Ich werde heute noch in der Früh von einem – relativ altmodischen – Radiowecker aus dem Schlaf geholt, knapp vor der vollen Stunde, um die Nachrichten zu hören. Überhaupt konzentriert sich das Radiohören bei mir schon seit längerer Zeit auf die Morgenstunden, bevor ich ins Zeughaus gehe.
In meiner Kinderzeit lief der Radio meist den ganzen Tag in der Küche, wo man sich auch aufhielt. Als Jugendliche in den 1970er-Jahren war es eine große Herausforderung für uns, Titel der Hitparade mithilfe eines Kassettenrekorders so mitzuschneiden, dass die Stimme des Radiomoderators, der immer knapp vor Ende des Songs dreinredete, nicht mit aufgenommen wurde. Fertige Musikkassetten und Schallplatten gab es natürlich auch, aber diese Art, zu Hits zu kommen, war billiger und vor allem fast auch eine sportliche Herausforderung.
Wenn ich an die Anfänge des Rundfunks denke, kann ich mir gut vorstellen, was dieses neue Medium für die Menschen bedeutet hat. Allein die Vorstellung, dass irgendjemand irgendwo spricht oder Musik spielt, die praktisch zeitgleich von vielen Leuten an verschiedenen Orten gehört werden kann, muss faszinierend, möglicherweise sogar ein bisschen unheimlich gewesen sein. Meldungen (aber auch Falschmeldungen) kamen nun aktuell und vor allem noch vor den Zeitungsberichten aus dem Äther. Für das Radio wurde sogar eine neue literarische Form, das Hörspiel, entwickelt, und es war auch möglich, musikalische Produktionen, später z. B. auch Berichte von Sportveranstaltungen oder Unterhaltungssendungen zu hören.
Der technische Fortschritt machte aus statischen Möbelstücken transportable Geräte, die überallhin mitgenommen werden konnten. Heute ist das Medium Radio für mich immer noch sehr aktuell, einfach via Smartphone zu konsumieren und durch die neuen Möglichkeiten des Musikstreamens und Podcasthörens auch sehr individuell einsetzbar.



