6.10.2021
2 min
Elisabeth Probst, M.A.

Krieg bis ins Kinderzimmer

Während des Ersten Weltkriegs wurden in Tirol zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um in der Bevölkerung die positive Einstellung zum Krieg aufrecht zu erhalten.

Weiße Flecken in Zeitungen, „Zensiert“-Stempel auf Postkarten, Plakate, die für den Krieg werben, Kriegsbücher, Kriegsspiele, Kriegsspielzeug – überall Krieg. Die Propaganda im Ersten Weltkrieg in Tirol beschränkte sich keineswegs auf die Front, sondern griff auch auf das Alltagsleben der Menschen über, sickerte in Klassenzimmer und Kinderköpfe.

Das Bild des Krieges

Das Aufkommen von Film und Fotografie sorgt dafür, dass der Erste Weltkrieg so umfassend in Bildern festgehalten wird wie bis dahin kein anderes Kriegsgeschehen. Neben Malerei, Musik und Literatur werden nun auch die damals neuen Medien genutzt, um inszeniertes Heldentum und Patriotismus in die Bevölkerung zu tragen. So präsentierten gestellte Filmszenen der Bevölkerung Heldentaten an der Front, Propagandafotografien werden in Form von Postkarten verbreitet. Anstatt Schrecken, Gewalt und Tod zu zeigen, hält man die beschaulichen Seiten des Soldatenlebens fest oder zeigt gar das kaiserliche Paar, lächelnd beim Frontbesuch.

Kriegskinder

Während die erwachsene Bevölkerung mit Zensur, Plakaten und Mundpropaganda beeinflusst werden soll, versuchen die kriegsführenden Staaten auch Kinder und Jugendliche für den Krieg zu gewinnen. Für all jene, die noch nicht an der Front kämpfen dürfen, entwickelt man Kriegsspielzeug sowie Bücher und Spiele, die sich um den Krieg drehten. Im Schulunterricht wiederum führt man ein „Kriegstagebuch“ oder setzte sich in Gedichten und Zeichnungen kreativ mit dem Krieg auseinander.

Ab 15. Oktober widmet sich die neu gestaltete Ausstellung „Für Gott, Kaiser und Vaterland?“ im Kaiserjägermuseum der Kriegspropaganda im Ersten Weltkrieg und vermittelt anhand historischer Objekte, wie ein so verheerendes Ereignis bis weit in die Alltagskultur hinein mit realitätsfremden Bildern vertuscht wurde.

Autorin

Elisabeth Probst, M.A.

 
Elisabeth Probst
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