Radio ist überall, rund um die Uhr, praktisch unverwüstlich. Einschalten bedeutet auch immer, sich von Inhalten überraschen zu lassen, auf die man sonst vielleicht nie gestoßen wäre. Meine Lieblingsfrequenzen gehören daher zu Sendern, auf denen man noch eine Vielfalt an Sendeformaten finden kann: Ö1 und FREIRAD.
Meine frühere Arbeit beim Freien Radio Innsbruck FREIRAD hat mir die gesellschaftliche Bedeutung von Community Radios bewusst gemacht. Jeder und jede kann dort selbstbestimmt Sendungen gestalten, über Dinge sprechen, die ihnen wichtig sind und vielleicht woanders kein Gehör fänden. Der offene Zugang ist ein Grundprinzip. Er ist wichtig, wenn wir gesellschaftliche Verhältnisse besser gestalten möchten: demokratischer, inklusiver, friedlicher und vor allem vielfältiger. Gerade diese Vielfalt an Themen, Sprachen und Musikstilen ist im Freien Radio unübertroffen – und das alles werbefrei.
Und Radio machen fühlt sich einfach sensationell an: Interviews führen, Musik auswählen, mit Klängen experimentieren und Töne schneiden bis einem die Ohren glühen. Noch intensiver ist nur die Spannung im Studio vor einer Livesendung. Dabei wachsen viele über sich hinaus und kommen dann zwei Kopf größer aus dem Aufnahmeraum. Umso mehr freut es mich, dass die Tiroler Landesmuseen im Rahmen der Ausstellung „Unsichtbare Wellen. 100 Jahre Rundfunk“ Workshops zusammen mit FREIRAD anbieten.
Besonders am Herzen liegt es mir, auf den „KulturTon“ hinzuweisen. Seit Jahren entstehen für diese Sendereihe in Kooperation mit FREIRAD Beiträge, in denen Museumsmitarbeiter*innen mit Redakteur Michael Klieber über ihre Arbeit erzählen, um so ganz besondere Einblicke in die Welt der Tiroler Landesmuseen zu vermitteln.
Ein kleines rotes Radio war das Abschiedsgeschenk, das mir meine Kolleg*innen bei FREIRAD gemacht haben. Es sieht nicht nur entzückend aus, sondern hat auch eine besondere Geschichte: Es wurde einst von Radio-Pirat*innen beim geheimen Senden auf den Bergen rund um Innsbruck aufgedreht, um zu überprüfen, ob sie auch wirklich „on air“ waren. Das war vor 30 Jahren und sehr verboten. Senden durfte damals nur der ORF. Für andere nichtstaatliche Sender gab es keine Lizenzen. Dagegen wehrten sich viele Radio-Pirat*innen in Österreich, beschwerten sich beim Verfassungsgerichtshof und zogen sogar vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dieser brachte 1993 das staatliche Rundfunkmonopol durch ein Urteil zu Fall. Der Einsatz hatte sich ausgezahlt und nach und nach gingen viele Freie Radios in ganz Österreich „on air“ und bereichern die Medienlandschaft (z.B. Radio Orange in Wien, Radiofabrik in Salzburg, Radio FRO in Linz, Radio Helsinki in Graz uvm.). Das kleine rote Radio erinnert mich daran, wie verändernd, kraftvoll und wichtig Radio sein kann – gestern wie heute.