in den weißen Sockel am Vorplatz des TIROL PANORAMA mit Kaiserjägermuseum eingeworfen werden. Größere Objekte können zu den Öffnungszeiten an der Kassa des Museums abgegeben werden. Alle Objekte, die dort eingehen, finden als Schenkung Eingang in die Historische Sammlung.

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© Esther Strauß
Kleine Objekte aus der Zeit des Nationalsozialismus können in diesen Sockel am Vorplatz des TIROL PANORAMA eingeworfen werden.

Tiroler NS-Geschichte aufarbeiten

Wir laden Sie also ein Zuhause auf Spurensuche zu gehen. Gibt es dort Bücher, Orden, Dokumente oder andere Gegenstände, die aus der NS-Zeit stammen? Finden sich persönliche Unterlagen wie Tagebücher oder Fotografien, die das Leben zwischen 1938 und 1945 dokumentieren? Indem Sie der Sammlung Objekte mit NS-Bezug stiften, erteilen Sie den Verantwortlichen den Auftrag, weiter zur Tiroler NS-Geschichte zu forschen und sie in Ausstellungen und Büchern offenzulegen. Noch sind diese Objekte da, noch sind sie nicht verschwunden. Entscheiden wir uns, ihnen zuzuhören!

Sie wollen mitmachen? Vielen Dank! Wie die Teilnahme am Sammlungsaufruf funktioniert erfahren Sie in den FAQs. Ein Projekt von Esther Strauß © 2022 in Kooperation mit den Tiroler Landesmuseen im Rahmen der Ausstellung „Denkmal weiter“.

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© TLM/Maria Kirchner
Propagandafaltblatt, Postkarte mit NS-Aufmarsch 1938 und 3 BDM-Abzeichen. Anhand ausgewählter Objekte befragt die Künstlerin Esther Strauß die bestehende Darstellung der Tiroler NS-Geschichte.


FAQ SAMMLUNGSAUFRUF

Welche Objekte werden gesucht?                                                                                                     

Alle Objekte, die einen Bezug zum Nationalsozialismus haben. Das können Alltagsgegenstände wie Bücher, Geschirr oder Kleidungsstücke sein, aber auch persönliche Gegenstände wie Fotografien, Abzeichen, Dokumente oder Tagebücher. Auch militärische Objekte wie Uniformen, Helme, Orden oder Feldpostbriefe sind wichtige Forschungsobjekte für die Historische Sammlung.

Wieso werden diese Objekte gesammelt?

Auch 77 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs ist der Nationalsozialismus noch nicht vollständig aufgearbeitet. Objekte, die aus dieser Zeit stammen, sind eine wichtige Grundlage für historische Forschung. Sie ermöglichen Ausstellungen und Publikationen, die es uns auch nach dem Tod der Zeitzeug*innen erlauben, uns ein Bild von Tirol zur Zeit des Nationalsozialismus zu machen. Gehen diese Objekte verloren, verlieren wir auch die Möglichkeit, diesen Teil unserer Geschichte aufzuarbeiten und Verantwortung für ihn zu übernehmen. Schenkungen aus der Bevölkerung leisten einen sehr wichtigen Beitrag. Ihre Schenkung schreibt Geschichte!

Wo und wann kann ich ein Objekt abgeben?

Der Sammlungsaufruf läuft von 13. Mai bis 3. Oktober 2022. Kleine Objekte mit bis zu 30 x 29 x 37,5 Zentimetern können in den weißen Sockel am Vorplatz des TIROL PANORAMA mit Kaiserjägermuseum eingeworfen werden. Bitte öffnen sie dazu die Klappe des Sockels, legen Sie Ihr Objekt hinein und schließen Sie den Deckel wieder. Die Objekte sind unter einem doppelten Boden diebstahlsicher aufbewahrt, bis das Museumspersonal die Objekte abholt. Wir bitten Sie die Objekte, die in den Sockel eingeworfen werden, zu verpacken. Vielen Dank!

Größere Objekte oder zerbrechliche Gegenstände können an der Museumskassa des TIROL PANORAMA mit Kaiserjägermuseum abgegeben werden. Bitte beachten Sie dabei die Öffnungszeiten Mittwoch bis Montag zwischen 9 und 17 Uhr. Am Dienstag ist das Museum geschlossen.

Muss ich meinen Namen angeben, wenn ich ein Objekt abgeben will?

Nein, das Objekt kann anonym abgegeben werden. Wenn Sie das Objekt unter Ihrem Namen abgeben wollen, legen Sie bitte einen Zettel mit ihrem Namen dazu. Wenn Sie uns etwas über die Herkunft des Objekts und seine Geschichte erzählen wollen, fügen Sie bitte Ihre Telefonnummer bei. Wir kontaktieren Sie gerne. Oder schreiben Sie uns: wirsammeln@tiroler-landesmuseen.at

Welche Objekte dürfen nicht abgegeben werden?

Schusswaffen, Munition oder andere gefährliche Objekte.

Was passiert mit meinem Objekt?

Das Objekt wird von den Mitarbeiter*innen der Historischen Sammlung begutachtet und findet als Schenkung Eingang in die Historische Sammlung. Alle Objekte, die in der Sammlung aufgenommen werden, stehen dort für die wissenschaftliche und künstlerische Forschung zur Verfügung.

Geht mein Objekt als Schenkung an den Verein Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum?

Ja. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Tiroler NS-Geschichte. Für die Übergabe gelten folgende Schenkungsbedingungen: Die/Der Schenkungsgeber/in übergibt die Schenkungsgegenstände mit allen Rechten, die ihr/ihm selbst an den Schenkungsgegenständen zugestanden sind. Der/Die Eigentümer/in überlässt dem Verein Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum die Gegenstände unentgeltlich. Auf namentliche Nennung und Ausstellung besteht kein Anspruch.

Wer hat den Sammlungsaufruf initiiert?

Der tirolweit erste Sammlungsaufruf für Objekte, die im Bezug zum Nationalsozialismus stehen, wurde von der Tiroler Künstlerin Esther Strauß initiiert. Sie setzt den Sammlungsaufruf im Rahmen der Ausstellung „Denkmal weiter“ und in Kooperation mit den Tiroler Landesmuseen um.

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© TLM/Maria Kirchner
Der Liegestuhl wurde in der Tiroler Gemeinde Gries am Brenner im Sperrmüll gefunden und 2018 der Historischen Sammlung als Schenkung übergeben.

Autorin

Esther Strauß

Esther Strauß, Performance- und Sprachkünstlerin, Paul Flora Preisträgerin 2022.
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